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Spanien
07.09.2014

Barcelona: Demonstrationen gegen betrunkene Party-Touristen

Jede Nacht betrunkene Menschen, Lärm, manchmal sogar Nackte: Die Einwohner von Barceloneta haben genug. Sie demonstrieren gegen die Party-Touristen.
Foto: Josep Lago, afp

Jede Nacht betrunkene Menschen, Lärm, manchmal sogar Nackte: Die Einwohner von Barceloneta haben genug. Sie demonstrieren gegen die Party-Touristen.

Jede Nacht Lärm, betrunkene junge Leute, manchmal sogar Nackte auf den Straßen: Die Einwohner von Barceloneta sind mit ihrer Geduld am Ende. Seit Mitte August gehen in dem ehemaligen Fischerviertel im spanischen Barcelona hunderte Einwohner auf die Straße. Mit Transparenten wie "Barceloneta empört sich" oder "Nein zu Touristenapartments" demonstrieren ganze Familien gegen den Massentourismus und das "asoziale" Verhalten der immer zahlreicheren Besucher.

Barcelonas Einwohner empört: "Partys sind unerträglich"

Ähnlich wie in einigen Berliner Szene-Bezirken sorgen volltrunkene Touristen in Barceloneta schon seit Jahren für Unmut. Fotos von jungen Reisenden, die splitternackt zum Einkaufen gingen, brachten das Fass nun zum Überlaufen. "Damit leben wir täglich", sagt der 59-jährige Manel Serrano, neben ihm seine etwa 90-jährige Mutter im Rollstuhl. "Nachts füllt sich das alles mit illegalen Partys, Saufgelagen, Leuten, die auf der Straße herumgrölen. Das ist jämmerlich und unerträglich. "

Barceloneta: Apartments werden inoffiziell an Touristen vermietet

Hinzu kommt, dass das direkt am Meer gelegene Viertel dicht besiedelt ist. "Es ist sehr schwierig, damit zu leben", sagt die 39-jährige Hausfrau Eva Corbacho. "Ich habe drei Kinder, und ich möchte nicht, dass sie solche Sachen sehen." Der Charakter des Bezirks wandelte sich dramatisch nach den Olympischen Spielen 1992 - inzwischen ist der neu angelegte Strand von Barceloneta einer der beliebtesten Orte Barcelonas. Viele Apartments in den engen Gassen werden inoffiziell an Touristen vermietet, was die Mieten in die Höhe treibt. "Sie spekulieren, die Mieten steigen und wir, die schon immer hier leben, können sich das nicht mehr leisten", klagt die Arbeitslose Pilar Lozano.

Stadt verfügte über Stopp für neue Touristenapartments

Der Stadtverwaltung werfen die Anwohner Untätigkeit vor. Daher verstärkte sie vor kurzem die Polizeistreifen. Auch wird nun öfter überprüft, ob Wohnungen illegal an Touristen vermietet werden. Ende April verfügte das Rathaus einen Stopp für neue Touristenapartments im Zentrum. "Bisher war unsere Arbeit auf die Förderung des Tourismus ausgerichtet, aber jetzt gilt es, diesen Sektor besser zu regulieren", räumt Sónia Recasens ein, die Wirtschaftsbeauftragte der Stadt.

Auch im historischen Zentrum Barcelonas, rund um die Sagrada Família und den Park Güell des Architekten Antoni Gaudí, klagen die Einwohner seit langem über zu viele Touristen. In einer im Juli veröffentlichten Umfrage der katalanischen Metropole steht der ausufernde Tourismus bei den Sorgen an vierter Stelle - hinter Arbeitslosigkeit, Wirtschaft und mangelnder Sicherheit.

Barcelona: Explodierende Übernachtungszahlen

In der Hafenstadt am Mittelmeer, berühmt für ihre Architektur, ihr kulturelles Angebot, ihre Strände und ihr angenehmes Klima, explodierten die Übernachtungszahlen in Hotels zwischen 1990 und 2013 von 1,7 auf 7,5 Millionen - bei einer Bevölkerung von 1,6 Millionen. Bezieht man andere Unterkunftsarten und Tagesbesucher mit ein, so kommen nach Angaben der Stadt bis zu 27 Millionen Touristen im Jahr.

"Dieses auf grenzenlosem Wachstum basierende touristische Modell kann nicht so fortbestehen, weil es das Leben der Einwohner erheblich stört", sagt Lluís Rabell, Vorsitzender der Nachbarschaftsvereine von Barcelona. "Es verwandelt die Stadt in einen Vergnügungspark." Am meisten betroffen sind die Ramblas und das gotische Viertel, wo Touristenhorden manchmal sogar den Fußgängerverkehr blockieren.

Lösung für "besseren Tourismus" gesucht

"Wir brauchen rasche Lösungen", fordert auch die Tourismusforscherin Saida Palou. "Ohne den Tourismus kommt Barcelona nicht aus, weil er zwischen zehn und zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Er bringt Dynamik und großen kulturellen Reichtum. Aber wenn man dafür solche sozialen Missstände in Kauf nehmen muss, dann stimmt etwas nicht." afp/AZ

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