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Frankreich
30.11.2021

Jetzt offiziell: Der rechtsextreme Éric Zemmour fordert Präsident Macron heraus

Er gilt als radikaler als Marine Le Pen: Éric Zemmour will französischer Präsident werden.
Foto: Daniel Cole, dpa

Der extrem rechte Publizist Zemmour hat offiziell seine Kandidatur für den Präsidentschaftswahlkampf erklärt. Er gilt als ernster Konkurrent für Marine Le Pen.

Éric Zemmour spricht „meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger“ direkt an, doch er blickt dabei nicht in die Kamera. In einer alten Bibliothek sitzend, richtet er seine Augen auf sein Redemanuskript und listet die Qualen auf, die die Franzosen seiner Ansicht nach Tag für Tag erleben: „Sie gehen durch die Straßen Ihrer Städte und erkennen sie nicht wieder“, liest Zemmour in dem zehnminütigen Videoclip vor. „Sie werfen einen Blick auf die Werbung, auf Fernsehserien oder sehen Fußballspiele an, Sie betreten einen Bahnhof oder holen Ihr Kind von der Schule ab – und haben das Gefühl, nicht mehr in dem Land zu sein, das Sie kannten.“

Zemmour wurde bereits zweimal wegen seiner rassistischen Provokationen verurteilt

Dazu gezeigt werden ein Werbefoto mit einem verschleierten Mädchen und Bilder von Bahnsteigen, auf denen viele Schwarze stehen. Frankreich sei im Begriff, sich selbst zu verlieren, von Ausländern überrannt zu werden, so Zemmour. Aus diesem Grund bewerbe er sich als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl im April: „Es geht nicht mehr darum, Frankreich zu reformieren, sondern es zu retten.“

Lange hat sich der 63-jährige Journalist und Autor Zeit gelassen mit dieser Ankündigung. Seit Wochen tourte er durch das Land, um sein Buch „Frankreich hat noch nicht sein letztes Wort gesprochen“ vorzustellen. Längst hat er ein eigenes Team, Plakate und Handzettel. Am Sonntag bestreitet Zemmour eine große Wahlkampfveranstaltung in Paris. Er zielt auf konservative und rechtsnationale Wähler ab, indem er das Schreckensbild eines Landes zeichnet, das seine einstige Größe – verkörpert von Ludwig XIV. oder Napoleon Bonaparte – einbüßt, weil es die „Islamisierung“ nicht stoppe.

Zweimal wurde der Sohn jüdischer Algerienfranzosen wegen Provokation zum Rassenhass verurteilt. Gerade erst stand er vor Gericht. „Sie haben hier nichts zu suchen, sie sind Diebe, sie sind Mörder, sie sind Vergewaltiger“, hatte er von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge gesagt. Mit solchen Aussagen gibt er sich radikaler als seine Konkurrentin, die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Viele Franzosen kennen Zemmour aus dem Fernsehen und halten ihn für historisch gebildet – auch wenn Spezialisten seine Thesen regelmäßig auseinandernehmen.

Marine Le Pen, Vorsitzende der französischen Partei Rassemblement National, will Präsident Emmanuel Macron herausfordern. Eric Zemmour könnte ihr einen Strich durch die Rechnung machen.
Foto: Raymond Roig, dpa

Umfragen sahen Zemmour schon in der Stichwahl gegen Präsident Emmanuel Macron, doch zuletzt fielen seine Werte auf rund 15 Prozent gegenüber 20 Prozent für Le Pen. Der Bürgermeister von London, Sadiq Khan, und die Stadtpräsidentin von Genf, Frédérique Perler, ließen bei Besuchen Zemmours wissen, er sei nicht willkommen. Bei einer Visite in Marseille wurde er ausgebuht und dabei fotografiert, wie er einer Frau einen Stinkefinger zeigte. Eine „unelegante“, aber eben instinktive Geste, rechtfertigte er sich hinterher.

„Man kann sich Fragen über seine Fähigkeit, unser Land zu repräsentieren, stellen“, sagte Regierungssprecher Gabriel Attal am Dienstag. Zemmour verkaufe sich „wie ein französischer Trump“. Anders als Trump hat er allerdings keine große Partei und auch kaum prominente Anhänger hinter sich.

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