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Augsburg

18.08.2019

Tierschützer Friedrich Mülln kämpft mit der SOKO Tierschutz für Tiere

Friedrich Mülln ist Gründer der „Soko Tierschutz“.
Bild: Silvio Wyszengrad

Friedrich Mülln ist Chef der Soko Tierschutz in Augsburg, die auch die Tierquälerei auf einem Unterallgäuer Hof publik gemacht hat. Gegner wollten ihn schon überfahren.

Das Geschäft von Friedrich Mülln ist nichts für zartbesaitete Menschen. Der 39-Jährige deckt immer wieder aufs Neue auf, wie grausam der Mensch in der industriellen Tierverarbeitung mit seinen Mitkreaturen umgeht. Versteckte Filmaufnahmen zeigen etwa Puten, die lebendig in Tonnen entsorgt werden. Oder das Lebendrupfen bei Gänsen. Beim Herausreißen der Federn entstehen Wunden, die dann – natürlich ohne Betäubung – von den Arbeitern mit Nadel und Faden aus der Kurzwarenabteilung zugenäht werden.

Vor kurzem hat Müllns Verein, die in Augsburg sitzende und seit 2013 existierende Soko Tierschutz, Videoaufnahmen veröffentlicht, die den erbarmungslosen Umgang mit Kühen in einem der größten Milchviehbetriebe im Unterallgäuer Bad Grönenbach zeigen. Mutig muss der Vereinsvorsitzende sein, weil ihm bei der Recherche auch schon mal Gänsebauern in Ungarn mit einem Prügel hinterherrennen. Man wollte ihn überfahren, hat sein Auto beschädigt, Telefonterror veranstaltet.

„Ich sehe das gelassen“ sagt der studierte Politikwissenschaftler, der seit seinem 13. Lebensjahr vegan lebt. Schon sein Vater, der in der Fleischindustrie gearbeitet hat, erzählte ihm früher, wie abscheulich es dort zugehe. Wenn man mit Friedrich Mülln spricht, merkt man schnell, dass er sachlich an das Thema herangeht. „Ich bin kein extremer Tierliebhaber“, bekennt er. „Sonst würde ich zerbrechen.“

Tierschützer Friedrich Mülln lebt aus Sicherheitsgründen im Verborgenen

Mülln, der lange in Augsburg gewohnt hat, lebt heute aus Sicherheitsgründen im Verborgenen. Aber in den Medien ist er oft zu sehen. Das soll ihn schützen: „Ich habe jahrelang quasi als U-Boot existiert“, erklärt er. „Aber wenn einen keiner kennt, dann merkt auch keiner, wenn man plötzlich verschwindet.“ Zudem will er natürlich sein Anliegen, das Aufdecken der Grausamkeiten, publik machen.

Oft wird ihm und den Mitgliedern der Soko Tierschutz vorgeworfen, sie würden illegal fremde Grundstücke betreten, gar einbrechen, um zu recherchieren. „Doch das machen wir in der Regel eher nicht.“ Die etwa 20 aktiven Mitglieder des Vereins, der sich in erster Linie aus Spenden finanziert, wurden laut Mülln noch nie etwa wegen Hausfriedensbruch angeklagt oder gar verurteilt. „Es gibt zudem viele letztinstanzliche Urteile, die einen sogenannten rechtfertigenden Notstand sehen und Straffreiheit aussprechen.“ Kriminelles Vorgehen lehnt er kategorisch ab.

Wenn der fest angestellte Vereinsvorsitzende gerade einmal nicht 1000 Stunden Videoaufnahmen versteckter Kameras auswertet, sammelt er Pilze, oder er reist viel, wobei sein Lieblingsreiseziel Deutschland ist.

Er hat zwar seit vielen Jahren eine Freundin. Aber eine Familie lässt seine Arbeit mit teils tagelangen Rechercheeinsätzen nicht zu, sagt er. Er hat noch nicht einmal ein Haustier.

Zuletzt deckten Mülln und seine Kollegen auch die Tierquälerei auf einem Unterallgäuer Hof auf. Mittlerweile wird gegen drei Großbetriebe ermittelt.

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