Hohenaltheim

11.07.2016

Der Schock sitzt tief

Ein großes Aufgebot an Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften eilte nach dem Unfall auf das Historische Fest nach Hohenaltheim.
Bild: Dieter Mack

Ein Unfall während einer Feuershow, bei dem eine Mutter und ihre drei Kinder schwer verletzt wurden, überschattete das Fest. Der Feuerkünstler selbst ist bestürzt.

Ein Unglück überschattet das Historische Fest in Hohenaltheim. Bei einer Feuershow am Samstagabend wurden eine 40-jährige Mutter und ihre drei Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren schwer verletzt. Sie mussten mit dem Hubschrauber in die Kliniken nach Augsburg, München und Aalen gebracht werden.

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Eine Frau erlitt einen Schock, weitere drei Menschen erlitten leichte Verletzungen, wie die Polizei mitteilte. Was passiert ist: Ein Feuerkünstler wollte eine Schale mit Brennmittel aus einem Kanister nachfüllen. Es kam zu einer Verpuffung und einer Stichflamme, die bis zu den Zuschauern reichte. Die Kripo Dillingen ermittele nun gegen den 55-jährigen Feuerkünstler wegen fahrlässiger Körperverletzung in sieben Fällen, so Siegfried Hartmann, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Nord.

Der Unfallhergang ist anderen Feuerkünstlern ein Rätsel. Markus Just aus Fürth unterhält seit zwölf Jahren als freischaffender Künstler das Publikum mit Feuershows. Er ist der Meinung, dass nur eine Kette von Fehlern zu diesem Ergebnis führen konnte. Ihm sei aus seinem Umfeld auch kein Fall bekannt, bei dem es im Publikum Verletzte gab. Er erklärt, dass professionelle Feuerkünstler als Brennmittel Lampenöl verwenden würden. Das brenne nur sehr schwerfällig, sodass Verpuffungen eigentlich nicht vorkommen können. Außerdem müssten ausreichende Sicherheitsabstände eingehhalten werden. Bei seinen Shows sei das Publikum mindesten fünf Meter von der Flammenquelle entfernt. Er könne sich aufgrund der Unfallbeschreibung nicht vorstellen, dass dies bei der Show in Hohenaltheim der Fall gewesen sei.

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Laut dem Bürgermeister der Gemeinde Hohenaltheim, Wulf-Dietrich Kavasch, sei der Platz jedoch im Vorfeld von der Security überprüft und der Sicherheitsabstand für ausreichend befunden worden. „Es hat uns alle unheimlich betroffen“, sagte der Bürgermeister weiter. „Für uns ist erst einmal wichtig, dass die Familie versorgt wird.“ Er freue sich über die große Hilfsbereitschaft im Dorf. So sei zum Beispiel ein Fahrdienst organisiert worden, da die Familienmitglieder zur Behandlung auf drei verschiedene Kliniken in München, Augsburg und Aalen verteilt wurden. Kavasch steht auch in Kontakt zur Familie und konnte im Bezug auf deren Gesundheitszustand erste Entwarnung geben. Das zehnjährige Mädchen und der jüngste Sohn seien gestern bereits entlassen worden. Die Mutter müsse sich noch einer Operation am Knie unterziehen, werde das Krankenhaus aber voraussichtlich diese Woche noch verlassen können. Kavasch lobte auch die Rettungskräfte, deren Einsatz reibungslos verlaufen sei. Ein Kriseninterventionsteam kümmerte sich um die Zuschauer, dabei vor allem um die Kinder im Publikum, die den Unfall beobachtet hatten.

Der Feuerkünstler selbst zeigte sich bestürzt von dem Unfall am vergangenen Wochenende. Er sagte gegenüber den Rieser Nachrichten, der Schock sitze auch bei ihm noch tief und drückte sein Mitgefühl mit der Familie aus. Er könne sich nicht erklären, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Bei diesem Auftritt habe die Truppe, wie immer, nur spezielle Brennmittel für professionelle Feuerkünstler verwendet. Er habe die Geschehnisse selbst noch nicht verarbeitet, vermutlich werde er aber mit den Feuershows aufhören.

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13.07.2016

Ob der Feuerkünstler schockiert ist oder nicht, tut nichts mehr zur Sache. Fakt ist, dass er einen Fehler gemacht haben muss und viel wichtiger ist, dass er eine Versicherung hat, die zahlt. Schließlich werden die Betroffenen teils ihr Leben lang mit den Folgen des Unfalls leben müssen und sich noch Jahre behandeln lassen müssen. Die Folgen sind gar nicht abschätzbar.

Der extra für das Fest gegründete Dorfverein ist hier auch massiv in der Pflicht, um sich um die geschädigten Mitbürger(innen) zu kümmern - auch finanziell, und die Unterstürzung durch die Dorfgemeinschaft zu organisieren. Die Polizei wird klären müssen, ob hier wirklich alle Sicherheitsmaßnahmen und Abstände eingehalten wurden.

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