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Analyse

28.12.2020

Es gibt mehr offene Fragen als Corona-Impfstoff-Dosen

Die 101-jährige Edith Kwoizalla ist die erste, die am Samstag vor dem offiziellen Impfstart in Deutschland gegen Corona geimpft wurde.
Foto: Matthias Bein, dpa

Deutschland hat mit seiner Impfaktion gegen das Coronavirus begonnen. Doch schon der Anfang zeigt: Dieser Weg wird steinig bleiben.

Manchmal kommt die Hoffnung in ganz kleinen Dosen daher. Gerade einmal 0,3 Milliliter des Corona-Impfstoffes sind in den Fläschchen enthalten, die seit Sonntag einer ersten Gruppe verabreicht werden. BNT162b2 ist so etwas wie das Versprechen auf einen Anfang vom Ende. Monatelang fieberte Deutschland auf den Start der Impfaktion zu. Doch der Wunsch, dass dieses Virus so schnell verschwinden möge wie es sich auf der ganzen Welt verbreitet hat, dürfte kaum in Erfüllung gehen. Schon der erste Tag hat gezeigt, dass der weitere Weg mehr als holprig ist.

Corona in Deutschland: Es darf keinen weiteren Lockdown-Herbst geben

Die Zahl der mit oder an dem Coronavirus gestorbenen Menschen hat in Deutschland inzwischen die Grenze von 30.000 überschritten. Die Trendwende muss also dringend gelingen. Und dazu gehört auch, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Viel zu lange hat sich die Politik von den niedrigen Infektionszahlen des Sommers blenden lassen, die Wucht des Winters hat die Krisenmanager kalt erwischt. Nicht anders ist es zu erklären, warum erst jetzt über die viel zu geringen Impfvorräte diskutiert wird. Dass sich Deutschland ausgerechnet in diesem Fall auf eine Sammelbestellung der EU verlassen hat, wirkt im Rückblick fast wie ein schlechter Witz mit einer ganz traurigen Pointe.

 

Solidarität ist wichtig – gerade in Ausnahmesituationen. Doch wenn die Folge ist, dass alle mit angezogener Handbremse fahren, ist niemandem geholfen. Fakt ist: Wenn wir es nicht schaffen, bis zum Spätsommer zumindest so viele Menschen gegen das Virus zu immunisieren, dass sich weitere Corona-Ausbrüche leicht lokal eingrenzen lassen, steht uns der nächste Lockdown-Herbst bevor. Die Folgen davon will sich kaum jemand auch nur im Ansatz ausmalen.

Corona-Impfstoff: Die Impf-Motivation wird nicht steigen

Je länger sich die Corona-Impfaktion hinzieht, umso schwieriger wird es werden. Schon heute haben wir uns an immer neue Rekordzahlen gewöhnt, der einstige Inzidenz-Schreckwert von 50 wirkt fast wie ein niedliches Relikt aus einer anderen Zeit. Die Motivation, sich impfen zu lassen, dürfte daher eher sinken als steigen. Zumal mit der Aussicht auf eine Besserung in den warmen Monaten. Abwarten und hoffen aber wird kaum eine Alternative sein. Vieles wird jetzt davon abhängen, wie schnell andere Unternehmen wie Astra Zeneca ihren Impfstoff auf den Markt bringen könnten.

Und doch könnte der Mangel an Impfstoff noch das kleinste Problem bleiben. Die Tücken lauern in jedem noch so kleinen Detail. Wann erfahren die über 80-Jährigen, die nicht im Heim leben, wann sie geimpft werden? Wie werden alle anderen Gruppen über ihren Impftermin informiert? Wie können Pannen in der Kühlkette verhindert werden? Wirken die Impfstoffe noch, wenn das Virus weiter mutiert? Gefühlt gibt es inzwischen mehr Fragen als Impfdosen. Es wird Geduld auf allen Seiten benötigen, ehe diese schwierige Zeit überwunden ist.

 

Wir müssen der Politik auch Fehler zugestehen

Denn eines müssen wir den Verantwortlichen in der Politik bei aller Kritik zugute halten: Nie war es schwerer, Entscheidungen zu treffen. Kaum jemand hätte sich noch vor einem Jahr vorstellen können, wie weit unsere Welt innerhalb kürzester Zeit aus den Angeln gehoben werden kann. Das Prinzip „Versuch und Irrtum“ hat uns durch die vergangenen Monate begleitet.

 

Der Sinn von Masken, die Notwendigkeit eines erneuten Lockdowns, der Schutz von Pflegeheimen und nun der Ruckelstart der Impfkampagne – Corona-Politik war und bleibt ein steiniges Feld. Es ist wichtig, das anzuerkennen. Denn eine Politik, der die Gesellschaft keine Fehler nachsieht, ist zum Stillstand verdammt. Und der kann tödlich enden.

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Die Diskussion ist geschlossen.

29.12.2020

"Wir müssen der Politik auch Fehler zugestehen"
Ja aber wir müssen auch kritisieren, wen aufgrund falscher Dogmen falsche Politik betrieben wird:
1. Dogma: Wir kasernieren keine Alten! Folge: Massensterben in den Altenheimen!
2. Dogma: Keine nationalen Alleingänge! Folge: Die EU hat bei den falschen Herstellern Impfstoff geordert!
3. Dogma: Keine Vergünstigungen für Geimpfte! Folge: Impfbereitschaft fehlt!

Tut mir leid. Diese Regierung agiert ohne echte Konzepte und verhält sich wie ein Fähnchen im Wind. Leider sieht es auf anderen Politikfeldern nicht besser aus.

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28.12.2020

In einem Fläschchen von Biontech/Pfizer sind offiziell 5 Dosen zu je 0,3ml enthalten und bei vorsichtiger Dosierung ist oft eine sechste Dosis damit möglich.
Wäre das bei jedem zweiten Fläschchen mit Übung und Erfahrung durchführbar, dann könnten 10% mehr Menschen geimpft werden!

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28.12.2020

"In einem Fläschchen von Biontech/Pfizer sind offiziell 5 Dosen zu je 0,3ml enthalten..."

Und ein einem 100-Liter-Faß Bier 150 Maß...

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28.12.2020

Vielleicht wäre es für Journalistinnen einfacher als für Zeitungsleser Zugang zu den Informationen zu bekommen, die in diesem Artikel in Frageform und ohne Antwort präsentiert werden? Vielleicht im Web suchen oder bei den Ministerien anfragen?

Die über 80 jährigen in Bayern werden bald Post erhalten, die Daten dazu stammen aus dem Melderegister.

"80-Jährige, die nicht im Heim leben, kommen in den meisten Gegenden Bayerns erst im Januar zum Zuge. Die Landesregierung wolle diese Gruppe von Menschen nach dem Jahreswechsel per Brief anschreiben und mit Informationen versorgen, wie und wo sie sich melden könnten, sagte ein Ministeriumssprecher. Eine Online-Plattform soll ebenfalls in den kommenden Tagen aktiv geschaltet werden.

Telefonisch kann man direkt bei den Impfzentren Termine vereinbaren. Die Nummern finden sich über eine Postleitzahlsuche. In einigen Landkreisen, etwa in Neu-Ulm, beginnen die Impfungen im Impfzentrum auch schon diesen Sonntag."


Das eigentliche Thema der nächsten Monate bleibt aber unerwähnt: Wie viele Tote und dauerhaft Geschädigte Menschen unter 70 oder 60 Jahren will man in Kauf nehmen? Wie viele Mütter und Väter mit 40 oder 50 Jahren werden geopfert werden?

Wenn nach Impfung der Ältesten und einiger Pflegekräfte gelockert wird, dann wird der Altersdurchschnitt der Opfer deutlich sinken und es droht erneut die Überlastung der Krankenhäuser.

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28.12.2020

Das eigentliche Thema der nächsten Monate bleibt aber unerwähnt: Wie viele Tote und dauerhaft Geschädigte Menschen unter 70 oder 60 Jahren will man in Kauf nehmen? Wie viele Mütter und Väter mit 40 oder 50 Jahren werden geopfert werden?"

Was hat das mit der Impfdurchführung zu tun ?
Was wollen Sie damit sagen ?

Es ist eine Tatsache , daß ein Großteil der Menschheit geimpft werden muß , um zu normalen Verhältnissen zurückkehren zu können ( und vertrauen Sie hier nicht den Chinesen , die behaupten , "sie hätten in ihrem Land das Virus"- das sie ja selbst geschaffen hatten - "besiegt".
Ohne Impfstoff ? Das ist nichts als chinesische Propaganda?)

Auch wenn aller Pharmahersteller die Vakzine herstellen , sind dies ca. 16 Milliarden Dosen , welche zudem in der Lagerung ganz speziell behandelt und von (wie man jetzt sieht) darauf spezialisierten Personal angewandt werden muß !

Bis also dieses Ziel erreicht ist , können Sie aber den aktuellen ,sehr harten Lockdown wirklich nicht aufrechterhalten !
Das würde die Weltwirtschaft nun wirklich nicht mehr verkraften !

Wenn man ehrlich ist , dann sind 20 000 Tote bei 80 Millionen und 200 000 Tote bei 330 Millionen in einet welweiten Pandemie keine brsonders große Zahl !

Die "Große Pandemie" 1917 - 1919 führte zu weitaus mehr Toten als der 1. Weltkrieg :
Die Schätzungen liegen zwischen 20 - 30 MILLIONEN (!) Toten weltweit !

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