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Augsburger Allgemeine Live

21.09.2020

Olaf Scholz lobt Kurzarbeit als Anti-Krisen-Exportschlager für Europa

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz stellte sich in "Augsburger Allgemeine Live" den Fragen von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.
Bild: Ulrich Wagner

SPD-Kanzlerkandidat Scholz gibt bei „Augsburger Allgemeine Live“ eine Kostprobe seines hanseatisch zurückhaltenden Wahlkampfs und beschwört den Ernst der Corona-Lage.

Ernst und staatsmännisch präsentiert sich SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bei „Augsburger Allgemeine Live“ -  nur einmal kann eine Zuschauerin dem im Krisenmodus regierenden Bundesfinanzminister ein Grinsen abringen. Die Fußball-Leidensgenossin fragt den ehemaligen Hamburger Bürgermeister, welche Eigenschaft eines HSV-Fans er denn nun als Kanzlerkandidat am besten gebrauchen könne: „Man muss einfach daran glauben, dass es am Ende gut ausgeht“, antwortet Scholz schelmisch lächelnd. Doch sonst erlebt man an diesem Abend einen Hanseaten pur, der selbst wenn es um den Wahlkampf gehen soll, am liebsten auf vornehme Zurückhaltung setzt.

Olaf Scholz antwortet auf die Kanzler-Frage hanseatisch-distanziert

Etwa als ihn Chefredakteur Gregor Peter Schmitz fragt, ob er sich ernsthaft Chancen ausrechne, im kommenden Herbst Angela Merkel als Regierungschef zu beerben. Scholz antwortet wenig wahlkämpferisch lieber distanziert in der dritten Person: „Zum ersten Mal seit 1994  wird jemand Kanzler dieser Republik, der das vorher nicht gewesen ist“, schickt er voraus. „Die SPD sagt, sie hat da einen guten Vorschlag, mit jemanden, der viel Erfahrung gewonnen hat, als Vizekanzler, Finanzminister und vielen andern Ämtern“, erklärt Scholz. „Deshalb hoffen wir, dass viele wegen unseres Programms für die Zukunft, wegen der Dinge die wir geleistet haben gerade in der Corona-Krise und wegen des Kanzlerkandidaten uns die Stimme geben.“

Hanseatischer geht Wahlkampf kaum. Aber die Lage ist ernst im Land der Pandemie und ihrer Folgen, deshalb hoffen die Sozialdemokraten, mit ihrem Kanzlerkandidaten den richtigen Ton treffen zu können. Seit Corona zählt Olaf Scholz zu den entscheidenden Krisenmanagern der Republik - und musste die von ihm lange verteidigte Schwarze Null im Haushalt gegen Rekordschulden eintauschen. Weil Deutschland in den letzten Jahren „ordentlich gewirtschaftet“ habe, könne der Bund nun mit dreistelligen Milliardensummen der Wirtschaft und den Menschen über die Krise helfen. „Deutschland kommt gegenwärtig gut durch die Krise“, sagt Scholz, „besser als viel andere Länder“.

Olaf Scholz zu Corona-Krisenhilfen: Geht darum, Menschen zu helfen

Viele andere Länder hätten auch aus der Bundesrepublik, als Exportschlager das Wort „Kurzarbeit“ in ihre Sprache und Krisenpolitik importiert. Kritik an den bis weit ins Wahljahr verlängerten Krisenhilfen und der Aussetzung der Schuldenbremse weist der Finanzminister als realitätsferne Professorendiskussionen zurück. Es gehe darum, den Menschen zu helfen. Schon in der Finanzkrise hätten sich die Maßnahmen als am besten geeignet erwiesen, Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden. Schon damals sei Deutschland viel besser aus der Krise gekommen als andere Länder, weil die Unternehmen an ihren Beschäftigten auch in schweren Zeiten festhalten hätten können.

Olaf Scholz lobt Kurzarbeit als Anti-Krisen-Exportschlager für Europa
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Bild: Ingo Wagner, dpa

So sei es auch jetzt in ganz Europa: „Wir haben als Bundesrepublik dazu beigetragen, dass Europa zusammenhält.“ Das europäische Kurzarbeitergeld führe dazu, dass kein EU-Staat in eine neue Schuldenkrise stürze. Und Deutschland werde nach Ende der Krise eine niedrigere Schuldenquote haben als andere Länder davor. Dass es den anderen europäischen Ländern gut gehe, sei im ureigensten Interesse Deutschlands: „Wir sind so eng verflochten, dass wir gar nicht gut wegkommen können, wenn es nicht auch anderswo gut läuft.“

 

Der Vizekanzler weicht der Frage aus, ob es nicht doch noch zu einem zweiten Lockdown kommen könnte. Er hoffe, dass das dezentrale System der auch finanziell aufgerüsteten Gesundheitsämter funktioniere, jeden Infektionsherd als Hotspot vor Ort unter Kontrolle zu halten. Und deshalb gelte es in der Corona-Krise weiterhin für jeden einzelnen vorsichtig zu sein, betont er. Es komme vor allem auf eines an, sagt er immer wieder: „Zusammenhalt und Respekt“. Fast klingt es, als habe der SPD-Kanzlerkandidat damit seinen Wahlslogan für das kommende Jahr bereits gefunden. Und vielleicht wird der Hanseat dann doch noch ein angriffslustiger Wahlkämpfer, denn so sagt der 62-Jährige: „Wir erfinden uns jeden Tag neu, alle miteinander.“

Das ganze Gespräch mit Olaf Scholz können Sie hier im Video noch einmal ansehen.

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