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Italien

22.07.2020

Wie "Prinz von Venedig" in Italien an die Macht möchte

Königsenkel Emanuele Filiberto ist mit der Schauspielerin Clotilde Courau verheiratet und drängt einmal mehr in die italienische Politik.
Bild: Michel Spingler, epa, dpa

Emanuele Filiberto ist der Enkel des letzten Königs, tritt als Prinz von Venedig auf und gründete nun sogar eine Partei. Ist Italien bald wieder eine Monarchie?

Es gibt wohl so etwas wie eine Art Phantomschmerz auch bei Adeligen. Zum Beispiel dann, wenn die eigene Familie einmal von größter Bedeutung war, dann aber prompt in der Bedeutungslosigkeit versinkt. Bei Emanuele Filiberto hat man bisweilen genau diesen Eindruck. Der 48-Jährige ist der Enkel des letzten italienischen Königs Umberto II., der 1946 nach nur einem Monat im Amt abdanken musste. 1972 im Genfer Exil zur Welt gekommen, heute im Fürstentum Monaco wohnhaft, ringt der verhinderte Thronfolger in Italien bis heute um eine gewisse Anerkennung.

Manche behaupten, es handele sich dabei um Profilierungssucht. Vielleicht kann der Prinz aber einfach nicht heraus aus seiner königlichen Haut. So jedenfalls kam es, dass Emanuele Filiberto, der sich selbst je nach Bedarf als „Prinz von Venedig“ oder „Prinz von Savoyen“ vorstellt, jüngst eine neue politische Bewegung ins Leben rief. Die nennt sich „Realtà Italia“, also streng übersetzt „Italienische Realität“. Aber damit ist es nicht getan.

"Realtà Italia" heißt die neue Bewegung von Filiberto

Im italienischen Wort „realtà“ steckt auch der Wortstamm „reale“, was so viel wie „königlich“ bedeutet und im Mund des Enkels von Umberto II. einen besonderen Beigeschmack bekommt. Einmal König, immer König? Man könnte den Eindruck haben, Emanuele Filiberto wolle durch die Hintertür zurück zur Monarchie, die die Italiener nach der Mussolini-Herrschaft und dem Zweiten Weltkrieg 1946 per Referendum abgeschafft haben. Wenn das Volk ihn wolle, stehe er als König bereit, sagte der Königsenkel schon als 28-Jähriger.

 

Emanuele Filiberto ist das, was man eine Celebrity nennt. Kaum eine Gelegenheit lässt er aus, um im Rampenlicht zu stehen. Er war regelmäßiger Teilnehmer bei Reality-Shows im italienischen Fernsehen, präsentierte den Schönheitswettbewerb Miss Italia, sang beim Musikfestival von San Remo mit und gilt als etwas tollpatschiger Sonnyboy. Immer ein bisschen daneben, aber kein Unmensch. Sein jüngstes politisches Engagement wird deshalb auch mit viel Spott begleitet. „Die Pandemie war offenbar nicht genug“, schrieb ein Nutzer auf Twitter nach der Ankündigung. Ein anderer scherzte bissig: „Er will uns den Gnadenstoß geben.“

Der ehemalige Investmentbanker will Italien aus der Dauerkrise befreien

Der selbst ernannte Prinz hat schon viel erlebt. Er arbeitete als Investmentbanker, gründete TV-Produktionsgesellschaften, seit einigen Jahren lässt er in den USA italienische Spezialitäten in einem fahrbaren Restaurant kredenzen. Gerade hält sich Filiberto auf seinem Weingut in Umbrien auf. Verheiratet ist er mit der französischen Schauspielerin Clotilde Courau, mit der er zwei Töchter hat. Und jetzt „Realtà Italia“, die neue Partei, die mithelfen soll, Italien aus der Dauerkrise zu befreien. Denn zufrieden ist der Chef des Hauses Savoyen mit dem Land seiner Ahnen ganz und gar nicht. Weder die Links-Regierung noch die rechte Opposition hat es dem Enkel des Königs angetan.

Er habe viele Briefe von jungen Italienern bekommen, die sich über die italienische Politik beklagten und sich einen Repräsentanten super partes wünschten. Im Grunde einen wie ihn, möchte man hinzufügen, Emanuele Filiberto. „Ich fühle mich wie der Pressesprecher der Italiener“, sagte er neulich einer französischen Zeitschrift. Man warte in Italien immer erst auf eine Katastrophe, bis sich etwas ändere. „So habe ich mir Italien aus dem Exil nicht vorgestellt, die Jugendlichen ganz ohne Zukunft“, sagt der Prinz.

 

„Realtà Italia“ soll da nun Abhilfe schaffen. „Ich behaupte nicht, dass ich die Lösung für Italiens Probleme habe“, sagt Emanuele Filiberto, der seit 2002 die italienische Staatsbürgerschaft hat. „Aber ich habe die richtigen Kontakte, um Personen an einen Tisch zu bringen, die wissen was sie tun.“ Zwei Online-Seminare wurden bereits abgehalten, eine Art Brainstorming zu Themen wie Wirtschaft, Tourismus und Kultur. Als Experten schalteten sich unter anderem ein Universitätsprofessor, eine Journalistin sowie ein Sternekoch zu.

Wollen die Italiener wieder Untertanen eines "Königs" sein?

Nicht ausgeschlossen ist, dass auch die Italiener noch einen versteckten Hang zum Untertänigen haben. Beim Referendum von 1946 entschieden von knapp 25 Millionen Abstimmenden rund 10,7 Millionen für die Monarchie, gerade mal zwölf Millionen wollten die Republik. Die Rede war von Betrug bei der Abstimmung. Nun ist es für den Enkel des letzten Königs von Italiens nicht der erste Versuch, in die Politik einzusteigen. Bei der Parlamentswahl 2008 trat er mit einer eigenen Formation an und erzielte gerade einmal 0,4 Prozent der Stimmen. Insofern kann es diesmal für ihn eigentlich nur besser laufen.

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