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Facebook-Affäre

22.05.2018

Mark Zuckerberg bleibt in Brüssel viele Antworten schuldig

Facebook-Chef Mark Zuckerberg lieferte im EU-Parlament nur wenige Antworten.
Bild: Geert Vanden Wijngaert, dpa

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat sich im Europaparlament für die Daten-Affäre entschuldigt - lieferte aber nur wenige Antworten auf die vielen Fragen.

Mark Zuckerberg versuchte es mit einer Entschuldigung. Die war bei der Anhörung vor dem US-Kongress bereits gut angekommen. „Das war ein Fehler und es tut mir sehr leid“, begann der Facebook-Chef die 75 Minuten dauernde Anhörung vor dem Europäischen Parlament. Der Konzern habe das Ausmaß seiner Verantwortung im Kampf gegen den Missbrauch von und mit User-Daten nicht erkannt. Er sei eigens nach Brüssel gekommen, weil „Europa ein großer und unglaublich wichtiger Teil unserer globalen Gemeinschaft“ ist. Facebook werde in Europa von rund 18 Millionen Menschen genutzt.

Mark Zuckerberg verwies auf die zunehmende Konkurrenz

Die Chefs der Fraktionen im Europäischen Parlament aber wollten Antworten auf gezielte Fragen: Warum informierte Facebook die vom Fall Cambridge Analytica Betroffenen nicht schon 2015 über den Diebstahl ihrer Daten? Ob zu befürchten sei, dass dieser Vorfall „nur die Spitze des Eisbergs“ war? Warum sammele Facebook Daten auch von solchen Usern, die zwar den „Gefällt mir“-Button drücken, aber gar keine Mitglieder sind?

Zuckerberg war erkennbar bemüht, den Fragen Herr zu werden, verwies auch auf die zunehmende Zahl der Konkurrenten. In einigen Punkten versprach er nachträgliche schriftliche Stellungnahmen. „Mir ist bewusst, dass es viele konkrete Fragen gab, auf die ich nicht konkret eingehen konnte“, sagte er zum Schluss. Der Chef der liberalen Fraktion, der frühere belgische Premier Guy Verhofstadt, kritisierte, Zuckerberg müsse sich entscheiden, ob er in die Geschichte in einer Reihe mit Apple-Gründer Steve Jobs und Microsoft-Erfinder Bill Gates eingehen wolle – oder als „ein Genie, das ein digitales Monster geschaffen hat, das unsere Demokratien zerstört“. Der Chef der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion, Udo Bullmann, sagte: „Die wenigen Antworten, die wir gehört haben, waren enttäuschend.“

Unmittelbar zuvor hatte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager den Facebook-Chef aufgefordert, sich unmissverständlich zum Datenschutz und zum aktiven Kampf gegen den Missbrauch von Nutzerdaten zu bekennen. „Ich möchte von Mark Zuckerberg ein klares Bekenntnis hören, dass Facebook sich an die Datenschutz-Regeln der EU hält“, sagte die dänische Politikerin unserer Redaktion. „Es ist für die Bürger wichtig zu sehen, dass sich ein Unternehmen um das Vertrauen seiner Kunden bemüht und dass Missbrauch in jeder Hinsicht aktiv ausgeschlossen wird.“

Bei der Anhörung ging es vorrangig um die im März bekannt gewordene Abschöpfung der Daten von Millionen Facebook-Nutzern durch die britische Firma Cambridge Analytica. Sie sollen unter anderem unerlaubt für den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump ausgeschlachtet worden sein. In Europa waren laut Facebook rund 2,7 Millionen Nutzer betroffen.

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