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Corona-Pandemie

15.11.2020

Volle Kliniken, leere Innenstädte: 6 Grafiken zum Teil-Lockdown

Den gesamten November über soll der Lockdown light in Deutschland gelten.
Bild: Kay Nietfeld, dpa

Plus Seit zwei Wochen gelten in Deutschland wieder strengere Corona-Maßnahmen. Bund und Länder wollen die Situation neu bewerten. Wir zeigen, ob der Lockdown light schon wirkt.

Einen zweiten Lockdown unbedingt verhindern - mit diesem Ziel ging Deutschland in den Herbst. Seit 2. November ist klar: Das Ziel ist gescheitert. Deutschland befindet sich wieder in einem Lockdown, der sich das Prädikat "light" verdient, weil Schulen, Kitas, Einzelhandel und Friseure unter Auflagen weiterhin öffnen dürfen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten wollen am Montag zwei Wochen nach dem Start das Infektionsgeschehen in der Bundesrepublik neu bewerten. Ist die Trendwende bereits geschafft? Unsere Grafiken zeigen, ob der Lockdown light schon eine erste Wirkung zeigt und wo Deutschland mit Blick auf das Coronavirus gerade steht.

Der erste Blick richtet sich auf die Zahl der täglichen Neuinfektionen. Erst am Freitag gab es mit 23.542 Infizierten einen neuen Höchststand in Deutschland. Hoffnung macht das erst einmal nicht.

Und doch ist ein erster Trend sichtbar: Die Zahlen steigen zwar, aber nicht mehr so stark wie noch zuletzt. Doch dienen tägliche Fallzahlen nur bedingt als Indikator für die aktuelle Corona-Lage in Deutschland. Einerseits sind sie ein Blick in die Vergangenheit, da zwischen Infektion und Meldung des Gesundheitsamts an das Robert-Koch-Institut (RKI) bis zu zwei Wochen vergehen können. Andererseits können Rückstaus in Laboren dazu führen, dass manche Infektionen erst viel später in die Statistik einfließen. Auch fallen die Zahlen, die das RKI bekannt gibt, an Sonntagen und Montagen häufig niedriger aus, da am Wochenende weniger getestet wird, suggerieren also eine Entwicklung, die es so nicht geben muss.

Corona in Deutschland: So ist die Lage in den Krankenhäusern

Wichtig für die Beurteilung des Infektionsgeschehens ist der Blick in die Krankenhäuser. Einige Kliniken meldeten in den vergangenen Wochen, dass sie kurz vor der Überlastung stünden. Über 3000 Covid-19-Patienten werden derzeit in Deutschland intensivmedizinisch betreut, in Augsburg sind es 33 (Stand: 13. November).

Entspannung ist in den Krankenhäusern trotz des Teil-Lockdowns nicht in Sicht: Schon jetzt werden mehr Corona-Patienten auf Intensivstationen behandelt als im Frühjahr. Und die Zahl wird wohl weiter steigen, denn Patienten mit schweren Verläufen bleiben oft wochenlang auf den Intensivstationen. Hinzu kommen neue Fälle.

R-Wert unter 1: Wie aussagekräftig ist der Wert?

In der Kritik stand zuletzt der Reproduktionsfaktor, kurz R-Wert. Der Wert zeigt an, wie viele andere Menschen ein Corona-Infizierter im Schnitt ansteckt. Sobald der Wert 1 übersteigt, droht ein rasanter Anstieg der Fallzahlen. Die Pandemie breitet sich mit steigender Geschwindigkeit aus.

Die Grafik zeigt: Seit Beginn des Lockdown light ist der R-Wert gesunken, er liegt nun nach Angaben des Robert-Koch-Instituts schon mehrere Tage in Folge unter 1. Das würde allerdings bedeuten, dass die Zahl der Neuinfektionen sinken müsste. Tut sie aber nicht. Problematisch am R-Wert ist, dass er das aktuelle Infektionsgeschehen lediglich geschätzt darstellt. Dadurch sollen zwar mögliche Verzögerungen bei Corona-Meldungen ausgeglichen werden, dafür sind die Prognosen aber oft ungenau, weshalb das RKI den R-Wert zuletzt häufiger nachträglich angepasst hat. Ob der Lockdown bereits wirkt, kann der R-Wert alleine also nicht beantworten.

Deutschland im Lockdown light: Bleiben die Menschen zu Hause?

Aussagekräftiger hingegen sind die Bewegungsströme der Menschen. Sie zeigen, wie die Bürger auf die Maßnahmen der Regierung regieren - etwa, ob sie vermehrt zuhause bleiben. Besonders eindrücklich war das im Frühjahr zu sehen, als der erste Shutdown Straßen und Innenstädte leerfegte. Google hat nun erneut anonymisiert Bewegungsprofile der Menschen in Deutschland erstellt.

Das Unternehmen hat sich dabei auf verschiedene Lebensbereiche konzentriert. Die Referenz, der Vergleichszeitraum, den Google selbst für seine Analysen verwendet, stammt aus dem Zeitraum vom 3. Januar bis zum 6. Februar 2020. Aus einer Zeit vor Corona also. Es fällt auf: Seit dem Lockdown verbringen die Menschen deutlich weniger Zeit in den Bereichen Einzelhandel und Freizeit.

Das liegt zum einen daran, dass Google Orte wie Restaurants, Cafés, Freizeitparks und Kinos berücksichtigt, die seit 2. November zum Teil geschlossen sind. Doch auch der Einzelhandel spürt laut Google die Corona-Einschränkungen.

Lockdown light: Selbst im November treibt es die Menschen an die frische Luft

Auch die Bewegungsströme in Parks hat sich Google angesehen. Trotz der November-Tristesse flüchten sich die Deutschen im Lockdown vor allem in die Natur. Bis zu über 60 Prozent mehr bewegten sich die Menschen in Parks als im Referenzzeitraum Anfang des Jahres.

Gemieden werden hingegen wieder Bahnhöfe und Haltestellen. Rund 30 Prozent weniger hielten sich die Deutschen dort seit dem Lockdown light auf als noch Anfang des Jahres.

Verantwortlich dafür: Viele Pendler bleiben derzeit im Homeoffice, zudem setzen die Deutschen wieder vermehrt aufs Auto oder das Rad, um zur Arbeit zu kommen. Seit Beginn der Pandemie hat die Frequenz an deutschen Bahnhöfen um rund 25 Prozent abgenommen.

Die Grafiken zeigen: Es gibt Indizien dafür, dass der Lockdown light bereits zu wirken beginnt. Die Deutschen sind wieder weniger mobil als noch in den vergangenen Wochen. Auch die Kurve, die den Anstieg der Neuinfektionen zeigt, wird etwas flacher. Ob das Weihnachtsfest gerettet werden kann, entscheidet sich jedoch erst in der zweiten Novemberhälfte.

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