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Interview
19.02.2024

Suizidforscherin: "Direktes Ansprechen ist das Allerbeste"

9000 bis 10.000 Suizidopfer gibt es in Deutschland jedes Jahr.
Foto: Christin Klose, dpa

Wenn Menschen suizidgefährdet sind, senden sie häufig Signale aus. Zu diesem Umgang damit rät eine Expertin.

Landläufig heißt es: Wer davon spricht, sich umzubringen, tut es am Ende nicht. Stimmt das? Was sagen Sie als Suizidforscherin dazu?

Hannah Müller-Pein: Da ist tatsächlich gar nichts dran, oder sehr wenig. Leider ist das einer der hartnäckigsten Mythen, die sich um Suizid ranken. Acht von zehn Menschen, die sich suizidieren, machen vorher auf sich aufmerksam. Entweder sprechen sie darüber oder zeigen durch andere Signale, dass es ihnen sehr schlecht geht und dass sie mit dem Gedanken spielen, sich das Leben zu nehmen.

Welche Signale deuten darauf hin, dass jemand suizidgefährdet ist?

Müller-Pein: Meistens sind das verbale Äußerungen. Daher muss man sehr wachsam werden, wenn jemand Sätze sagt wie: „Ich mag nicht mehr“ oder „Am liebsten würde ich gar nicht mehr aufwachen“. So etwas sollte man ernst nehmen und nachfragen: „Was meinst du damit?“ Es gibt aber auch Verhaltensänderungen, die auf eine Suizidgefährdung hindeuten, etwa, dass Menschen Interessen verlieren, dass sie sich zurückziehen oder persönliche Gegenstände verschenken.

Fast jeder sagt mal etwas wie „Da könnte ich mir glatt die Kugel geben“ – normalerweise ist aber nichts dahinter. Woher weiß man, dass es jemand ernst meint?

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Müller-Pein: Das direkte Ansprechen ist das Allerbeste. Viele Menschen scheuen sich aber davor, weil sie denken: Könnte ich vielleicht jemanden auf die Idee bringen, sich zu suizidieren? Das ist eine absolut falsche Sorge. Wenn man merkt, dass jemand sehr stark belastet ist, ist es wichtig, ins Gespräch zu kommen. Viele Menschen mit Suizidabsichten machen die Erfahrung, dass sie eben nicht ernst genommen werden. Oder dass sie mit niemandem über ihre Gedanken reden können, weil es so ein Tabuthema ist. Die meisten Menschen in Krisensituationen nehmen es als sehr entlastend wahr, wenn jemand ein offenes Ohr hat und nachfragt.

Wie geht man vor, wenn jemand „zu macht“, also gar nicht mit sich reden lässt?

Müller-Pein: Auch dann würde ich empfehlen, hartnäckig zu bleiben, ohne der Person zu sehr auf die Pelle zu rücken. Man kann etwas in der Art sagen: „Ich merke, es geht dir schlecht. Ich merke aber auch, dass du gerade nicht mit mir darüber reden möchtest. Ich nehme das ernst und werde dran bleiben. Vielleicht werde ich mir selber Beratung suchen.“ Wenn man sich um nahe Angehörige Sorgen macht, sollte man sich Unterstützung holen. Es ist sinnvoll, Profis den Fall zu schildern und sich Tipps geben zu lassen. Dadurch nimmt man zusätzlich eine positive Vorbildfunktion ein und zeigt: Es ist okay, sich Hilfe zu holen.

Wie erkennt man akute Gefahr? Wann muss man den Notruf wählen?

Müller-Pein: Das sollte man tun, wenn sich jemand gar nicht mehr von seinen Suizidedanken abbringen lässt. Also wenn jemand zum Beispiel sagt: „Ich habe das so entschieden!“ Natürlich muss man auch den Notruf wählen, wenn ein Suizidversuch schon begonnen hat. Generell sagen wir: Lieber einmal zu viel anrufen als zu wenig.

Männer begehen häufiger Suizid als Frauen …

Müller-Pein: Ja, mehr als 75 Prozent der vollendeten Suizide entfallen auf Männer. Immer noch sind Frauen eher bereit als Männer, über ihre Probleme zu reden. Dieser Faktor hat auch Bedeutung für die Prävention. Man muss kreative Maßnahmen finden, um Zugang zu Männern zu finden. Vielleicht sollte ich meine Flyer nicht im Supermarkt verteilen, sondern im Baumarkt – um bei den alten Rollenbildern zu bleiben. Vielleicht braucht es auch mehr Männer im Hilfesystem, weil Männer manchmal leichter mit Männern reden können.

Welche Faktoren erhöhen das Suizidrisiko wesentlich?

Müller-Pein: Dazu gehören psychische Erkrankungen, Suizidversuche in der Vergangenheit und Verlusterfahrungen aller Art. Dem stehen Schutzfaktoren gegenüber, etwa dass man einen Platz in der Gesellschaft und eine wertschöpfende Arbeit hat. Für manche kann auch Glaube und Religiosität ein Schutzfaktor sein. Außerdem spielen Selbstbewusstsein, ein gesundes Aufwachsen, auch ein gesundes Verhalten – etwa genügend Schlaf – eine Rolle. Nicht zu vergessen der Optimismus.

Stimmt es, dass es ein Risikofaktor ist, wenn es in der Familie bereits Selbsttötungen gegeben hat?

Müller-Pein: In manchen Familien lässt sich eine Häufung von Suiziden feststellen. Dabei handelt es sich eher um die Weitergabe von suizidalen Verhaltensweisen. Suizidalität wird nicht genetisch weitergegeben. Überhaupt gibt es nicht den einen Grund für Suizidalität. Vielmehr handelt sich um ein sehr komplexes Geschehen, mit dem man sich auseinandersetzen muss. Das fällt vielen Menschen schwer.

Zu welcher Jahreszeit steigt das Suizidrisiko?

Müller-Pein: Die meisten Suizide finden im Mai, also im Frühjahr statt. Das überrascht die meisten Menschen, weil sie meinen, die Gefahr sei in den dunklen Monaten oder auch um Weihnachten herum größer. Ein Erklärungsansatz: Im November und Dezember rutschen viele Menschen in einen Herbstblues. Dadurch entsteht eine kollektive Niedergeschlagenheit, in der sich Menschen, die zu Suizidgedanken neigen, wohlfühlen. Das ändert sich im Frühling, wenn die meisten Leute wieder aufblühen und das Leben genießen. Dann sehen suizidgefährdeten Menschen eine Diskrepanz zu ihrem eigenen Empfinden. Sie haben verstärkt das Gefühl, abgehängt zu werden. Aber auch dieser Ansatz kann das Phänomen nicht komplett erklären.

Über Suizide soll in den Medien möglichst wenig berichtet werden. Kann es dadurch nicht auch zu einer Tabuisierung des Themas kommen?

Müller-Pein: Es geht nicht darum, nicht zu berichten. Studien haben gezeigt, dass es sehr auf die Art der Berichterstattung ankommt. Suizidpräventiv wirkt zum Beispiel, Menschen zu porträtieren, die eine suizidale Krise überwunden haben. Dagegen kann die reißerische oder romantisierende Darstellung von Suiziden und Suizidmethoden dazu führen, das sich mehr Menschen das Leben nehmen. Das ist der sogenannte Werther-Effekt. Dabei ist es ja nicht so, dass die Menschen unbedingt sterben wollen, sondern dass sie so nicht weiterleben wollen. In dieser Situation sind sie empfänglicher für Dinge, die von außen auf sie einströmen.

Obwohl es im letzten Jahr einen Anstieg gegeben hat, sind die Suizidraten in Deutschland langfristig betrachtet gesunken. Woran liegt das?

Müller-Pein: In der Tat hatten wir 1980 doppelt so viele Suizide wie jetzt, nämlich um die 20.000 pro Jahr. Inzwischen hat sich das Gesundheitssystem verbessert, aber auch der Zugang zu Suizidmitteln wurde beschränkt. Zum Beispiel sind hochgiftige Düngemittel nicht mehr zugänglich. Dennoch sehen wir großen Handlungsbedarf. 9000 bis 10.000 Suizidopfer pro Jahr können wir nicht hinnehmen. Das Warten auf einen Fachärztinnen-Termin in der Psychiatrie ist immer noch sehr lang, ebenso das Warten auf einen Psychotherapie-Platz. Es kann nicht sein, dass der Zugang zum assistierten Suizid, wo es noch eine gesetzliche Regelung braucht, leichter ist als der zu einem Therapieplatz. Wir würden uns auch wünschen, dass es eine zentrale Informations- und Beratungsstelle mit einer bundesweit einheitlichen Telefonnummer gibt. Ansonsten gibt es viele Ansatzpunkte. Kinder und Jugendliche sollten lernen, Zugang zu ihren Gefühlen zu haben und darüber zu sprechen. Eigentlich braucht es dafür unbedingt ein Schulfach.

Zur Person: Hannah Müller-Pein, 36, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialwesen der Uni Kassel und zugleich Kommunikationsbeauftragte des Nationalen Suizidpräventionsprogramms. Die Sozialpädagogin forscht seit zehn Jahren zum Thema Suizid.

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