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Die Politik hat geliefert. Jetzt sind die Konsumenten dran

Die Politik hat geliefert. Jetzt sind die Konsumenten dran
Kommentar Von Stefan Lange
08.06.2020

Deutschland und die Europäische Union setzen im Konjunkturpaket und in Hilfsprogrammen Billionen Euro gegen das Coronavirus ein. Jetzt sind die Bürger gefragt.

Die Zahlen sind gigantisch und es lohnt sich, sie zur Verdeutlichung mit allen Nullen aufzuschreiben. Die Regierung hat gerade 130 Milliarden Euro (130.000.000.000) für ein Konjunkturpaket mobilisiert, um die Folgen der Corona-Krise abzufedern. Schon vorher sind Hilfspakete geschnürt worden, die sich auf ein Volumen von etwa 1,25 Billionen Euro (1.250.000.000.000) belaufen. Die Europäische Union hat zum ersten Hilfspaket von 750 Milliarden Euro ein weiteres in Höhe von 600 Milliarden Euro gestellt. Die vielen Nullen sollen Leben und Existenzgrundlagen schützen, Schäden am Binnenmarkt beheben und für einen nachhaltigen Aufschwung und Wohlstand sorgen. Ob das gelingt, steht noch in den Sternen.

Geld ist genug da. Deutschland ging es in den letzten Jahren wirtschaftlich gut. Die Staatsverschuldung sank in Relation zum Bruttoinlandsprodukt auf unter 60 Prozent. Sie steigt jetzt wieder, könnte am Jahresende bei 85 Prozent liegen, ist aber noch weit von den 180 Prozent entfernt, die beispielsweise bei Griechenland in den Büchern stehen. Deutschland ist deshalb kreditwürdig und kann sich an den Märkten problemlos Geld besorgen.

Niemand weiß, wohin die Schuldenpolitik von Berlin und Brüssel führt

Für den Euroraum insgesamt gilt, dass jeden Tag frische Banknoten nachgedruckt werden. EZB-Chefin Christine Lagarde erhöhte das Volumen für den Ankauf von Staatsschulden von 750 Milliarden auf 1,35 Billionen Euro. Die Französin lockert parallel die Haushaltsdisziplin. Das Geld sollen nämlich auch die Länder bekommen, die bisher wegen ihres schlechten Ratings von Anleihekäufen ausgeschlossen waren. Das wiederum bestärkt die Kritiker, die in der EZB-Politik eine verbotene Staatsfinanzierung sehen. Doch Lagarde hat wie auch die Regierung und die EU-Kommission keine andere Wahl. Sie müssen es hinbekommen, „mit begrenzten Mitteln eine potenziell unbegrenzte Zahl von Wünschen und Forderungen zu befriedigen, und das stets unter Berücksichtigung von Unsicherheit“, wie es Deutsche-Bank-Chefökonom Stefan Schneider treffend formulierte.

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Diese Unsicherheit gilt es auszuhalten. Niemand weiß, wohin die Schuldenpolitik von Berlin und Brüssel führt. Nicht auszuschließen ist, dass es zu einer Deflation kommt, einem spürbaren und dauerhaften Rückgang des Preisniveaus, der zu einer weiteren Abwärtsspirale führen würde. Die Staaten haben es zudem vermieden, ihre Geldflüsse mit einem Stoppschild zu versehen. Doch was ist, wenn notleidende Länder wie Italien tatsächlich mehr Milliarden brauchen? Darüber mag heute noch niemand nachdenken.

Die Wirtschaft muss in der Corona-Krise wieder in die Gänge kommen

Damit die Rechnung aufgeht und die nachfolgenden Generationen nicht vor einem gigantischen Schuldenberg stehen, müssen Restaurants, Kaufhäuser, Messebetreiber, muss die Wirtschaft insgesamt schnell wieder in die Gänge kommen. Ideen und Modelle sind genug auf dem Markt, sie müssen jetzt genutzt werden.

Die natürliche Reaktion im Angesicht einer Gefahr wie der Corona-Pandemie ist, abzutauchen und das Ende abzuwarten. Es erfordert Mut, das Gegenteil und damit das Richtige zu tun: Sinnvoll und nachhaltig zu konsumieren, was der Geldbeutel hergibt. Nach dem ersten Corona-Schock setzt sich in Deutschland der dafür nötige Optimismus hoffentlich durch. Laut aktuellem Trendbarometer des Meinungsforschungsinstituts Forsa sind die Wirtschaftserwartungen der Deutschen weniger pessimistisch als zu Beginn der Corona-Krise. Mehr Geld ausgeben wollen sie einer Civey-Umfrage zufolge aber trotzdem nicht. Das wäre jedoch ein Fehler.

Politik und Währungshüter haben geliefert. Jetzt sind die Konsumenten an der Reihe.

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Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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Die Diskussion ist geschlossen.

09.06.2020

Was hat die Politik geliefert? (Fast) alles wird teurer und dadurch verpuffen die "Zuwendungen". Und, ich, und einige andere auch, gehen erst wieder zum Shoppen oder Einkaufen wenn die Vermummungsdiktatur gefallen ist. Vorher nur Bier, Brot, Wurst, Käse.
Ich bin neugierig auf die Stellungnahmen in der Politik wenn sie merkt, daß diese Maßnahmen aus den verschiedensten Gründen nicht den gewünschten Erfolg haben werden.

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08.06.2020

Politik hat nichts geliefert ??
Fernsehgebühren ??
Solizuschlag, warum nicht sofort ??
Strom: Abschaffung EEG Umlage, nicht einfrieren !!
Wieso kann ich Miete nicht absetzen, ggf. was bleibt Netto übrig ??
Auf Grund dieser Beschließungen habe ich keinen Cent mehr in der Tasche ??
Miete geht rauf.
AVV erhöht .
300 € Familienbonus ?? Die sind schon längst ausgegeben ??
Hr. Lange " ich glaube, Sie Verdienen zuviel " ?
Denke aber Sie sprechen nicht vom Normalbürger ???

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08.06.2020

Die "Konsumenten" und: die Politik hat "geliefert"?
Was hat sie den geliefert? gerade die Konsumenten und die kleinen Betriebe sind die Benachteiligten: Die versprochenen Zahlungen lassen auf sich warten und den kleinen Betrieben/Geschäften läuft die Zeit davon, bei vielen schon abgelaufen! Jetzt z.B. die Zuzahlung von € 300 für Familien mit kleinem und mittlerem Einkommen: die Zusage ist da, aber kein Info oder Entscheidung, wann und wie ausbezahlt werden soll. Hier muss zeitnah reagiert werden und nicht mit langer "Vorauszeit" etwas beschlossen werden!
Und weiter: wer geht denn schon gerne zum Shoppen, wenn es so viele Maßnahmen und Einschränkungen gibt? Da wird nicht der Einzelhandel profitieren, sondern die Onlineshops, welche eh schon einen erhöhten Umsatz haben. Es müssen schnellsten die Beschränkungen aufgehoben werden. Bei jetzt noch ca. 7.000 Infizierten bei knapp 84 Mio. Einwohner ist das ein Witz! Bei solchen Zahlen müssten wir in Zukunft mehrmals jährlich einen solchen, mehrmonatigen Lockdown durchführen, bzw. hätten wir aufs Jahr gesehen nur einige Wochen "grenzenlose Freiheit"! Ist das unsere Zukunft?!?

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08.06.2020

Konsum lässt sich nicht herbeireden oder verordnen, sondern er richtet sich vor allem nach den Befürfnissen, Lebensumständen und
finanziellen Möglichkeiten des Einzelnen oder der Familien. Man kann doch nicht einfach fordern, dass jetzt die Konsumenten an der
Reihe sind. Geht´s noch?

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08.06.2020

Ich bin optimistisch und tauche auch nicht ab. Ich bin der Überzeugung, das Konsum nicht das Ziel meines Lebens sein kann. Bin ich deswegen ein Feigling und nicht mutig genug? Schauen wir in die Natur und in die Historie und stellen dabei fest, das es nichts gibt, was ewig währt. Alles wächst, gedeiht und stirbt irgendwann ab. So ist das auch mit dem erhofften ewigen Wirtschaftswachstum. Die Corona-Pandemie beschleunigt nur, was ohnehin absehbar ist. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern einfaches Beobachten der natürlichen Gesetze.

Ich für meine Teil werde auf keinen Fall konsumieren um des Konsum willens. Ich kaufe das, was ich wirklich nach reiflicher Überlegung benötige und zusätzliche einige länger nutzbare Produkte, die ich mir für den Luxus "Freizeit" ohnehin angeschafft hätte; ob mit oder ohne Corona-Pandemie.

Auch mein Kaufverhalten wird sich nur wenig ändern. Ich prüfe im Internet, ob ich meine Bedarf bei einem lokalen Händler decken und kaufe gezielt dort vor Ort ein. Kann ich den Artikel nicht vor Ort bekommen, nutze ich online-shopping und achte darauf, das der Shop von einem Unternehmer in Deutschland, am besten aus der Region betrieben wird. Bei weltweit agierenden Plattformen oder zweifelhaften Anbietern aus Asien werde ich auch in Zukunft nichts kaufen.


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08.06.2020

"Nicht auszuschließen ist, dass es zu einer Deflation kommt, einem spürbaren und dauerhaften Rückgang des Preisniveaus, der zu einer weiteren Abwärtsspirale führen würde."
Richtig, wie im richtigen Leben kann man auch in der Wirtschaft nicht irgendeine Entwicklung von vornherein ausschließen. Nur das Lehrbuch des Wirtschaftswissenschaftlers nennt als ein Beispiel für eine Deflation die Verringerung der Geldmenge durch die Zentralbank. Die Zentralbank macht aber im Moment gerade das Gegenteil.

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08.06.2020

"Die Zentralbank macht aber im Moment gerade das Gegenteil."

Dumm ist nur, dass das Fluten der Märkte (übrigens schon längere Zeit) durch die Zentralbank zeitgleich auf eine große Zurückhaltung der Konsumenten bei einem Überangebot an Waren und Dienstleistungen trifft - verursacht durch große Verunsicherung, schwer abschätzbare Zukunftsaussichten oder oft einfach zu wenig Geld. Deshalb wurde und wird das wohl nix mit der gewollten Inflationierung bzw. einer noch weitergehenden Enteignung der Sparer. In der Folge halten sich auch die Produzenten mit Investitionen sehr zurück. Die Gefahr einer Deflation ist nicht von der Hand zu weisen - trotz des Trommelfeuers von Ermahnungen an Verbraucher und Konsumenten - konsumiert, konsumiert, konsumiert endlich . . .

Wir haben zu viel Geld auf der Angebotsseite und viel zu wenig bei einem großen Teil der Konsumenten - also auf der Nachfrageseite. Eine Folge von jahrelanger angebotsorientierter neoliberaler Wirtschaftspolitik, Lohndrückerei und miserabler deutscher Renten.
Dass ein großer Teil der Verbraucher nicht den Weg in die Verschuldung geht, um diese Schlagseite auszugleichen, ist nur vernünftig.

Es könnte sogar sein, dass ein nicht unerheblicher Teil unserer Mitbürger während des "Lock down" registriert hat, dass es auch in der näheren Umgebung viel Interessantes und Schönes zu sehen und erleben gibt, der Verzicht auf so manches zur Gewohnheit gewordenes kein Verlust an Lebensqualität bedeutet sondern oft eine Befreiung vom alltäglichen Stress und Konsumterror, also sogar Befreiung bzw. Bereicherung sein kann - geradezu ein Schreckensszenario für unsere Wachstumsfetischisten.


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08.06.2020

Ja es gibt sie auch noch unter Ökonomen, die Wachstumsfetischisten mit alleiniger Fixierung aufs Bruttosozialprodukt; die Mehrheit ist aber für qualitatives Wachstum. Ohne Wachstum fällt es einer Volkswirtschaft allerdings sehr schwer, die notwendigen Anpassungen an ein sich veränderndes Umfeld vorzunehmen. „Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung“ sagte bereits Heraklit vor 2500 Jahren. Abstinenz oder gar Askese mag ja für den Einzelnen als Reaktion auf Veränderung verlockend erscheinen, in VWL-Lehrbüchern wird dergleichen jedoch nicht erörtert. Ich vermute mal, der fehlenden Erfolgsaussichten wegen.

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08.06.2020

"die Mehrheit ist aber für qualitatives Wachstum."

Also mir fällt trotz längerem Nachdenken kein Bereich unserer angebl. sozialen Marktwirtschaft ein, in dem sich dieser Mehrheitswille ohne staatl. Intervention erkennbar durchgesetzt hätte.
Abstinenz oder gar Askese stehen jeder Wachstumsideologie, egal ob quali- oder quantitativ, diametral entgegen. Dass sie in VWL-Lehrbüchern nicht erwähnt werden mag sein. Trotzdem sind Sie für einen am wachsendem Wohlstand nicht teilhabenden größer werdenden Teil der Bevölkerung unfreiwilliger Bestandteil der Lebensumstände. Gut erkennbar derzeit in den USA.

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