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Interview
07.08.2021

Tourismusforscher: "Nicht nachhaltiger Tourismus sollte keine Zukunft haben!"

Mit dem Flugzeug in die Bettenburg: Unser Reiseverhalten muss wieder nachhaltiger werden, fordert Tourismusforscher Markus Pillmayer.
Foto: Manuel Meyer, dpa/tmn

Der Urlaub ist für viele die schönste Zeit des Jahres. Doch große Reisen sind schlecht fürs Klima. Ein Tourismusforscher erklärt, warum unser Urlaub nachhaltiger werden muss.

Wie hat sich das Reiseverhalten durch die Corona-Pandemie verändert?

Markus Pillmayer: Im vergangenen Jahr wurden immer mehr Hochrisikogebiete und Virusvariantengebiete ausgewiesen, es gab Reisewarnungen, Reiseverbote und noch keinen Impfstoff. Viele Menschen hatten verständlicherweise Angst und wollten Sicherheit beim Reisen. Das hat dazu geführt, dass der „Urlaub daheim“ wieder verstärkt Auftrieb bekommen hat. Das konnten wir im vergangenen Jahr quer durch die Republik beobachten und dieses Jahr verhält es sich ähnlich.

Werden diese Entwicklungen Bestand haben?

Pillmayer: Es ist relativ schwierig, hier mittel- bis langfristige Aussagen zu treffen. Es gibt in dieser Gleichung noch sehr viele Unbekannte. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für  System- und Innovationsforschung (ISI) zeigt nun, dass sich das Mobilitätsverhalten durch die Corona-Pandemie nicht verändert hat. Diese Erkenntnis ist relativ ernüchternd.

Warum sind wir wenig bereit, uns beim Reisen einzuschränken?

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Pillmayer: Hier muss sich jeder fragen: Wie möchte ich reisen? Reisen und Urlaub sind hochemotionale Güter mit Ausnahmecharakter – das ist die schönste Zeit des Jahres. Obwohl man sonst vielleicht relativ umweltbewusst und möglichst sozialverträglich ist: Im Urlaub möchten viele das alles außen vor lassen und ihre Ich-Zeit genießen.

Reisen ist "Statussymbol und eine Form von Selbstinszenierung"

Es gibt natürlich auch viele wunderschöne Urlaubsorte im Ausland.

Pillmayer: Mit Urlaub und Erholung verbinden wir eine gewisse Sehnsucht nach der Ferne und freuen uns, wenn wir einmal zwei Wochen frei haben. Wir wollen raus ins Grüne und dann ist ein Ziel wie Bali natürlich unter Umständen etwas exotischer, als ein Wochenendtrip nach Brandenburg. Das können wir alle bis zu einem gewissen Punkt verstehen. Aber wir sind nicht alleine auf der Welt. Wenn wir nach dem Motto reisen: Nach mir die Sintflut – dann wird es auch irgendwann wieder zu einer Sintflut kommen.

Aber gibt es nicht auch zu viele verlockende Angebote?

Pillmayer: Die Anbieterseite muss natürlich auch gewissermaßen in die Pflicht genommen werden, es müssen Anreize geschaffen werden, um Maßnahmen anzugehen. Ich verstehe, dass viele Betriebe aktuell ums Überleben kämpfen. Aber gerade deswegen sollten Betriebe und Urlaubsländer die Chance nutzen und zum Beispiel mehr auf Nachhaltigkeit setzen. Ein nicht nachhaltiger Tourismus sollte keine Zukunft mehr haben!

Reisen wir heute anders als früher?

Pillmayer: Was früher der klassische zwei-, dreiwöchige Urlaub war, ist heute zunehmend fragmentiert. Wir wollen kürzer und öfter Urlaub machen. Das hat mit einer gesellschaftlichen Transformation zu tun, mit einer höheren Individualisierung. Aber es gibt heute auch deutlich mehr Angebote. Man kann viel mehr machen als noch vor zehn, 15 oder 20 Jahren. Die Erreichbarkeit hat sich stark verändert, viele Fernreisen sind heute zu einem erschwinglichen Preis möglich.

Warum ist uns so wichtig, weit gereist zu sein?

Pillmayer: Das Reisen ist für uns Deutsche auch eine Art von Statussymbol und eine Form von Selbstinszenierung. In den sozialen Medien möchten wir zeigen, dass wir Weltbürger sind und interkulturelle Kompetenzen haben. All das zahlt auch auf unsere eigene Marke, unser individuelles Selbstbild ein.

Attraktive Alternativen könnten Flugdebatte überflüssig machen

Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern?

Pillmayer: Meiner Meinung nach müssten wir wieder etwas mehr zurück dahin, wie es früher war. Dann würden wir das Reisen wieder mehr wertschätzen. Wir müssen uns bewusst machen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass wir von heute auf morgen ans andere Ende der Welt reisen können. Das ist ein Privileg. Entsprechend sensibel sollten wir mit dem touristischen Angebot vor Ort umgehen.

In diesen Wochen erleben wir in Deutschland erstmals, dass bei einer Flutkatastrophe viele Menschen ihr Leben verloren haben. Tragen solche Unglücke zu einem Umdenken bei?

Pillmayer: Ich würde mir wünschen, dass diese Katastrophen zu einem Umdenken bei Reisenden führen – aber auch zu einem Innehalten in der Branche. Muss ich denn wirklich in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark Berchtesgaden, einem Rückzugsgebiet für die Natur, ein Hotel mit 350 Betten bauen? Ist das ein richtiges Signal, das ich senden möchte? Ich wünsche mir, dass wir aus der Corona-Pandemie angemessene Lehren ziehen. Einfach ein Zurück nach 2019 sollte es in meinen Augen nicht geben.

Müsste Reisen nicht schlicht teurer werden, um nachhaltiger zu sein?

Pillmayer: Ich bin kein allzu großer Freund davon, das immer nur über den Preis regeln zu wollen. Freizeit, Urlaub und Erholung sind universelle Güter, die jedem zur Verfügung stehen sollten. Aber es ist schon bezeichnend, dass wir noch immer keine Kerosin-Steuer haben, die CO2-Kompensation noch immer nicht verpflichtend ist. Und auch die Aufregung darum, dass Kurzstreckenflüge verboten werden sollen, ist nicht nachvollziehbar. Es ging lediglich darum, sie unattraktiv zu machen, indem Alternativangebote geschaffen werden. Wenn wir beispielsweise dahin kommen, dass der Zug schneller, entspannter, günstiger und zuverlässiger ist, werden wir keine Flugdebatte in dieser Form mehr haben.

Inwiefern müsste auch die Politik eingreifen?

Pillmayer: Vor wenigen Wochen wurde die nationale Tourismusstrategie vom Bund vorgelegt. Doch in diesem Papier sind lediglich Denkansätze formuliert. Da muss in der neuen Legislaturperiode deutlich nachgelegt werden. Die Tourismuspolitik, -wirtschaft und -wissenschaft müssen noch besser und intensiver in den Austausch kommen. Es braucht verbindliche Rahmenbedingungen für die Branche. Denn wenn irgendwann alles nachhaltig ist, steht auch der Reisende oder der Gast nicht mehr vor dem Dilemma: „Ich würde gerne, aber ich weiß nicht, wie.“ Die Leute wollen beim Reisen schließlich auch nicht ständig ein schlechtes Gewissen haben und würden sich über ein entsprechendes Angebot freuen. Es hat leider erst eine Pandemie gebraucht, damit dieser Prozess noch mehr in Fahrt kommt.

Markus Pillmayer, Professor für Tourismus an der Hochschule München.
Foto: Hochschule München

Zur Person: Markus Pillmayer ist Professor für Tourismus an der Hochschule München. Er ist spezialisiert auf Reiseverhalten und Destinationsmanagement. Außerdem sitzt er im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft.

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