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Viel Ukraine, kaum Klimaschutz: Scholz hat sich verschätzt

Kommentar Von Rudi Wais
28.06.2022

Sein Thema, der Klimaschutz, spielte beim Gipfel von Elmau nur eine Nebenrolle. Ist sein Einfluss am Ende gar nicht so groß, wie es scheinen soll?

Olaf Scholz ist ein ausdauernder Läufer – um den Spagat auszuhalten, in den er sich jetzt begeben hat, müsste der Kanzler aber schon ein Turner mit olympiareifen Fähigkeiten sein. Andere Länder in eine Art Klima-Klub einzuladen, der beim Abschied von den fossilen Energien mit gutem Beispiel vorangeht, gleichzeitig aber den Senegal beim Erschließen eines neuen Gasfeldes zu unterstützen: Größer kann die Kluft zwischen Reden und Handeln kaum sein.

Mit dem Gipfel von Elmau wollte Scholz sich an die Spitze einer neuen, mutigeren Allianz von Klimaschützern setzen. Dafür aber ist Deutschland der denkbar falscheste Anführer – ein Land, das sich wie kaum ein anderes abhängig gemacht hat von russischer Energie, das in seiner Not immer mehr Kohle verfeuert und in der ganzen Welt hektisch Erdgas zusammenkauft. So gerne im politischen Berlin von der neuen Verantwortung die Rede ist, die Deutschland in einer immer unsichereren Welt trage, so schwer tun seine Regierungen sich damit, sobald es konkret wird. Auch in Elmau gab in den zentralen Fragen, allen voran bei der Unterstützung der Ukraine und dem Kampf gegen den Hunger in Ostafrika, nicht der Gastgeber Scholz Takt und Tonlage vor, sondern die amerikanische Delegation.

Der G7-Gipfel 2022 wird vom 26. bis 28. Juni 2022 in Schloss Elmau in den bayerischen Alpen stattfinden. Schloss Elmau befindet sich nahe der Ortschaft Krün im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Saal für die Pressekonferenzen - Briefing-Room
11 Bilder
Der letzte Gipfel-Tag in Elmau in Bildern
Foto: Ralf Lienert

USA liefern der Ukraine Waffen, Ausrüstung und Munition

Früher, entschiedener und entschlossener müsse sich Deutschland in den großen Krisen unserer Zeit einbringen, hat der damalige Bundespräsident Joachim Gauck schon 2014 in einer berühmt gewordenen Rede verlangt. Verändert hat sich seitdem, trotz des allgemeinen Beifalls für diese These, nicht viel. Aus Afghanistan ist die Bundeswehr im Schlepptau der US-Truppen abgezogen, in der Europapolitik ist nicht mehr Angela Merkel, sondern der französische Präsident Emmanuel Macron die treibende Kraft – und ob dem vom deutschen Kanzler so gefeierten Klima-Klub mehr Länder als die der Siebenergruppe beitreten, ist noch längst nicht ausgemacht. Vielen Staaten ist in Zeiten knapper Energie das berühmte Hemd näher als der Rock: Sie verbrennen weiter Erdgas, Erdöl und billige Kohle – oder sie setzen, wie Japan, wieder stärker auf die Atomkraft.

So einig wie es ihr Treffen im Elmauer Alpenidyll suggerieren sollte, sind sich Amerikaner, Franzosen, Briten, Kanadier, Japaner, Italiener und Deutsche jedenfalls nicht immer. Die USA, zum Beispiel, hätten sich von der Gipfelrunde nicht nur ein entschlosseneres Vorgehen gegen russische Öl-Exporte gewünscht. Sie liefern der Ukraine auch im großen Stil Waffen, Ausrüstung und Munition, während die Bundesregierung hier eher zögerlich agiert.

Scholz nimmt aus Elmau nicht viel mit nach Hause

Vor diesem Hintergrund wirkt auch die Forderung von SPD-Chef Lars Klingbeil, Deutschland müsse seine internationale Zurückhaltung aufgeben und auch militärisch stark werden, seltsam schal. Weder ist die Bundeswehr in ihrem gegenwärtigen Zustand zu weiteren Auslandseinsätzen oder der Übernahme zusätzlicher Aufgaben in der Nato in der Lage noch hat die Bundesregierung bisher eine Antwort auf die Frage gefunden, wie weit sie bei der militärischen Unterstützung der Ukraine und den Sanktionen gegen Russland noch zu gehen bereit ist.

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Kein Kanzler wird als Außenpolitiker geboren – eine Außenpolitik im Gauck’schen Sinne aber ist von Scholz nicht zu erwarten. Dass er zum Abschluss der drei Gipfeltage noch eigens betonen musste, er habe hier mehr getan als nur die Sitzungen zu leiten, spricht Bände. Außer seinem Klima-Klub nimmt der Kanzler aus Elmau nicht viel mit nach Hause.

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29.06.2022

>> Und Sonne scheint jeden Tag, Peter P., auch bei Wolken bringt eine Photovoltaik-Anlage ihre Leistung,... <<

https://gruenes.haus/funktioniert-solar-auch-im-schatten/

>> An bewölkten Tagen ohne Sonne produziert Photovoltaik immer noch etwa 10 bis 25% ihrer normalen Leistung. <<

Der Trick bei der Argumentation ist nun unten ein Link auf eine nicht quantifizierte Stellungnahme zu diesem Thema:

https://www.pv-magazine.de/unternehmensmeldungen/photovoltaik-zu-teuer-und-nur-bei-gutem-wetter-die-haeufigsten-mythen-ueber-pv-anlagen/

>> 3) Ineffiziente Stromerzeugung bei bewölktem Himmel
In der Tat kann die PV-Anlage bei Bewölkung keine maximale Leistung erreichen. Jedoch wird auch an bewölkten Tagen ein Teil des Sonnenlichts, als diffuse Strahlung, durch die Wolken auf die PV-Module gestreut. Auf das Jahr gerechnet sind die Auswirkungen auf die produzierte Strommenge in der Regel deutlich geringer als vermutet. Wer mit dem Gedanken spielt, selbst Strom zu erzeugen, profitiert von der Wirtschaftlichkeitsberechnung und Investitionsanalyse von shine. Der Rechner nutzt zudem die Durchschnittwetterdaten des vergangenen fünf Jahre, darin sind natürlich auch die bewölkten, verregneten oder verschneiten Tage enthalten. Anhand weiterer Nutzerangaben wie beispielsweise Postleitzahl, Haushaltsgröße, Stromkonsum oder Dachfläche kann kostenlos berechnet werden, wie hoch das Investment in eine Anlage wäre und welche Kostenersparnis und Rendite durch eine Solaranlage erreicht wird. <<

Extrem viel blabla aber keine klare Aussage!

Und man blendet mit "Auf das Jahr gerechnet" das Thema der Versorgungssicherheit aus.

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29.06.2022

Wer Merkel zugejubelt hat, muss sich vor Herrn Scholz verbeugen, dass er diese Desaster übernommen hat.

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29.06.2022

Berichte in der heutigen AZ: von Herrn Wais und Herrn Lange,
Als Leser der AZ bitte ich um ausgewogene Berichterstattung und Unterlassung von Verunglimpfungen Deutschlands und seinem Bundeskanzler. Merken die beiden Herren nicht, das sie mit ihren falschen Aussagen das "deutsche Nest" beschmutzen!

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29.06.2022

"Seltsam" sind lediglich die Kommentare von Rudi Wais, der wieder einmal die Fakten auf den Kopf stellt.

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29.06.2022

"Die USA . . . liefern der Ukraine auch im großen Stil Waffen, Ausrüstung und Munition, während die Bundesregierung hier eher zögerlich agiert"

Treffender als F. Küppersbusch kann man es nicht sagen: "Die Amerikaner bekämpfen die Russen bis zum letzten Ukrainer.“

Der Relaunch beim Layout tat der AZ ganz gut. Warum so einen nicht auch mal bei der journalistischen Qualität versuchen?

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29.06.2022

dieser kommentar stammt vielleicht direkt aus büro söder oder dobrinth , siehe "maut für alle" und der scheuerte hat noch senf dazu gegeben.....

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28.06.2022

Schade, dass es den Bayernkurier nicht mehr gibt. Da wäre Herr Wais so richtig gefragt.

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28.06.2022

„ ein Land, das sich wie kaum ein anderes anhängig gemacht hat von russischer Energie, das in seiner Not immer mehr Kohle verfeuert und in der ganzen Welt hektisch Erdgas zusammenkauft.“
Toll! Man kann die Wurstigkeit, Fehlgeleitetheit unseres Land kaum kürzer zusammenfassen.
Das „reiche Land“ das mit „Guten Beispiel“ voranzugehen hat, landet brutal auf dem Bauch. Keiner in der Welt macht Energiepolitisch das, was Deutschland macht, aber noch immer glauben Habeck und Scholz, dass die Welt am deutschen Wesen genesen soll.
In unserem Land erwirtschaften nur noch 1/3 der Menschen, was 2/3 verkonsumieren. Der Staat verbrennt Geld, als gebe es kein Morgen - erklärt aber, die Welt der nachwachsenden Generation zu retten. Die in der öffentlichen Meinung präsentierte Jugend schreit, hüpft, stampft und klebt, aber in der Pflege oder auf dem Bau will keiner arbeiten. Lieber was mit Medien/Menschen, Hauptsache die Anderen oder wahlweise diese bösen Konzerne, die irgendwie 50% der produktiven Arbeitsplätze organisieren, bezahlen. Besser gleich H4 - kriegt man eh mehr als fürs Arbeiten, und das völlig frei von Restriktionen.

Und der Olaf Scholz erklärt in einem unglaublichen verbalen Geschwurbel, dass der Westen zusammensteht. Die Geschichte wird wohl diesen G7-Gipfel als Anfang vom Ende „des Westens“ erkennen. Dieser von den G7 geführte „Westen“ kann nichts mehr, als heiße Luft und schlechte Witze. Dafür wird dann in Deutschland im nächsten Winter, nach der Abschaltung der letzten AKW mit nicht ersetzbaren 15% der deutschen Stromerzeugung, elektrische Energie und Wärme zugeteilt oder so teuer, dass sehr viele die Butter fürs Brot nicht mehr bezahlen können.
Tolle neue Welt - aber 14-jährige unreife Pubertierende dürfen ihr Geschlecht selbst „bestimmen“, was dann die Krankenkasse zu zahlen hat und Wahlen werden geschätzt. Mal sehen, wie lange Deutschland noch der größte Magnet für zukünftig in Freibädern das Leben täglich neu Aushandelnde dieser Welt sein wird.

Und natürlich nicht zu vergessen - als einziges G7-Land bereitet sich Deutschland auf eine neue Corona-Saison mit Lockdown und allen PiPaPo vor.

Es kann nur noch so werden, wie Olaf Scholz unser Land präsentiert hat

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28.06.2022

"Dafür wird dann in Deutschland im nächsten Winter, nach der Abschaltung der letzten AKW mit nicht ersetzbaren 15% der deutschen Stromerzeugung, ..."

6,3 % (https://www.check24.de/strom/strommix-deutschland/)

Gehen Sie mit Ihren getürkten Zahlen doch bitte woanders hausieren.

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28.06.2022

Wieder mal der Trick mit dem Durchschnitt...

Nachts am Wochenende sieht man auch mal nur 36 Gigawatt Last, wo dann die aktuell noch verfügbaren 4 Gigawatt Kernkraft eben über 10% der Last abdecken.

https://energy-charts.info/charts/power/chart.htm?l=de&c=DE&source=public&stacking=stacked_absolute_area&week=17

Kluge Leute fragen daher - was leistet die Kernkraft bei Dunkelheit und was kann diese Leistung nach Abschaltung zu identischen Preisen ersetzen? Der Wind kann das nicht - er ist einfach viel zu unzuverlässig - heute tagsüber wieder ein Desaster mit viel verstromtem Russengas:

https://energy-charts.info/charts/power/chart.htm?l=de&c=DE&source=public&stacking=stacked_absolute_area&week=26

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28.06.2022

Sehr geehrter Herr Robert M.

Laut BUND 11%
https://www.bund.net/themen/atomkraft/akw-in-deutschland/

12,6% laut Statistischem Bundesamt
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/03/PD22_116_43312.html

12-14% laut Tagesschau
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/atomausstieg-133.html

Am Ende haben Scholz und Habeck keinen Ersatz.
Der Strom wird zugeteilt, damit grüne Träume in Erfüllung gehen


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28.06.2022

Selten so ein Geschwurbel aus Fantasiezahlen gelesen. Und dann schauen Sie bitte mal nach Dänemark oder nach Griechenland. Diese Länder haben es schon vor Jahren begriffen, dass die Abhängigkeit von einem Energielieferanten schädlich ist. Und deshalb haben die heute auch wesentlich weniger Probleme mit der Energie. Welche Partei stellte denn bis 2021 den Wirtschaftsminister in Deutschland, welche Partei die Bundeskanzlerin? Scholz soll anscheinend die jahrzehntelang gemachten Fehler in ein paar Wochen ausbügeln?

Ich zitiere hier mal einen Beitrag von Frau Kamm in Facebook: Mein früherer Kollege Martin Stümpfig recherchierte: Fast 11.000 eigene Gebäude hat der Freistaat, doch nur 403 (!) davon haben eine Photovoltaik-Anlage. Das sind gerade mal 3,7%. Nur 2% des eigenen Stromverbrauchs lassen sich damit decken. Bei Photovoltaik-Überdachungen von Parkplätzen sieht es noch schlechter aus: Da sind es nämlich NULL Anlagen! Und selbst von den seit dem Jahr 2000 neu errichteten 1.600 Gebäuden verfügen nur 15% über eine Photovoltaik-Anlage. Das Sonnenland Bayern lebt von Privatem Engagement!

Hier wäre für Herrn Söder eine prima Möglichkeit, sich als Retter der Energiekrise zu profilieren. Aber da warten wir vergeblich drauf. Und Sonne scheint jeden Tag, Peter P., auch bei Wolken bringt eine Photovoltaik-Anlage ihre Leistung, ich empfehle Ihnen diesen Artikel zu Ihrer Information:

https://www.pv-magazine.de/unternehmensmeldungen/photovoltaik-zu-teuer-und-nur-bei-gutem-wetter-die-haeufigsten-mythen-ueber-pv-anlagen/

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28.06.2022

"Kluge Leute fragen daher - was leistet die Kernkraft bei Dunkelheit und was kann diese Leistung nach Abschaltung zu identischen Preisen ersetzen?"

Kluge Leute fragen was Atomkraftwerke in Frankreich leisten. Frankreich hat sich energiepolitisch mit der Atomkraft in eine verheerende Sackgasse manövriert, denn dort ist die Hälfte der Atomkraftwerke außer Betrieb. Der Anteil des Atomstroms ist ungeplant auf Tiefpunkt.
Erneuerbare Energien sind gefragt lieber Peter P.

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29.06.2022

@ThomasT
Genau so sehe ich das auch. Es wird immer noch so getan, als wäre in D alles Friede, Freude, Eierkuchen und wir sind ja reich und können die ganze Welt retten. Dabei fehlt's mittlerweile an allen Ecken. Aber für die eigene, arbeitende Bevölkerung wird nichts getan. Alles wird teuerer, aktuell sind wieder die KK-Beiträge im Gespräch. Dass die Beitragszahler aber viele Menschen mitfinanzieren, die nicht einzahlen, die zum Teil noch nicht mal in D leben - macht nix. Wird schon gehen.
Manchmal mag ich's gar nicht mehr sehen und hören. Ich frage mich, ob's denn wirklich keine Volksvertreter mehr gibt, die sehen, wie's nach unten geht - und dann vielleicht sogar noch etwas dagegen unternehmen...

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29.06.2022

Stefan Aust drückte es kürzlich sehr passend so aus, dass die gesamte grüne Energiewende auf einer russischen Gaswolke schwebte ;-)

28.10.2021
https://www.pv-magazine.de/2021/10/28/scholz-und-baerbock-halten-an-gas-als-brueckentechnologie-fest/

>> Der SPD-Kanzlerkandidat versprach beim Kongress der Chemiegewerkschaft IG BCE eine Beschleunigung der Energiewende, hält aber den Bau neuer Gaskraftwerke für die Stromerzeugung weiterhin für notwendig. Dieser Position schloss sich die Grünen-Politikerin an. <<

Wenn unsere linksgrünen Aktivisten ihre märchenhafte Energiepolitik fortsetzen, kann ich mein E-Auto auch Nachts laden.

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29.06.2022

@Thomas T.

Was wollen Sie mit Ihren antiken Zahlen, bitte? Ende 2021 wurden weitere drei KKW abgeschaltet und daher sind es aktuell nur noch 6,3 %.

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28.06.2022

Wieder mal Bashing von Scholz, nichts neues bei Herrn Wais. Der gute Mann vergisst immer wieder gerne, dass Scholz für die Versäumnisse der CDU/CSU geführten Ministerien in der Ära Merkel nicht verantwortlich ist. Er kann im Moment nur den Status quo verwalten. Hinzu kommt bei diesem Gipfel, dass keiner der sieben Regierungschefs alleine entscheiden kann, alle müssen ihre jeweiligen Parlamente mit einbeziehen. Mehr als allgemeine Absichtserklärungen darf man von solchen Veranstaltungen nicht erwarten, aber es ist immer besser, miteinander zu reden als einsame Entscheidungen zu treffen, die von anderen Ländern nicht mitgetragen werden (können). Denn wir Deutschen sind nicht allein auf der Welt und wir sind in vielerlei Hinsicht abhängig von anderen Staaten-

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29.06.2022

Also ich kann mich daran erinnern, dass Scholz als Vizekanzler und Finanzminister mit in der letzten Regierung gesessen hat. Vielleicht ist ihnen ja das entgangen?

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