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Gesundheit
03.09.2020

Schlafprobleme: Viele leiden psychisch unter Corona-Krise

Vor allem bei jungen Menschen verzeichnen Psychologen einen Anstieg bei depressiven Symptomen.
Foto: Felix Kästle, dpa (Symbol)

Die Pandemie belastet viele Menschen, nicht wenige werden sogar krank. Erste Zahlen und Studienergebnisse zeigen nun, wie sehr sich die Lage verschärft hat.

Die Corona-Krise belastet viele Menschen psychisch. Nicht wenige werden sogar krank. Erste Zahlen von Krankenkassen, Zwischenergebnisse von Studien sowie Erfahrungen von Psychologen und Ärzten weisen darauf hin. Gerade in der Lockdown-Phase haben sich wohl Probleme wie etwa Schlafstörungen, Depressionen oder Suchterkrankungen verschärft.

So verzeichnen viele Krankenkassen einen deutlichen Anstieg von Krankmeldungen aufgrund seelischer Leiden in den Monaten März und April. Die Zahlen seien aber mit großer Vorsicht zu behandeln, da ein sehr hoher Anteil darauf beruhen könnte, dass aus Sorge vor Corona-Maßnahmen und Praxisschließungen mehr Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausgestellt oder verlängert wurden. „Sichere Erkenntnisse werden wir erst kommendes Jahr haben, wenn wir alle tatsächlichen Behandlungsdaten auswerten und abgleichen können“, sagt die Chefmedizinerin der Barmer Ersatzkassen, Ursula Marschall.

Isolation in der Corona-Krise setzt den Menschen zu

Doch auch Psychologen berichten von Auffälligkeiten: „Wir sehen in wöchentlichen Forschungsberichten, dass die Isolation, die anfänglich unklare Bedrohung durch das Virus, aber auch die Existenzängste bei vielen Betroffenen zu einer depressiven Symptomatik führen“, sagt Fredi Lang vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). Dies gelte vor allem für Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen.

Lang leitete die Corona-Hotline, die der Berufsverband zu Quarantänemaßnahmen geschaltet hatte und dabei bis zu 400 Anrufe am Tag verzeichnete: „Es gab eine reale Zunahme der psychischen Belastungen, die gerade auf sich selbst gestellte Menschen in der Isolation oft nicht mehr bewältigen konnten“, so der Psychologe. „Da ist es ein großer Unterschied, ob man allein mit seinen Ängsten auf sich selbst zurückgeworfen ist oder ob man auch in der Corona-Zeit über ein Netzwerk verfügt, das einen mit Telefon- oder Videogesprächen auffangen kann.“

Covid-19-Pandemie war und ist ein Stresstest für die Seele

Corona war und ist in Teilen noch ein immenser Stresstest für die Seele“, sagt auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig. „Die Zeit des Lockdown war für Menschen mit Suchtproblemen nicht leicht. Isolation ist natürlich das Letzte, was Menschen in solchen Lebenslagen guttut.“ Sie sei deshalb sehr dankbar, dass viele Hilfseinrichtungen ihr Beratungsangebot gerade in dieser kritischen Phase telefonisch oder digital ausgebaut und so weiterhin den Kontakt mit Betroffenen gehalten haben.

Auch die Anonymen Alkoholiker in Augsburg berichten, dass es mehr Zugriffe auf ihre Webseite gebe. Und Dr. Anne Koopmann vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim kann mit einer Studie aus ihrem Haus belegen, dass während des Lockdown deutlich öfter zu Wein, Bier & Co. gegriffen wurde.

Schlafprobleme durch die Corona-Krise: Bayern schlafen schlecht

Aber nicht nur die Gefahr an einer Sucht oder seelisch zu erkranken, nimmt zu. Selbst nachts treiben die Gedanken an die Pandemie immer mehr Menschen um. Und besonders betroffen sind offenbar die Menschen im Freistaat: Christian Bredl, Chef der Techniker Krankenkasse (TK) in Bayern, sagt: „Corona raubt vielen Bayern den Schlaf.“ Bei der Umfrage „Corona 2020“ des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der TK gaben 14 Prozent der bayerischen Befragten an, dass sie seit Beginn der Corona-Pandemie schlechter schlafen als zuvor. Das ist der TK zufolge mit Abstand der höchste Wert in Deutschland.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Die Politik muss den Menschen das Gefühl geben, mit ihrer Angst nicht allein zu sein

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

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03.09.2020

Sicher hat dieses Virus unser Leben durcheinandergebracht, aber man kann nicht alle Schuld darauf abschieben. Corona hat vieles entlarvt, was vorher schon in Schieflage war. Die wohlstandsverwöhnte Spaßgesellschaft hat einen empfindlichen Schlag in die Magengrube bekommen. Durch das Virus kam einiges ans Tageslicht, was man bisher nicht sehen wollte, z.B. dass es vielfach an Respekt dem Mitmenschen gegenüber fehlt, dass es in erster Linie um die eigene Befindlichkeit geht, dass die latente Aggressivität nun schneller durchbricht, dass man vielleicht auf so manchen Luxus verzichten muss und ... und ... Interessanterweise ist es nicht so sehr die Angst, krank zu werden und vielleicht dauerhaft Schaden zu nehmen, sondern die Angst, auf etwas verzichten zu müssen. Für den Wohnungslosen, dem ein kalter WInter bevorsteht, ist es ein Luxusproblem, ob er auch bei eisigen Temperaturen gut schlafen wird, wer sich dagegen in Seidenwäsche bettet, den wird schon die Angst umtreiben, ob er künftig in Baumwolle schlafen muss. Ans Tageslicht kamen aber auch einige strukturelle Missstände, die die Politik seit Jahren verschlafen oder verbockt hat, z. B. das Gesundheitswesen nur auf Gewinnmaximierung zu trimmen, statt es auf eine breitere Basis zu stellen, die Schulen mit modernen, aber sinnvollen Lernmitteln zu versorgen, Werksverträge wie in den Schlachthöfen abzuschaffen und und … Auch diese Liste ist sehr lang.

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03.09.2020

Die Krise bzw. der Lockdown war und ist für viele Menschen mit Depressionen oder depressiver Veranlagung eine riesen Belastung weil sie ihren gewohnten Alltag benötigen um stabil zu bleiben, den es aber im Lockdown nicht gab. Mit einem Luxusproblem oder Spaßgesellschaft hat das überhaupt nichts zu tun sondern ist eine existenzielle Bedrohung für diese Menschen. Vor allem wenn Politiker ständig mit einer erneuten Verschärfung der Maßnahmen drohen können diese nicht zur Ruhe kommen sondern leben in ständiger Angst.

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