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Neuburg

19.10.2020

Neuburgs Stadtpolitiker mussten zum Corona-Test antreten

Vor der Corona-Teststation in Mühlried treffen sich die Stadträte Manfred Enzersberger und Doris Stöckl.
Bild: Winfried Rein

Plus Der Corona-Fall „Parkhaus“ hat in der Stadtpolitik in Neuburg einiges durcheinandergewirbelt. Nun ließen sich die Betroffenen, darunter rund 20 aktuelle und ehemalige Stadträte, testen. Was eine einzige Erkrankung nach sich zieht.

Die Verwaltung ausgedünnt, Sitzungen abgesagt, der OB im Homeoffice und dann das Warten auf die Testergebnisse – der Corona-Fall „Parkhaus“ hat in der Stadtpolitik einiges durcheinandergebracht. Eine einzige Erkrankung – bei einer Stadträtin war Covid-19 festgestellt worden – zieht ellenlange Konsequenzen nach sich.

Dabei geht es um die strikte Verfolgung der Infektionsketten, um das Virus zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen. Die Angestellten des Gesundheitsamtes in Neuburg legten am Sonntag Sonderschichten ein, um die Kontaktkreise der betroffenen Stadträtin zu ermitteln und zu verständigen. „Jetzt habe ich 13 Stunden lang telefoniert“, sagte eine erschöpfte Medizinerin Sonntagabend.

Auch die gesamte Werkleitung der Neuburger Stadtwerke ist betroffen

Der Parkhaus-Fall ist nicht der einzige Hotspot, er bringt aber doch beträchtlichen Umfang mit sich. Schätzungsweise 60 bis 70 Personen – darunter auch die gesamte Werkleitung der Stadtwerke mit Ausnahme des Leiters Richard Kuttenreich selbst, der sich im Urlaub befindet – schickt das Gesundheitsamt bis kommenden Montag in Quarantäne. Es handelt sich um Teilnehmer der Parkhauseröffnung mit Imbiss im Hallenbad sowie der anschließenden Sitzung des Partnerschaftsausschusses. Am Dienstagabend hatte die Stadträtin außerdem noch parteiübergreifend ihre Kolleginnen zu einem Austausch in ein Lokal eingeladen. Dazu kommen familiäre und weitere Kontaktkreise.

Rund 20 aktuelle und ehemalige Stadträtinnen und Stadträte traten am Montag zum Rachenabstrich im Corona-Testzentrum Mühlried an – für Neuburger eine kleine Tagesreise. Die Abnahme funktionierte flott, die Ergebnisse werden bis Mittwoch erwartet. Besonders wichtige Funktionsträger wie Stadtpfarrer Herbert Kohler oder Oberbürgermeister Bernhard Gmehling sind gestern Vormittag am Neuburger Gesund-heitsamt getestet worden.

Corona in Neuburg: CSU-Fraktionssprecher Hornung muss daheim bleiben

„Ich fühle mich fit“, versichert Stadtrat Klaus Babel (FW), „aber man kann sich nicht sicher sein“. Das sieht Manfred Enzersberger (CSU) genauso, er hat das Arco-Schlösschen jetzt für eine Woche zugesperrt. Gabriele Kaps ( CSU) kann nun die Eltern nicht betreuen und muss „wieder zum Homeschooling übergehen und wohl zwei Schulaufgaben nachholen“. Der Direktor ist nicht begeistert. CSU-Fraktionssprecher Alfred Hornung war zeitig vor der Fraktionssitzung da und schaute noch 20 Minuten im Partnerausschuss vorbei. Deshalb muss er jetzt auch daheim bleiben, „die Hecken ausschneiden und das Büro aufräumen“.

Über Hilfe im Garten würde sich auch Hermine Gmehling freuen. Doch ihr Mann, der Oberbürgermeister, ist im Homeoffice gut beschäftigt. Lange Telefonate unter anderem mit seinem Stellvertreter Johann Habermeyer, Online-Sitzungen am iPad oder das Abarbeiten der Post, die ihm stapelweise nach Hause gebracht wird: „Ich habe viel zu tun“, sagt Bernhard Gmehling, der am Montag direkt hinter Stadtpfarrer Kohler im Gesundheitsamt getestet wurde.

Neuburgs OB Bernhard Gmehling bleibt weiter in Quarantäne

Auch wenn er keinerlei Anzeichen einer Infektion verspürt, wird er bis kommenden Montag in Quarantäne bleiben. Dann sind die vorgegebenen 14 Tage vorbei. Weil 18 aktuelle Stadträte das Schicksal mit ihm teilen, wurden die heutige Stadtratssitzung und die des Kulturausschusses am Mittwoch abgesagt. „Der Stadtrat wäre nicht beschlussfähig“, erklärt der OB. Noch nicht abgesagt wurden die Sitzungen des Finanz- und Bauausschusses nächste Woche. Da gelte es, die Testergebnisse abzuwarten. Was Bernhard Gmehling neben anderen Einschränkungen noch besonders bedauert, sind die zwei Trauungen, die er in dieser Woche vollziehen wollte.

Gmehling ist übrigens in guter nachbarschaftlicher Gesellschaft. Auch der Eichstätter Oberbürgermeister Josef Grienberger, Ingolstadts Rathauschef Christian Scharpf und Pfaffenhofens Landrat Albert Gürtner befinden sich im Augenblick in Quarantäne.

Die erkrankte Neuburger Stadträtin ist auf dem Weg zur Genesung

Die erkrankte Stadträtin ist übrigens auf dem Weg zur vollständigen Gesundung. Ab Mittwoch vergangener Woche habe sie Fieber, Gliederschmerzen, Müdigkeit und den Verlust des Geschmackssinns bemerkt. Am Freitag ließ sie sich von ihrem Hausarzt testen, am Sonntag kam das Ergebnis. Sie sehe kein Verschulden, habe verantwortungsvoll gehandelt, und „leider macht das Virus auch vor der Politik nicht Halt“. Dass sie eine Entwicklung mit solchen Umständen ausgelöst hat, „das tut mir sehr leid.“

Derweil meldet das Gesundheitsamt Neuburg-Schrobenhausen 20 weitere Neuinfektionen seit der letzten Mitteilung vom Freitag. Elf Personen sind wieder genesen. Damit sind aktuell 79 Landkreisbürger infiziert. Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie haben sich damit im Landkreis 539 Personen mit dem Coronavirus infiziert, davon gelten 442 als bereits genesen. 18 Patienten, die an Covid-19 erkrankt waren, sind verstorben. Da die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis über dem Grenzwert von 50 liegt, gelten die Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung für die bayerischen Kommunen und Landkreise, die diesen Wert überschreiten.

Wie viele Infizierte gibt es wo im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen:

  • Aresing 11
  • Berg im Gau 0
  • Bergheim 1
  • Brunnen 1
  • Burgheim 6
  • Ehekirchen 2
  • Gachenbach 1
  • Karlshuld 1
  • Karlskron 5
  • Königsmoos 20
  • Langenmosen 2
  • Neuburg 12
  • Oberhausen 1
  • Rennertshofen 1
  • Rohrenfels 0
  • Schrobenhausen 13
  • Waidhofen 2
  • Weichering 0
  • Summe: 79 (Stand: 19. Oktober, 8 Uhr)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Manfred Rinke: "Es hilft nur die Einsicht"

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