Wer mit dem Auto Richtung Italien fährt, kennt den Stau auf den Autobahnen und die Geduldsprobe im stockenden Verkehr. Für viele Urlauber ist die Schweiz kein Ziel, sondern vielmehr ein Transitland, das auf dem Weg nach Süden gerne als Alternative zur stark befahrenen Brenner-Route genutzt wird. Die Durchfahrt könnte für ausländische Autofahrer jedoch bald teurer werden.
Denn in der Schweiz wird derzeit über eine zusätzliche Gebühr für Fahrzeuge diskutiert, die das Land lediglich durchqueren. Die Pläne sind politisch bereits beschlossen, die Umsetzung aber noch offen, teilt das Schweizer Parlament mit. Die geplante Transit-Maut trifft vor allem Urlauber aus Deutschland und anderen Nachbarstaaten. Diese müssten demnach künftig zusätzlich zur Vignette eine Abgabe pro Durchfahrt zahlen.
Die Schweizer Route in Richtung Italien könnte damit bald deutlich teurer werden. Doch was bedeutet die Extra-Maut konkret und welche zusätzlichen Kosten kommen auf Reisende zu?
Was bedeutet die geplante Transitgebühr auf der Brenner-Alternativroute für Italien-Urlauber?
Wie das Schweizer Parlament mitteilt, soll künftig eine Transitgebühr für Fahrzeuge erhoben werden, die die Schweiz „auf einer Fahrt von einem Nachbarland ins andere“ durchqueren, ohne einen wesentlichen Aufenthalt im Land einzulegen. Die Maßnahme zielt vor allem auf den Nord-Süd-Verkehr, etwa Richtung Italien, ab. Laut dem Parlament soll die Maßnahme die Belastung auf den Straßen reduzieren und den Verkehr auf den Alpenachsen besser steuern.
Der Schweizer Nationalrat hat der Einführung einer Transitgebühr im März 2026 zugestimmt. Auch der Ständerat hatte den Entwurf zuvor einstimmig angenommen. Der Bundesrat muss nun eine konkrete Umsetzung ausarbeiten. Dabei ist auch eine mögliche Anpassung der Verfassung im Gespräch.
Wie hoch wäre die Extra-Maut für Italien-Urlauber?
Konkrete Preise stehen laut offiziellen Parlamentsangaben bislang nicht fest. Wie der ADAC berichtet, sei jedoch eine Gebühr von rund 21 Schweizer Franken (etwa 23 Euro) pro Durchfahrt im Gespräch.
- Die Abgabe würde zusätzlich zur bestehenden Schweizer Jahresvignette anfallen, die derzeit 40 Franken (rund 44 Euro) kostet und für die Nutzung der Autobahnen gilt.
- Nur für die Hin- und Rückfahrt ohne Vignette würden nach Einführung der neuen Extra-Maut 42 Franken, also etwa 46 Euro, für Reisende anfallen.
- Mitsamt der verpflichtenden Schweizer Autobahnvignette läge der finanzielle Aufwand einer Schweiz-Durchfahrt damit zukünftig bei rund 82 Franken, also fast 90 Euro. Das würde also eine Verdopplung der bisherigen Kosten bedeuten.
Nach ADAC-Angaben soll die Gebühr nur für reine Transitfahrten gelten. Konkret betrifft dies Fahrzeuge, die ohne längeren Aufenthalt durch die Schweiz fahren, etwa über die Gotthard- oder San-Bernardino-Route in Richtung Italien. Die Aufenthaltslänge könnte mittels automatisierter Fahrzeugerfassung an den Landesgrenzen ermittelt werden. Diskutiert werde zudem ein variables Preismodell: Je nach Tageszeit und Verkehrsaufkommen könnten die Kosten für die Durchfahrt steigen oder sinken, um Staus gezielt zu entzerren.
Warum will die Schweiz überhaupt eine zusätzliche Maut?
Die Befürworter der Transitgebühr begründen den Vorstoß vor allem mit dem hohen Verkehrsaufkommen auf den Durchfahrtsstrecken. Besonders an Feiertagen und zu Ferienbeginn kommt es auf den Alpenrouten regelmäßig zu massiven Staus, vor allem am Gotthard-Tunnel, wie das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) berichtet.
Laut ADAC besteht rund ein Drittel des Alpenquerungsverkehrs aus reinen Transitfahrten. Diese Fahrzeuge nutzen die Infrastruktur, würden jedoch nach Ansicht der Gebührenbefürworter kaum zur lokalen Wirtschaft beitragen. Ziel der Abgabe sei daher, die Verkehrsspitzen zu brechen und die Belastung für Umwelt sowie Anwohner zu reduzieren.
Übrigens: In Österreich gelten je nach Saison strenge Abfahrverbote für durchreisende Autofahrer. Diese könnten im Sommer auch Urlauber in Richtung Gardasee treffen.
Wann kommt die geplante Maut auf der Brenner-Alternativroute?
Ein konkreter Starttermin für die Transitgebühr steht bisher nicht fest (Stand: 26. Mai 2026). Der ADAC berichtet, dass eine Einführung frühestens in einigen Jahren realistisch sei. Der Schweizer Bundesrat äußert zudem deutliche Vorbehalte, was die Umsetzung der geplanten Abgabe betrifft. Verkehrsminister Albert Rösti verweist nach Angaben des Parlaments auf hohe technische und administrative Hürden, etwa bei der Kontrolle an den Grenzen und der Definition von Transitfahrten.
Die Neue Züricher Zeitung (NZZ) betont zudem, dass auch innerhalb der Schweizer Regierung Zweifel bestünden, ob eine solche Abgabe praktisch umsetzbar sei, trotz grundsätzlich möglicher EU-Kompatibilität. Auch der Bundesrat verweist auf mögliche Nebenwirkungen, so die NZZ. Eine reine Transitgebühr könne Regionen wie Tessin stark treffen und auch den lokalen Verkehr sowie Tourismus beeinflussen. Wann die Extra-Maut für Italien-Urlauber also kommt und wie die konkrete Umsetzung aussieht, ist bisher noch unklar.
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