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Nördlingen

22.07.2020

Ende von Strenesse in Nördlingen: So geht es für die Mitarbeiter weiter

Modenschau bei Strenesse in Nördlingen im Jahr 2005, präsentiert wurde die Kollektion des Winters 2005/2006.

Plus Die Modemarke Strenesse mit Stammsitz in Nördlingen stellt Ende 2020 den Geschäftsbetrieb ein. Wie konnte es so weit kommen? Und: Was bedeutet das für die Mitarbeiter?

Der Glanz ist längst verblasst. Die einst schillernde Modemarke Strenesse mit Stammsitz in Nördlingen stellt nach einer langen Talfahrt zum Ende des Jahres den Geschäftsbetrieb ein. Zuletzt waren noch rund 55 Mitarbeiter bei Strenesse beschäftigt, 20 am Standort Nördlingen mit Verwaltungssitz und Outlet. Zu Hochzeiten waren es mehr als 600 Arbeitsplätze weltweit. Jetzt steht das Unternehmen vor dem Aus. Wie konnte es so weit kommen?

Strenesse nennt die Corona-Krise als Ursache

Die Geschäftsaufgabe teilt Strenesse am Mittwochmorgen in einer Presseerklärung mit. Geschäftsführerin Micaela Sabatier will auf Nachfrage unserer Zeitung keine Stellungnahme abgeben. Zu den Umständen heißt es in dem Schreiben, dass die Restrukturierung nach dem Insolvenzverfahren eigentlich abgeschlossen gewesen sei und sich die Umsätze im ersten Quartal gut entwickelt hätten. Die Strenesse New GmbH habe aber die Auswirkungen der Corona-Krise nicht kompensieren können und müsse deshalb den Geschäftsbetrieb bis zum Ende des Jahres einstellen. Für Kunden bedeutet das, dass die aktuelle Herbst-Kollektion sowie die kommende Winter-Kollektion 2020/21 bis zum Ende des Jahres bei den Großhandels-Partnern, in den eigenen Stores, im Fabrik-Outlet sowie im Online-Shop verfügbar sei.

Ein Investor wollte Strenesse kaufen

Der letzte öffentliche Hilferuf des Unternehmens kam von Betriebsratsvorsitzendem Reiner Dirrheimer im Juni 2020. Arbeitnehmer-Vertreter aus dem Landkreis trafen sich zum Corona-Krisengipfel. Er stellte dar, wie tragisch sich die Situation bei Strenesse entwickelte (wir berichteten). Ein Investor habe noch Interesse bekundet, doch der Deal sei geplatzt. Eine neue Kollektion gab es nicht. „Die Corona-Krise war das Todesurteil“, sagte Dirrheimer dann am Mittwoch. Nach 27 Jahren im Unternehmen nicht verwunderlich, dass er niedergeschlagen klingt. Die Schutzmaßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, verlangten vom Unternehmen, alle Shops zu schließen. Umsätze sind Dirrheimer zufolge nur noch im Online-Shop generiert worden. Er sagte im Juni alarmierend, dass die staatlichen Hilfen ausgeweitet werden mussten: „Eine Näherin, die circa 1200 Euro netto verdient, hat nun 800 bis 900 Euro. Wie soll das gehen?“

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Wie es mit den Strenesse-Mitarbeitern weitergeht

Die Mitarbeiter, die laut Unternehmensmitteilung ihre Kündigung in den nächsten Tagten erhalten sollen, müssen Strenesse sukzessive verlassen. Nach Angaben von IG-Metall-Vertreter Björn Kannler trifft es die meisten zum 31. Oktober 2020, noch einige wenige werden bis zum Ende des Jahres gekündigt. In einem Sozialplan sind unter anderem die Abfindungen geregelt, sie hängen von den Verkaufszahlen bis zum Ende des Jahres ab. Die Gewerkschaft sei mit anderen Unternehmen wegen einer Übernahme der Mitarbeiter im Gespräch, allerdings sei die aktuelle Wirtschaftslage nicht gerade leicht. Immerhin gebe es für die Mitarbeiter nun endlich einen Schlussstrich. Kannler sagt: "So hart es sich anhört, aber das ist besser als weiter ein Sterben auf Raten."

Aus der Gewerkschaft heißt es außerdem, dass nicht nur die Corona-Krise und die bekannten Probleme in der Modebranche Strenesse Schwierigkeiten bereitet hätten. Es habe einige Fehlentscheidungen in der Geschäftsführung gegeben. Dazu gehören die Insolvenzrunden, meint Kannler. Kunden seien unzufrieden gewesen, auch was die Produkte anging.

Nördlingens Oberbürgermeister David Wittner sagt zum Ende von Strenesse: „Für jeden Mitarbeiter, den das persönlich trifft, ist das tragisch.“ Strenesse habe Nördlingen überregional bekannt gemacht. Es sei unüblich für eine Stadt im ländlichen Raum, dass dort eine internationale Modemarke ihren Hauptsitz hat.

Strenesse wurde 1949 von der Familie Strehle gegründet und hieß damals Wohlfahrt & Co. 1969 kombinierte der Betrieb für eine Modelinie den Familiennamen und das französische Wort Jeunesse (Jugend), zum ersten Mal tauchte der Name Strenesse auf.

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