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Jugendstudie

25.11.2020

Feierwütig oder rücksichtsvoll? So gehen Jugendliche mit den Corona-Regeln um

Acht Prozent der Jugendlichen sagen: Partys sind auch zu Corona-Zeiten in Ordnung. Doch der Großteil distanziert sich von dieser Aussage.
Foto: Peter Fastl

Exklusiv Der Kemptener Forscher Simon Schnetzer untersucht, wie sich junge Menschen in der Pandemie verhalten. Was ist dran am Klischee, dass Jugendlichen der Schutz ihrer Mitbürger egal sei?

Polizei löst mehrere Corona-Partys auf. Verbotene Party am Baggersee. Trotz Corona: Jugendliche feiern Party mit Drogen.

Das sind drei der Polizeieinsätze, über die unsere Redaktion allein in den vergangenen zehn Tagen berichtet hat. In jedem Fall waren es Jugendliche, die die Corona-Regeln in den Wind schlugen. Ist jungen Menschen der Schutz ihrer Mitbürger egal? Dieser Frage ist jetzt erstmals eine wissenschaftliche Studie nachgegangen. Der Titel: „Wie rücksichtsvoll verhalten sich die jungen Generationen?“ Sie zeigt: Der Mehrheit ist es wichtig, die Regeln einzuhalten.

Drei Viertel halten es für wichtig, die Abstandsregeln einzuhalten

Der Kemptener Jugendforscher Simon Schnetzer hat in Zusammenarbeit mit dem international bekannten Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann zwischen Mitte Oktober und Mitte November mehr als 1600 Menschen zwischen 14 und 39 Jahren online zu ihrer Einstellung gegenüber den Corona-Maßnahmen befragt. Fast drei Viertel von ihnen halten es für wichtig, die sogenannten AHA-Regeln einzuhalten – also auf Abstand, Hygiene und Alltagsmaske zu achten. Jedenfalls gaben sie das in der Online-Umfrage so an. Inwieweit soziale Erwünschtheit in die Antworten mit hineinspielt, ist schwer zu belegen. Doch Schnetzer betonte bei der Präsentation seiner Studie am Donnerstagvormittag, dass die Zahl derer, die sich nach eigenen Angaben verantwortungsvoll verhalten, sich in etwa im selben Bereich bewegt wie die der Jugendlichen, die eine Ansteckung fürchten oder sich in dieser Hinsicht unsicher fühlen.

Drei Viertel der jungen Menschen halten die Abstandsregeln nach eigenen Angaben ein.
Foto: Matthias Becker

73 Prozent betonten, dass sie rücksichtsvoll handeln, um ihre Familie nicht zu gefährden. Und zwei Drittel finden es wichtig, auf Partys zu verzichten, um nicht dazu beizutragen, dass das Virus sich weiter verbreitet. Jeder Vierte will sich bei dieser Frage aber nicht festlegen. Und acht Prozent sagen ganz klar: Nein, Partys sind in Ordnung. Mehrheitlich sind diese Partygänger unter 25 Jahren alt. Die Sozialforscher überrascht das nicht. „Das ist wenig verwunderlich, wenn man sich bewusst macht, welche zentrale entwicklungspsychologische Rolle das Miteinander und Feiern in der Jugendphase für die Entwicklung von Sozialverhalten, Beziehungs- und Kontaktfähigkeit, Emotion, Empathie und Sexualität spielt“, schreiben sie.

Wer sind die Jugendlichen, die trotz Corona feiern?

Aber was vereint die Jugendlichen, die nicht auf Feiern verzichten wollen, abgesehen vom Alter? Den Forschern zufolge leben sie eher auf dem Land als in der Großstadt, sind mehrheitlich junge Männer und haben ein vergleichsweise niedriges Bildungsniveau. „Je höher der Bildungsgrad, desto rücksichtsvoller verhalten sich die jungen Leute“, so fassen es Schnetzer und Hurrelmann zusammen.

Jugendforscher Simon Schnetzer hat in seiner Laufbahn fast 20000 junge Menschen befragt.
Foto: Melanie Lippl

Simon Schnetzer, 1979 im Allgäu geboren, betreibt in seiner Heimatstadt Kempten die Gründervilla, einen Treffpunkt für Menschen mit kreativen und innovative Ideen. Hauptberuflich aber reist er für seine Jugendstudien durch die Welt und hat insgesamt fast 20.000 junge Menschen befragt.

Prof. Klaus Hurrelmann
Foto: Hertie School

Seine neueste Umfrage zeigt, dass die Angst, selbst an Covid-19 zu erkranken, in den jungen Generationen nicht sehr verbreitet ist. Nur gut jeder Fünfte fürchtet, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Interessant ist auch, dass gläubige Jugendliche und junge Erwachsene nach eigenen Angaben die Krise besser bewältigen als ihre Altersgenossen – egal ob sie Christen oder Muslime sind oder einer anderen Religionsgemeinschaft angehören. Die Sozialwissenschaftler erklären sich das damit, dass religiöse Jugendliche mehr Vertrauen in die Zukunft haben als weniger Gläubige.

Ein Drittel der Jugendlichen fürchtet wegen Corona um die Zukunft

Insgesamt fürchtet in der repräsentativen Studie rund jeder Dritte, dass sich seine Zukunftsperspektiven durch die Pandemie verschlechtern – sei es in der Schule, im Beruf oder mit Blick auf die Finanzen. Schnetzer und Hurrelmann sehen deshalb eine eine „Beeinträchtigung ihrer Chancenstruktur beim Übergang in das Erwachsenenalter, die sich langfristig negativ auswirken kann“ – besonders bei den Befragten unter 25 Jahren.

Am Ende ihrer Forschungsarbeiten zeichnen die beiden Sozialforscher ein positives Bild der jungen Generationen: „Entgegen allen Vorurteilen (...) zeigt die Befragung, dass sich der allergrößte Teil der jungen Generation in der Corona-Pandemie verantwortungsvoll verhält. Die Studie macht deutlich, dass eine pauschale Beschuldigung der jungen Generation absolut unberechtigt ist.“

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Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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Die Diskussion ist geschlossen.

26.11.2020

Da brauchts keine Studie, man geht nur umher schauen wo sich Jugendliche Aufhalten und dabei die Augen rollen lassen, dann weiß man wie sich die diese Mitbürger und unsere Zukunft verhalten. Ich sage nur eins, Wendler hat es beim Namen genannt ...... ist doch Scheißegal .... was nach uns kommt!

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