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Biontech-Impfung
02.12.2021

Biontech-Impfstoff für Kinder kommt früher: Was Eltern beachten sollten

In den USA wird der Biontech-Impfstoff bereits an Kinder verimpft. Nun könnte auch die Ema den Impfstoff empfehlen.
Foto: Ulrich Wagner (Symbolbild)

Biontech will den Impfstoff für Kinder schon früher als geplant an die EU ausliefern. Wer den Impfstoff bekommt, welche Wirkungen und Risiken er hat und was Eltern beim Thema Impfen beachten sollten.

Kurz vor Weihnachten wollte der Impfstoffhersteller Biontech seinen Corona-Impfstoff für Kinder an die EU ausliefern. Doch nun hat das Unternehmen angekündigt, dass die Auslieferung schon am 13. Dezember erfolgen könne. Der niedriger dosierte Impfstoff wird den EU-Staaten also eine Woche früher zur Verfügung stehen als ursprünglich gedacht.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigte sich erfreut: "Angesichts der aktuellen Pandemielage ist das eine gute Nachricht für Eltern und Kinder. Viele warten sehnsüchtig darauf." Insgesamt erwartet die EU in diesem Monat bis zu 13 Millionen Dosen des Kinderimpfstoffs. Doch was müssen Eltern jetzt beachten?

Biontech-Impfung Kinder: Zulassung und Empfehlung

Der Impfstoff ist von der europäischen Arzneimittelbehörde (Ema) für Kinder ab fünf Jahren zugelassen. Der Impfstoff sei sicher und effektiv, begründet die Ema. Es handelt sich bei dem Präparat um den ersten Impfstoff für diese Altersgruppe. „Wir Kinder- und Jugendärzte sehen in der Zulassung für jüngere Kinder ein wichtiges Signal in der Pandemiebekämpfung“, sagte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Eine Zulassung bedeutet allerdings noch keine Empfehlung. Die Ständige Impfkommission (Stiko) will ihre Empfehlung aber noch in diesem Monat veröffentlichen. Vermutlich wird sie zunächst nur zu einer Impfung für vorerkrankte Kinder oder Kinder von Risikopatienten raten.

Biontech: Welche Kinder dürfen geimpft werden?

Eine Impfung von Kindern ist auch ohne Stiko-Empfehlung möglich und erlaubt. Es bestehe aber aufgrund des geringen Risikos für die Jüngsten kein Zeitdruck, Kinder sofort impfen zu lassen, betonte Fischbach. Wichtiger sei, dass sich alle Erwachsenen impfen lassen. Und wenngleich jüngere Kinder ein sehr geringes Risiko für einen schweren Corona-Verlauf haben, betont der Kinderarzt: „Eine Impfung senkt die bei Kindern ohnehin verringerte Wahrscheinlichkeit noch einmal deutlich, dass das Kind das Virus weitergeben kann.“ Es gehe also vor allem um einen gesellschaftlichen Beitrag.

Wann kommt der Impfstoff für Kinder? 

Laut Informationen des Bundesgesundheitsministeriums sollten die Länder ab 20. Dezember 2,4 Millionen Dosen des Kinderimpfstoffs erhalten. In der entsprechenden Altersgruppe befinden sich 4,5 Millionen Kinder;  ein großer Teil der anfänglichen Impfstoff-Nachfrage sollte also bedient werden können. Die Ankündigung von Biontech, den Impfstoff schon zum 13. Dezember auszuliefern, könnte den Start der Impfkampagne beschleunigen. In den USA und Israel werden Kinder bereits seit einiger Zeit geimpft.

Wie wirksam ist der Kinder-Impfstoff gegen Corona?

Eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie beurteilt Biontechs Kinder-Impfstoff als wirksam und sicher: Die Wirksamkeit soll bei 90,7 Prozent liegen. Kinder, die sich mit Corona infizieren, haben zwar meist ohnehin recht harmlose Krankheitsverläufe, doch auch sie können lange unter den Folgen leiden: rund vier bis sieben Prozent der infizierten Kinder entwickeln Long Covid. Auch für sie ist die Impfung also hilfreich.

Video: AFP

Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen?

Bei der Studie wurden keine schweren impfbedingten Nebenwirkungen beobachtet worden. Lediglich „milde und vorübergehende Reaktionen“ traten ein. Dazu gehören beispielsweise Fieber, Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Drei der geimpften Kinder erkrankten in der Beobachtungszeit an Corona – doch in der Kontrollgruppe waren es 16. Die einzigen drei schwereren Schäden im Beobachtungszeitraum hatten laut Studie keinen Zusammenhang zur Impfung; so hatte beispielsweise ein Kind einen gebrochenen Arm. Auch die Ema betonte die Sicherheit des Vakzins.

Welche Dosis bekommen Kinder – und wie oft? 

Kinder ab zwölf erhalten dieselbe Dosis wie Erwachsene. Für Kinder zwischen fünf und zwölf soll es dagegen einen eigens abgefüllten Impfstoff geben. Sie sollen vom Biontech-Impfstoff nur ein Drittel der Erwachsenen-Dosis erhalten. Der Abstand zwischen den zwei Dosen soll bei drei Wochen liegen. Die Kinder bekommen nicht nur Spritzen mit weniger Wirkstoff, sondern auch weniger Flüssigkeit in die Arme: „Wir gehen davon aus, dass wie in den USA pro Dosis nur 0,2 Milliliter gespritzt werden“, sagt Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein. Das sei für Kinder angenehmer als die 0,3 Milliliter, die Erwachsene erhalten.

Nun ließe sich die Frage stellen, ob Kinderärzte nicht einfach den Erwachsenen-Impfstoff verdünnen und verabreichen können. Davor aber warnt der Apothekerverband. Denn nicht nur die Menge des Wirkstoffes spiele eine Rolle. „Entscheidend ist die Struktur und Stabilität der sehr empfindlichen Nanopartikel des Biontech-Impfstoffes“, sagte Verbandschef Thomas Preis. Beim Verdünnen könnte diese Stabilität beeinträchtigt werden. Dann wäre die Impfung nutzlos, die Kinder hätten keinen Impfschutz. Deshalb ist es wichtig, bis zur Lieferung des offiziellen Kinder-Impfstoffs zu warten.

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