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Kommentar
15.12.2015

Weltbild schrumpft sich selbst auf ein Taschenbuchformat

Weltbild schrumpft auf ein Taschenbuchformat. Damit verliert der Verlag aber auch den Anspruch mit den ganz großen mitzuhalten.
Foto: Ulrich Wagner

Der Verlag hat nach der Insolvenz viele Mitarbeiter entlassen. Er soll schnell zurück in die Gewinnzone. Das allein aber genügt nicht für den Erfolg in der Online-Welt.

Der gestrige Tag war wieder ein schwarzer Tag für viele Mitarbeiter des früheren Weltbild-Konzerns. Rund die Hälfte der Logistik-Beschäftigten weiß jetzt, dass der eigene Arbeitsplatz verloren ist. Seit der Insolvenz vor zwei Jahren hat die Verlagsgruppe einen brutalen Schrumpfungsprozess hinter sich. Rund 2200 Mitarbeiter hatte Weltbild damals allein in der Stadt Augsburg. Davon wird bald nur noch ein Bruchteil übrig sein – im Verlag wohl rund 400 Beschäftigte, in der Logistik 210. Die Hälfte des Filialnetzes hatte Weltbild bereits abgestoßen und an „Lesensart“ verkauft. Die Firma ist inzwischen selbst pleite und wird abgewickelt.

Der profitable Kern soll die Marke als Ganzes retten

Die Entwicklung ist umso dramatischer, als Weltbild einst einen großen Anspruch hatte. Unter dem früheren Chef Carel Halff wurden Läden eröffnet, das Unternehmen drängte auf den Online-Markt und erlangte mit der Beteiligung am E-Reader Tolino großes Aufsehen. Es entstand das größte Buchhandelsunternehmen Deutschlands. Wem, wenn nicht Weltbild hatte man es zugetraut, es hierzulande mit dem US-Riesen Amazon aufnehmen zu können? Irgendwann nur sind auf diesem Weg der Überblick und das betriebswirtschaftliche Denken verloren gegangen. Die Bischöfe als frühere Eigentümer versagten kläglich bei Kontrolle und Steuerung. Weltbild machte am Ende einen verheerenden Verlust von rund 100 Millionen Euro.

Der Zeitpunkt der Insolvenz kam denkbar ungünstig. Eigentlich ist der Online-Handel ein Wachstumsmarkt, es herrscht Gründerzeitstimmung. Jeder zehnte Euro wird im Einzelhandel inzwischen online umgesetzt. Und der Handelsverband erwartet für dieses Jahr, dass die Umsätze abermals um zwölf Prozent zulegen.

Die Strategie von Weltbild-Investor Walter Droege ist aber derzeit nicht auf Wachstum angelegt, sondern auf die Rückkehr zum profitablen Kern. Darum die Entlassungen, darum der monatelange Kleinkrieg mit dem Betriebsrat, der um jeden Job kämpft. Weltbild schrumpft auf Taschenbuchformat. Das hat für den Investor seinen Reiz. Taschenbücher gelten schließlich als klein, praktisch und rentabel. Ganz ähnlich soll Weltbild nicht mehr Umsatz um jeden Preis machen, sondern sich auf gesunde Umsätze konzentrieren. Doch der Kurs hat auch Risiken.

Weltbild will nicht mehr mit Amazon und Co. mithalten

Gut ist zwar, dass Weltbild unter dem neuen Führungsteam das Sortiment erneuert. Erinnerte Weltbild zuletzt an einen Gemischtwarenladen, der auch Rasenmäher anbietet, will man sich künftig auf das Kernprodukt Buch konzentrieren. Rundherum gruppiert Weltbild verwandte Waren. Pfiffig ist auch die Idee, auf Dienstleistungen zu setzen. Zum Kochbuch gibt es das passende Kochgerät und den Kochkurs in der Region. Weltbild wirkt heute frischer und fokussierter. Doch mit der Schrumpfung verliert Weltbild den Anspruch, mit den ganz Großen mitzuhalten. In der Amazon-Liga spielen die Augsburger längst nicht mehr. Die Firma muss aber auf lange Sicht eine kritische Masse behalten, damit sich das Geschäft lohnt und Innovationen wie der E-Reader Tolino gestemmt werden können.

Und um Erfolg zu haben, muss Weltbild sein Versand-Problem lösen. Die Zufriedenheit der Kunden hängt an einer schnellen, reibungslosen Zustellung. Mit den gestrigen Entlassungen ist dieses Problem nicht gelöst. Noch immer steht die Schließung des Versands im Raum. Sucht sich Weltbild aber einen anderen Anbieter, drohen neue Fehlerquellen. Hält der Konzern am Ende an der Logistik in Augsburg fest, muss er schnell einen Weg finden, die inzwischen aus gutem Grund frustrierten Mitarbeiter zu motivieren.

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