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Locken Insektenschutzmittel Mücken sogar an? Forscher entdecken überraschenden Effekt

Insekten

Locken Insektenschutzmittel Mücken sogar an? Forscher entdecken überraschenden Effekt

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    Mehr, statt weniger Stiche? Mücken können den Wirkstoff DEET unter bestimmten Bedingungen mit einer Belohnung verknüpfen.
    Mehr, statt weniger Stiche? Mücken können den Wirkstoff DEET unter bestimmten Bedingungen mit einer Belohnung verknüpfen. Foto: Christin Klose, dpa-tmn (Symbolbild)

    Wer an warmen Abenden draußen sitzt, vertraut oftmals darauf, dass Mückenspray genügt, um summende Plagegeister auf Abstand zu halten. Seit Jahrzehnten gilt insbesondere ein Wirkstoff als verlässlicher Verbündeter im Kampf gegen Mücken: Diethyltoluamid, kurz: DEET.

    Das Mittel wird weltweit eingesetzt, schützt Millionen Menschen vor Stichen und damit auch vor Krankheiten, die von Mücken übertragen werden. Die Logik dahinter bislang: Der Geruch des Wirkstoffs schreckt die Insekten ab. Wo DEET ist, bleiben Mücken fern.

    Ein Forschungsteam aus Frankreich und den USA hat nun jedoch Hinweise darauf gefunden, dass Mücken den Geruch von DEET unter bestimmten Umständen mit einer Belohnung verbinden können. Sind bekannte Insektenschutzmittel also gar wirkungslos?

    Können Mücken Insektenschutzmittel tatsächlich mit Nahrung verknüpfen?

    Die Studie „Associative learning switches DEET valence from aversive to appetitive in Aedes aegypti“, die im Mai 2026 im Fachmagazin „Journal of Experimental Biology“ veröffentlicht wurde, untersuchte die Gelbfiebermücke, einen wichtigen Überträger von Krankheiten wie Dengue-, Zika-, Chikungunya- und Gelbfieber.

    Wie das Forschungsteam um Claudio Lazzari von der Universität Tours und Clément Vinauger von der Virginia Tech berichtet, lernten die Insekten in den Experimenten, den Geruch des Wirkstoffs DEET mit einer Belohnung zu verbinden. So reagierten die Insekten nach mehreren Wiederholungen nicht mehr mit der üblichen Abwehr auf den Geruch, sondern zeigten Verhaltensweisen, die auf eine positive Erwartung hindeuteten.

    Die Forscher sprechen infolgedessen von einer umgekehrten Anziehung. Das bedeutet: Ein Reiz, der ursprünglich als unangenehm wahrgenommen wurde, hat für die Stechmücken durch ihre Erfahrung eine positive Bedeutung erhalten.

    Wie gelang den Insektenforschern dieser Nachweis?

    Für die Versuche wurden die Mücken einzeln in kleinen Behältern gehalten. Als Blutquelle diente erwärmtes Schafblut hinter einer künstlichen Membran, die von den Insekten durchstochen werden konnte. Menschen oder lebende Tiere mussten dafür nicht gestochen werden.

    Laut den Forschern zeigte sich zunächst ein Problem: Wurde den Mücken zuerst DEET präsentiert, zogen sie sich zurück. Deshalb änderte das Team die Reihenfolge. Die Tiere erhielten zunächst Zugang zur Nahrung. Erst während sie bereits tranken, wurde der Geruch des Schutzmittels eingebracht.

    Nach mehreren Durchgängen testeten die Wissenschaftler die Reaktion der Mücken auf DEET allein. Mehr als 60 Prozent der trainierten Tiere versuchten anschließend zu stechen, sobald sie den Geruch wahrnahmen, berichten die Autoren.

    Warum wurden die Mücken plötzlich von DEET angezogen?

    Nach Angaben der Forscher liegt die Erklärung für die DEET-Resilienz in der Lernfähigkeit der Insekten. Der Geruch des Wirkstoffs wurde im Gehirn der Tiere mit einer erfolgreichen Nahrungsaufnahme verknüpft. Dadurch wandelte sich seine Bedeutung vom Warnsignal zum Hinweis auf eine mögliche Belohnung.

    Nach Angaben der Universität Virginia Tech könnten die Ergebnisse die bisherige Sicht auf Wirkstoffe in Insektenschutzmitteln infrage stellen. Bislang sei angenommen worden, dass Mittel wie DEET allein aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften wirken. Die neue Studie zeige jedoch, dass auch Erfahrungen der Insekten eine wichtige Rolle spielen können.

    Besonders bemerkenswert: Der Effekt trat nicht nur bei Blutmahlzeiten auf. Wie die Forscher berichten, ließ sich die gleiche Verknüpfung auch mit Zucker als Belohnung erzeugen. Das deutet darauf hin, dass der Lernmechanismus nicht allein mit menschlichen Wirten zusammenhängt.

    Noch sei allerdings unklar, wie lange ein solcher Lerneffekt bei einzelnen Mücken anhält und welche Rolle er unter natürlichen Bedingungen tatsächlich spielt.

    Ist DEET als Mückenschutz also unwirksam?

    Studienleiter Claudio Lazzari weist darauf hin, dass der Wirkstoff Menschen vor durch Mücken übertragenen Krankheiten schützt und weiterhin eine zentrale Rolle bei der Prävention spielt. Auch Vinauger empfiehlt insbesondere in Regionen mit erhöhtem Infektionsrisiko ausdrücklich die Nutzung von DEET. Das Mittel sei noch immer „goldener Standard“ beim Insektenschutz, zitiert das Magazin ScienceNews den Forscher. Übrigens gibt es neben Sprays auch bestimmte Tricks, um Mücken im Zimmer ausfindig zu machen.

    Die wichtigste Konsequenz könnte vielmehr die Art der Anwendung betreffen. Statt sich auf eine einmalige Behandlung zu verlassen, könnte ein regelmäßiges Nachtragen sinnvoll sein, damit die Konzentration des Wirkstoffs nicht unter eine wirksame Schwelle absinkt. Ob sich daraus künftig neue Empfehlungen für den Mückenschutz ergeben, müssen weitere Studien zeigen.

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