Wer mit dem Auto nach oder durch Österreich fährt – etwa auf dem Weg ins Skigebiet oder in den Urlaub am Gardasee –, kommt an Gebühren kaum vorbei: Für die Nutzung von Autobahnen und Schnellstraßen sind in Österreich Maut und Vignette verpflichtend, informiert der ADAC. Diese müssen in der Regel vorab gekauft werden. Aber wie viele Autofahrer werden eigentlich jährlich ohne Vignette auf Österreichs Straßen erwischt? Welche Strafen drohen? Und wie kann man typische Fehler beim Kauf oder bei der Anbringung der Vignette vermeiden?
Autofahren in Österreich: Wie funktioniert das Vignetten- und Mautsystem?
Nach Angaben der Betreibergesellschaft, die Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG), unterscheidet sich das Mautsystem in Österreich je nach Fahrzeuggewicht:
- Für Pkw, Motorräder und leichte Wohnmobile bis 3,5 Tonnen braucht es eine Vignette. Diese gibt es als Klebe- oder digitale Vignette – zumindest noch bis 1. Februar 2027. Ab dann wird es nur noch die digitale Vignette geben. Es gibt verschiedene Tarife, je nachdem, für welche Gültigkeitsdauer man eine Vignette erwirbt, etwa zehn Tage, zwei Monate oder ein Jahr.
- Für Lkw, Busse und schwere Wohnmobile über 3,5 Tonnen gilt die GO-Maut: Sie wird pro gefahrene Kilometer abgerechnet.
- Zudem gibt es für alle zusätzlich eine Streckenmaut für bestimmte Abschnitte wie Tunnel und Alpenüberfahrten, etwa den Brenner, Tauern oder Karawanken.
Laut ASFINAG wird die Maut durch automatische Kontrollkameras sowie mobile Kontrollen, die sogenannte Mautaufsicht, überprüft. Bei fehlender oder ungültiger Maut drohen Autofahrern eine Ersatzmaut oder eine Verwaltungsstrafe.
Ohne Vignette in Österreich: Wie viele Autofahrer werden jährlich erwischt?
Wie Alexander Holzedl, Pressesprecher der ASFINAG, auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, liegen folgende Zahlen zu Vignettendelikten in Österreich vor:
- Im Kalenderjahr 2024 wurden rund 540.000 Vignettendelikte auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen festgestellt. Darunter waren über 130.000 Fahrzeuge mit deutschem Kennzeichen.
- Für 2025 wurden circa 670.000 Vignettendelikte registriert. Von diesen Delikten entfallen etwas mehr als 200.000 Fälle auf Fahrzeuge mit deutschem Kennzeichen.
Insgesamt setzt die ASFINAG pro Jahr mehr als 29 Millionen Stück Vignetten ab, informiert Alexander Holzedel. Somit falle die Zahl der Vignettendelikte vergleichsweise gering aus. Die ASFINAG geht generell davon aus, dass mehr als 98 Prozent aller Fahrzeuge rechtzeitig eine korrekte Vignette vorweisen können. Doch welche Strafen drohen Autofahrern, wenn sie in Österreich gegen die Vignettenpflicht verstoßen?
Übrigens: Auf der Brennerautobahn A13 wurde ein neues System installiert. Die Section Control soll für mehr Sicherheit sorgen und kann auch zur Bußgeld-Falle am Brenner werden.
Verstoß gegen Mautregeln in Österreich: Welche Strafen drohen?
Wer gegen die Mautregeln verstößt, begeht nach dem österreichischen Bundesstraßenmautgesetz „Mautprellerei“ und wird laut dem Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) Deutschland zunächst zur Zahlung einer Ersatzmaut aufgefordert. Dabei handelt es sich weder um ein Bußgeld noch um eine Vertragsstrafe, sondern um ein „Angebot“ der ASFINAG, die Angelegenheit ohne behördliches Verfahren beizulegen.
- Die Ersatzmaut beträgt laut ASFINAG für Motorräder 100 Euro sowie für Pkw und Wohnmobile bis 3,5 Tonnen 200 Euro.
- Für Busse, Lkw und Wohnmobile über 3,5 Tonnen gelten höhere Strafen, die von unterschiedlichen Faktoren abhängig sind.
- Werden die entsprechenden Beträge nicht beglichen, folgen hohe Verwaltungsstrafen, die zwischen 300 Euro und 3000 Euro liegen können.
ASFINAG weist darauf hin, dass Mitarbeiter vom Service- und Kontrollmanagement (SKM), die österreichweit Mautkontrollen auf Autobahnen und Schnellstraßen durchführen, Autofahrer „sogar durch geeignete Maßnahmen (beispielsweise Radklammern, Abnahme von Fahrzeugpapieren) am Weiterfahren“ hindern können, wenn diese das Zahlen der Ersatzmaut verweigern. Auch der ADAC empfiehlt, die Ersatzmaut gleich vor Ort zu bezahlen, da sonst hohe Geldstrafen drohen.
Wie das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) Italien in einem Leitfaden informiert, kann es vorkommen, dass Autofahrer erst viele Monate nach einer Fahrt auf österreichischen Autobahnen eine Aufforderung zur Zahlung der Ersatzmaut von der ASFINAG oder bereits ein behördliches Schreiben über eine Geldstrafe erhalten. Dieses Schreiben sollte nicht ignoriert oder gar weggeworfen werden. Wenn man sich sicher ist, dass man eine gültige Vignette hatte und diese auch korrekt angebracht war, kann man sich an das EVZ wenden, das die Angelegenheit prüft und gegebenenfalls bei der ASFINAG entsprechende Beweisfotos anfordert. Wenn man jedoch tatsächlich keine Vignette erworben oder diese nicht korrekt angebracht hatte, sollte man die Ersatzmautforderung zahlen.
Wie das EVZ Deutschland informiert, macht es für die ASFINAG keinen Unterschied, ob man gar keine Vignette gekauft oder sie nur nicht richtig befestigt hat. Beides wird als Verstoß gegen die Vignettenpflicht gewertet und bestraft.
Vignette in Österreich: Was muss man beachten, um Ersatzmaut und Strafen zu vermeiden?
Um die Ersatzmaut oder die teils hohen Strafen zu umgehen, sollten Autofahrer, die in Österreich unterwegs sind, folgende Tipps beachten.
Vignette kaufen:
- Laut EVZ Italien kann die digitale Vignette bei zugelassenen Verkaufsstellen oder auf der offiziellen Homepage des Autobahnbetreibers erworben werden. Auch der ADAC sowie die Anbieter Autopay und Tolltickets zählen zu den autorisierten Online-Vertriebspartnern.
- Der ADAC warnt beim Kauf von Vignetten im Internet vor unseriösen Anbietern und fragwürdigen Portalen. Diese verrechnen entweder überteuerte Preise über Servicegebühren oder sorgen bei Kunden für einen hohen finanziellen Schaden, weil sie Zahlungsdaten abgreifen.
- Klebe-Vignetten, auch „Pickerl“ genannt, können laut ADAC im Vorverkauf in allen ADAC-Vertriebsstellen, über den ADAC Online-Shop oder telefonisch sowie an grenznahen Tankstellen und an ASFINAG Vertriebs- und Mautstellen erworben werden.
- Autofahrer sollten laut EVZ Italien beim Kauf auf das korrekte Kennzeichen und den Ländercode bei der Vignette achten und Fehler sofort dem Kundendienst melden. Beim Kauf in Verkaufsstellen sollte man die Angaben prüfen und den Beleg aufbewahren.
Klebe-Vignette richtig anbringen:
- Laut EVZ Italien sollte die Klebe-Vignette an einer der beiden empfohlenen Stellen auf der Innenseite der Windschutzscheibe angebracht werden – entweder oben mittig hinter dem Rückspiegel oder oben links auf der Seite des Fahrers.
- Das Teilstück mit Barcode darf nicht dort angebracht werden, da die Vignette sonst als ungültig betrachtet wird.
- Laut ADAC sollte die Klebe-Vignette keinesfalls innerhalb des Tönungsstreifens angebracht werden, da so die Lesbarkeit behindert wird.
- Das EVZ Italien empfiehlt Autofahrern, die direkt an der Windschutzscheibe angebrachte Vignette an Ort und Stelle zu fotografieren. Quittungen und Fotos sollten mindestens drei Jahre aufbewahrt werden.
Gültigkeit:
- Zwei-Monats- und Jahresvignetten sollten laut ADAC mindestens 18 Tage vor der geplanten Fahrt durch Österreich gekauft werden. Hintergrund ist die Widerrufsfrist von 14 Tagen, bevor ein Kauf rechtsgültig wird. Die Ein-Tages- und Zehn-Tages-Vignetten sind sofort gültig.
- Die Klebe-Vignette für zehn Tage oder zwei Monate muss laut EVZ Italien korrekt gelocht sein, um Tag und Monat anzugeben.
- Der erste Tag der Gültigkeit wird bei der Berechnung der Gültigkeitsdauer einbezogen, also gilt zum Beispiel eine Zehn-Tages-Vignette, die am 4. März 2026 gekauft wurde, bis zum 13. März 2026, nicht bis zum 14. März.
- Der ADAC empfiehlt, Vignetten nach Ablauf ihrer Gültigkeit von der Windschutzscheibe zu entfernen, um Probleme bei Kontrollen zu vermeiden.
Auch interessant: Die Silvretta-Hochalpenstraße, eine bekannte Panoramastraße in Tirol, bleibt vorerst gesperrt. Die Strecke wird voraussichtlich erst 2030 wieder befahrbar sein. Grund sind Sicherheitsbedenken im Hinblick auf gefährliche Geländebeschaffenheiten, teilte das Betreiberunternehmen mit.
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