Newsticker
RKI meldet 1008 Corona-Neuinfektionen - Inzidenz liegt bundesweit bei 6,6
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Kommentar: Warum russische Fake-News in Deutschland so erfolgreich sind

Warum russische Fake-News in Deutschland so erfolgreich sind

Ulrich Krökel
Kommentar Von Ulrich Krökel
09.03.2021

Deutschland wird öfter mit russischen Fake-News angegriffen als anderen Länder. Das klappt nur, weil viele ein gespaltenes Verhältnis zu Russland haben.

Dass die Atommacht Frankreich nicht einmal halb so oft ins Visier der russischen Propagandamaschine gerät wie Deutschland, legte nahe, dass es dem Kreml weniger um die Stärke Deutschlands geht als um die Schwäche der Deutschen für Russland. Tatsächlich gibt es kein zweites Land weltweit, das ein derart gespaltenes Verhältnis zu dem Riesenreich im Osten hat: Noch in die schärfste Kritik an der autoritären und aggressiven Politik von Präsident Putin mischt sich in deutschen Debatten stets der Wunsch nach Dialog.

Viele Deutsche wollen sich mit Russland versöhnen - das führt zu Problemen

Es drängt sich auf, diese Sehnsucht nach Aussöhnung auf die deutschen Menschheitsverbrechen im Weltkrieg zurückzuführen. Die Schuld wiegt schwer. Hinzu kommt die Dankbarkeit für den Moskauer Beitrag zur Wiedervereinigung. Daneben gibt es ein vergleichbares Versöhnungsbedürfnis im Verhältnis zu Polen nicht, von der Ukraine oder Belarus ganz zu schweigen.

Steinmeier sprach von "letzter Brücke zwischen Russland und Europa"

Wie dieses hoch problematische deutsche Denken über Osteuropa funktioniert, führte kürzlich Bundespräsident Steinmeier vor – wohl aus Unbedachtheit. Auf die Frage nach der umstrittenen Pipeline Nord Stream II nannte er die Energiebeziehungen „fast die letzte Brücke zwischen Russland und Europa“. Die Empörung in der Ukraine und in Polen war riesig. Dort sieht man in der Pipeline eher ein deutsch-russisches Folterinstrument als eine europäische Brücke.

Solange man in Deutschland bereit ist, über Polen und die Ukraine „hinwegzudenken“, verfügt die Putin-Propaganda über einen starken Hebel.

Ein Kommentar zum Artikel:

EU sieht Deutschland als Hauptziel russischer Desinformation

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.