Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Wer wird Nachfolger von Bätzing an der Spitze der Bischofskonferenz? Dieses Profil dürfte gefragt sein

Bischofskonferenz

Die Bischöfe suchen einen neuen Chef: Wer folgt auf Bätzing an der Kirchenspitze?

  • |
  • |
  • |
  • |
    Der Limburger Bischof Georg Bätzing geht nach sechsjähriger Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Wer folgt ihm nach?
    Der Limburger Bischof Georg Bätzing geht nach sechsjähriger Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Wer folgt ihm nach? Foto: Matthias Kopp/Deutsche Bischofskonferenz, dpa

    Auch wenn die deutschen katholischen Bischöfe an diesem Dienstag in Würzburg unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagen – wie ein Konklave, eine Papstwahl also, ist die Wahl ihres neuen Vorsitzenden nun nicht gerade. Zumal es auch recht zügig gehen soll: Um 11.30 Uhr am 24. Februar 2026 soll, läuft alles nach Plan, der Nachfolger des Limburger Bischofs Georg Bätzing vor die anwesenden Journalistinnen und Journalisten treten. Der Tagesordnungspunkt lautet: „Pressestatement des neu gewählten Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz“. Der, zumindest im Unterschied zum Petersdom in Rom, etwas weniger glanzvolle Ort: das Burkardushaus Würzburg. Dort, im zentralen Tagungszentrum des Bistums Würzburg, findet die diesjährige Frühjahrsvollversammlung statt. Es ist eine richtungsweisende für die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. So haben es kürzlich unserer Redaktion Altbundespräsident Christian Wulff und Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), des obersten katholischen Laiengremiums, gesagt. Denn: Der künftige Vorsitzende der Bischofskonferenz wird den Kurs seiner Kirche entscheidend mitprägen. Wird es ein Reformkurs sein?

    So wird der neue Vorsitzende gewählt

    Bereits seit Wochen wird kräftig spekuliert, wer Bätzings Nachfolger sein könnte. Und welche Folgen das hätte. Der Kreis der infrage kommenden Kandidaten ist klein: Es sind die aktuell amtierenden 25 Ortsbischöfe. Das Prozedere erklärt die Bischofskonferenz wie folgt: „Jeder (wahlberechtigte, die Red.) Bischof erhält einen Zettel, auf den er den Namen des gewünschten Vorsitzenden notiert. Die Zettel werden in einer verschlossenen Wahlurne gesammelt. Haben alle Bischöfe ihren Stimmzettel abgegeben, werden diese ausgezählt und der amtierende Vorsitzende trägt die Ergebnisse vor. In den ersten beiden Wahlgängen ist eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder notwendig. Ab dem dritten Wahlgang reicht die Mehrheit der anwesenden Mitglieder.“

    Wie bei den vergangenen Wahlen, und das ist dann doch eine Gemeinsamkeit mit der Papstwahl, wird es recht spannend werden. Und das liegt vor allem an den Weihbischöfen, die den Vorsitzenden mitwählen – und die im Unterschied zu den Ortsbischöfen öffentlich wie für Beobachter schwerer einzuschätzen sind, was ihre kirchenpolitischen Positionen angeht. Umso mehr wurde spekuliert.

    Dass es nicht lange dauern würde, bis die Spekulationen beginnen – das war sicher. Schließlich wurde in Kirchenkreisen bereits heftig darüber diskutiert, wer künftig das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland sein könnte. Der Limburger Bischof Georg Bätzing hatte das repräsentative, aber mit wenig Machtfülle ausgestattete Amt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz im März 2020 übernommen. Er ging somit nicht nur dem Ende seiner regulären Amtszeit entgegen, er wirkte auf Beobachter zuletzt auch aufgerieben – von den heftigen Kämpfen um Kirchenreformen sowie von der massiven Kritik, die ihm etwa seine Haltung zur AfD einbrachte.

    Gesucht wird vermutlich ein moderater Reformer und Vermittler

    Bätzing hatte nicht nachgelassen, die teils als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestufte Partei als unvereinbar mit dem Christentum zu kritisieren. Im vergangenen September musste er sich daher von einem AfD-Politiker aus Sachsen-Anhalt anhören, er sei „vom Teufel geschickt“. Eine von zahlreichen wüsten Attacken. Innerhalb der Bischofskonferenz – dieses vielstimmigen Zusammenschlusses der Bischöfe aller 27 (Erz-)Bistümer in Deutschland – machte sich wiederum zunehmend Missstimmung breit. Vor allem eine Gruppe konservativ-katholischer Mitbrüder, bestens vernetzt mit Rom, übte sich in mitunter fundamentaler Opposition: Stefan Oster (Passau), Gregor Maria Hanke (Eichstätt, inzwischen zurückgetreten), Rudolf Voderholzer (Regensburg) und Rainer Maria Kardinal Woelki (Köln) waren insbesondere an diversen Wegmarken des innerkirchlichen Reformprozesses „Synodaler Weg“ mit seinen demokratisch gefassten Beschlüssen nicht bereit, diesen mitzugehen.

    Fiele die Wahl auf den Passauer Bischof Stefan Oster, wäre das ein scharfer Richtungswechsel. Daher: eher unwahrscheinlich.
    Fiele die Wahl auf den Passauer Bischof Stefan Oster, wäre das ein scharfer Richtungswechsel. Daher: eher unwahrscheinlich. Foto: Armin Weigel, dpa

    Während Bätzing zum Beispiel in seinem Bistum die Umsetzung einer Handreichung zu Segensfeiern für homosexuelle Paare empfahl, sperrten sie sich. Ihre Hauptargumente lauteten dabei meist: Etwas sei nicht mit Rom abgesprochen oder widerspreche Lehre und Tradition. Christian Weisner von der katholischen Reformbewegung „Wir sind Kirche“ nennt es ein „Trauerspiel, wie es den traditionalistischen, spalterischen Kräften innerhalb der deutschen Bischöfe gelungen ist, den Synodalen Weg von Anfang an zu bremsen“.

    Als Georg Bätzing in Mainz zum Nachfolger des Münchner Kardinals Reinhard Marx an die Spitze der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden war, galt das als Zeichen der Kontinuität. Er solle, so die Erwartung, den eingeschlagenen Reformkurs fortsetzen, wenngleich in einer mehr vermittelnden Art. Sein Nachfolger steht vor einer ähnlichen, allerdings deutlich schwieriger gewordenen Aufgabe. Der Streit zwischen Reformern und Bewahrern über den Kurs der Kirche in die Zukunft hat Gräben vertieft, auch und gerade in der Bischofskonferenz. Gefragt sein dürfte demnach ein Vermittler und moderater Reformer. Im Grunde einer wie Papst Leo XIV.

    Von Bentz bis Jung: Diese Kandidaten werden häufig genannt

    Im Unterschied zur Vorsitzendenwahl vor sechs Jahren dürfte dieses Mal zudem ein guter Draht in den Vatikan und zum Kirchenoberhaupt eine gewichtige Rolle spielen. Kurz nach seiner Wahl hatte Bätzing auf die Frage geantwortet, wie er zwischen den deutschen Bischöfen und Rom vermitteln wolle: Er spreche kein Italienisch und habe keine Erfahrung mit der Kurie. Es sollte sich als großer Nachteil erweisen. Wer nun in dieses Profil passt?

    Der Erzbischof von Paderborn, Udo Markus Bentz, wird in jüngster Zeit häufig als möglicher Bätzing-Nachfolger genannt. Seine Wahlchancen: wohl nicht schlecht.
    Der Erzbischof von Paderborn, Udo Markus Bentz, wird in jüngster Zeit häufig als möglicher Bätzing-Nachfolger genannt. Seine Wahlchancen: wohl nicht schlecht. Foto: Thomas Banneyer, dpa

    Der Kreis möglicher Kandidaten ist übersichtlich, ein klarer Favorit auf die Bätzing-Nachfolge ist dennoch nicht zu erkennen. Auffallend oft in jüngerer Zeit ist der Name des Paderborner Erzbischofs Udo Markus Bentz in Kirchenkreisen zu hören gewesen. Dessen Wahlspruch: „Ehre sei Gott – Friede den Menschen“. Bei der Vollversammlung im vergangenen Herbst predigte er vor seinen Mitbrüdern, sich „nicht im Krisenmodus zu verrennen“. Angesichts der Krise der Kirche forderte er „echten Mut“ ein, „konkret ab-, um- und neu zu bauen“. Ob Zufall oder nicht: Bentz war zuletzt häufig durch seine Interviews präsent. Er wäre ein moderater Reformer.

    Genannt wurden überdies der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und Franz-Josef Overbeck, der Bischof von Essen und Militärbischof ist. Eine handfeste Überraschung wäre es, fiele die Wahl auf Stefan Oster – sie würde einen scharfen Richtungswechsel bedeuten. Als Kompromisskandidat mit reichlich Rom-Erfahrung wäre der Augsburger Bischof Bertram Meier denkbar. Er sieht sich als Bischof von Beginn seiner Amtszeit an ausdrücklich als Vermittler. Als chancenreich gelten, zumindest in der Öffentlichkeit, insbesondere auch Heiner Wilmer, der Bischof von Hildesheim, und der Gastgeber der Frühjahrsvollversammlung, Würzburgs Bischof Franz Jung. Auch mit ihnen würde die katholische Kirche in Deutschland auf Reformkurs bleiben. Es dürfte gleichwohl einer sein, der moderater ausfiele und seinen Fokus mehr auf Evangelisierung haben würde.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren