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Porträt
20.06.2021

Der harte Kampf des Curevac-Gründers Ingmar Hoerr

Der Impfstoff der Tübinger Firma Curevac erzielte bei Tests nicht genug Wirksamkeit.
Foto: Bernd Weißbrod, dpa

Curevac gilt lange als Hoffnungsträger im Kampf gegen Corona. Doch dann erleidet der geniale Wissenschaftler und Firmenchef Ingmar Hoerr einen Schicksalsschlag.

Die Geschichte ist so schön, dass sie sich in nahezu jedem Porträt des Biologen Ingmar Hoerr findet: Als junger Doktorand deutet er das Ergebnis eines Experimentes nicht als Knalleffekt, sondern als Rohrkrepierer. Bis ihm dämmert, dass er einen Weg entdeckt haben könnte, Impfungen zu revolutionieren. Doch seine Euphorie wollen Kollegen und – fast wichtiger – Investoren über Jahre nicht recht teilen.

 

1968 geboren im schwäbischen Neckarsulm, nahe Heidelberg, führt ihn nach dem Ersatzdienst das Studium nach Tübingen. In die Stadt also, in der er als Forscher, aber auch als Unternehmer reüssieren sollte. Hoerr zeichnet eine wohltemperierte Balance zwischen Leidenschaft und Beharrlichkeit aus. Eigenschaften, die ihm helfen, seine Ziele unbeirrt zu verfolgen. Also macht Hoerr weiter, verbeißt sich in die von ihm entscheidend weiterentwickelte mRNA-Technologie, gründet 2000 Curevac. Ein Unternehmen, das Preise gewinnt und sich einen Namen in der Biopharmabranche macht – kurz, Hoerr zeigt den Zweiflern eine lange Nase.

Corona-Impfstoff: Ausgerechnet Hoffnungsträger Curevac verliert den Anschluss

Der Einschnitt kommt am 13. März 2020 mit voller Wucht: Gehirnblutung, Notoperation, künstliches Koma. Schließlich wacht er auf, hat aber mit Gedächtnislücken zu kämpfen, ist desorientiert. „Meine Frau habe ich gleich erkannt. Das war eine große Erleichterung“, erinnert sich Hoerr. Nur wenige Wochen zuvor hatte sich das stachlige Coronavirus unbemerkt in die Körper einer rasant wachsenden Zahl menschlicher Körper eingeschlichen – mit nicht selten tödlichen Folgen. Curevac-Konkurrenten Biontech oder Moderna gelingt es, in Rekordzeit exzellente Impfstoffe auf mRNA-Basis gegen das Corona-Virus zu entwickeln. Jetzt wird der weltweiten Öffentlichkeit bewusst, dass die neue Technologie nicht nur das Potenzial hat, die Pandemie in Schach zu halten, sondern auch helfen kann, Krebs und andere Krankheiten weit besser in den Griff zu bekommen.

Ingmar Hoerr, einer der Gründer des biopharmazeutischen Unternehmen Curevac, musste nach einer Gehirnblutung zurückfinden.
Foto: Sebastian Gollnow, dpa

Ausgerechnet der große Hoffnungsträger Curevac verliert im Bemühen, das perfekte Vakzin zu kreieren, den Anschluss. Während sich Hoerr, verheirateter Vater von Zwillingen, zurück ins Leben kämpft, fällt Curevac hinter die eigenen Ankündigungen zurück, kann Zeitpläne nicht einhalten. Das hat den 53-Jährigen, der aktuell weniger als ein Prozent der Curevac-Aktien hält, mit Sicherheit tief getroffen. Sein Ansehen als Forscher ist ungebrochen, wie die Nominierung für den Nobelpreis im Februar 2021 zeigt.

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Vor einigen Tagen wurde gemeldet, dass sich Ingmar Hoerr wieder stärker in der Firma engagieren wolle. Mittwochabend wurde bekannt, dass die Zulassung für das Curevac-Vakzin eine Illusion bleiben könnte. Es scheint, dass die Tübinger Firma den Ex-Chef mehr denn je braucht.

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