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14.10.2017

Die Christen und die neue Rechte

Hilke Rebenstorf

Nächstenliebe schützt nicht vor Populismus

Selbst glaubensfeste, eifrige Kirchgänger sind nicht davor gefeit, rechtspopulistischen Parolen auf den Leim zu gehen. Auf die Frage, ob sie einen Muslim, einen Juden oder einen Schwulen zum Nachbarn haben wollen, reagieren sie teilweise „dominant negativ“. Darüber berichtete die Religionssoziologin Hilke Rebenstorf vom Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei einem Studientag der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen am Freitag in Augsburg.

Einfache Antworten ließen sich aus ihrer Forschung aber nicht ableiten, sagte sie. Es kann nämlich gut sein, dass ein Kirchenvorstand geschlossen islamfreundlich eingestellt ist, während die Gemeinde gespalten ist. Unter religiösen Traditionalisten werde die Gleichstellung Homosexueller deutlich stärker abgelehnt, während sie Muslime wegen ihrer Frömmigkeit respektieren. Rebenstorf riet, ein komplexeres Modell zugrunde zu legen, um das Verhältnis von Kirche und Rechtspopulismus zu erforschen. „Erkennen wir die Ambivalenzen in der Einstellung, und dass Meinungsbildungsprozesse oft nicht abgeschlossen sind“, sagte die Soziologin. Auch wenn das Christentum Nächstenliebe und Brüderlichkeit predige, so trägt es dennoch die Tendenz in sich, dass seine Mitglieder sich für erwählt halten und Gottes Willen besser zu kennen glauben.

Den Trennstrich zog Rebenstorf dort, wo Rechtspopulismus exklusiv ist und Menschen in „wir“ und „die anderen“ aufteilt, sei es das reine, gute, einfache Volk gegen die korrupten Eliten oder gegen die Fremden. Aktiviert werde damit die Einstellung, die eigene Existenz sei bedroht und man müsse sich wehren.

Als Kirche gelte es, „ernsthaft und argumentativ zu widersprechen“, wo gegen die Freiheit, die Vielfalt und die Demokratie gehetzt wird. Die Soziologin empfahl eine Auseinandersetzung mit den Wahrheitskernen rechtsextremer Thesen und dabei Ängste ernstzunehmen – „auch bei sich selbst“. Die Kirche sollte sich offenhalten, strittige politische Themen zu diskutieren und die Probleme zu benennen. So stellte Rebenstorf fest, dass seit den Neunzigern in Deutschland Wettbewerb und Leistung zum Mantra gemacht wurden. „Das bedeutete eine unglaubliche Abwertung all derer, die nicht mithalten können.“

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