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Wir müssen über Schwangerschaftsabbrüche reden

Kommentar Von Maria-Mercedes Hering
04.03.2022

Wer in Deutschland eine Schwangerschaft abbrechen will, muss hohe Hürden überwinden. Das muss sich dringend ändern.

Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland strafbar. Bis heute. Nur unter bestimmten Voraussetzungen bleiben sie straffrei – und auch das ist erst seit den 1970ern Jahren so. Spätestens mit der Bewegung um den Stern-Titel „Wir haben abgetrieben“ hat der Gesetzgeber erkannt, dass Abbrüche in jedem Fall stattfinden, auch wenn sie verboten sind. Nur dass sie dann ein viel größeres Risiko bergen – ein rechtliches für Ärztinnen und Ärzte, ein gesundheitliches für Betroffene. So sind Schwangerschaftsabbrüche heute in Deutschland in drei Fällen straffrei: Wenn die Schwangerschaft aus einer Vergewaltigung resultiert oder wenn sie eine gesundheitliche Gefahr für die Schwangere darstellt. Und dann ist da noch die sogenannte Beratungsindikation – die umstrittenste der drei: Wer eine Schwangerschaftskonfliktberatung macht, kann innerhalb eines gewissen Zeitraums die Schwangerschaft abbrechen.

Ungewollt Schwangere müssen für einen Abbruch hohe Hürden überwinden

Das sind heute die Voraussetzungen für einen straffreien Abbruch. Wer sich an diese Regeln hält, sollte ohne Strafe abtreiben dürfen. Denn es wären ja alle Hürden überwunden, die das Gesetz vorschreibt. Doch warum wirkt es dann wie eine Bestrafung von ungewollt Schwangeren, was so viele auf ihrem Weg zum Abbruch erleben? Demütigungen und Beleidigungen, eine schlechte Informationslage, eine einseitige, parteiische Beratung, eine unzureichende Aufklärung und medizinische Versorgung? Von vielen solchen Erfahrungen berichten über 1300 Betroffene bei einem gemeinsamen Projekt des Recherchenetzwerks Correctiv, der Organisation FragdenStaat und unserer Redaktion. Ihre Erzählungen zeichnen das Bild eines gravierenden Problems in der Versorgung.

Die Berichte der Betroffenen zeigen auch: Schwangerschaftsabbrüche sind noch immer ein Tabuthema – in der Familie, unter Freundinnen und Freunden, im Beruf und auch im medizinischen Bereich. Diese Situation kann Betroffene stark belasten und nachhaltig schädigen. Zum Beispiel wenn sie sich aus Angst vor Stigmatisierung nicht mehr zur Vorsorge trauen. Oder wenn sie unzureichend behandelt und Folgen einer schlechten Versorgung nicht erkannt werden.

All das muss sich dringend ändern. Wir müssen über Schwangerschaftsabbrüche reden. Die Ampel-Regierung muss schnellstmöglich das sogenannte Werbeverbot für Abbrüche abschaffen, damit Ärztinnen und Ärzte umfassend und leicht zugänglich informieren können. Und damit es keinen Grund mehr für Kliniken und Praxen gibt, nicht öffentlich auf ihre Angebote – im Sinne einer dringend notwendigen medizinischen Versorgung – aufmerksam zu machen. Wir brauchen Websites und Hotlines, die unkompliziert Auskunft geben, an wen sich Betroffene wenden können. Und wir müssen das Thema endgültig öffentlich diskutieren.

Der Staat muss die Versorgungslage bei Schwangerschaftsabbrüchen verbessern

Der Staat, der die Versorgungslage sicherstellen muss, muss sich dem Problem stellen – mit konkreten Plänen dafür, bessere und mehr Information, Aufklärung und Angebote bereitzustellen. Alle Ärztinnen und Ärzte müssen sich in ihrer Ausbildung mit Schwangerschaftsabbrüchen auseinandersetzen, und zwar im Grundstudium und mit allen medizinischen, aber auch rechtlichen, sozialen und ethischen Gesichtspunkten. Wer im Gesundheitsbereich arbeitet, sollte in seiner Ausbildung eine reflektierte Position zu Schwangerschaftsabbrüchen entwickeln können. Und wer Schwangere in schwierigen Situationen berät, sollte das nicht einseitig tun, sondern über alle Möglichkeiten Wissen haben und teilen.

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Das alles ist notwendig – schon lange. Zu viele ungewollt Schwangere haben diese Hürden schon überwinden müssen. Wir müssen uns im Klaren sein: Abbrüche werden immer stattfinden. Es gibt Voraussetzungen dafür. Wer die aber erfüllt, darf nicht noch weitere Hindernisse erleben, sondern sollte genauso gesundheitlich versorgt werden wie jede andere Person auch.

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Die Diskussion ist geschlossen.

08.03.2022

@VON ATHANASSIOS L.
Welches Recht.....Überhaupt keines / Aber noch einmal

Keine einzige Frau wird zu einem fremden Mann sagen, komm her, ich möchte ein Kind von dir haben ; ich bringe das schon wieder los!
(edit/mod/NUB 7.3) Wenn nun ein Mann so schrecklich wenig denkt, aber sich technisch in eine Frau hineinversetzen kann/will, kauft er dazu der Frau Verhütungsmittel ; wenn diese nichts bringen, dann kommt die Kriegserklärung gegen das Leben mit der Waffe der Abtreibung. Somit ist es an der Zeit, dass der potente Mann sich überlegt, welches Recht menschenfreundlicher ist?

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06.03.2022

Nun die einen nehmen die Hürdenstrecke, die andern fahren nach Holland und machen einen Kurzurlaub! Ich finde jeder Gtau soll es nach kurzer Beratung selbst Überlassen werden wie sie Ihr Leben gestaltet. Diese Moralapostel die sich hier immer wieder einmischen ging es meist noch nie schlecht, oder sie waren noch nie vor solchen Lebensentscheidenden Einschnitten dieser Frauen gestanden.

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05.03.2022

Was solls, mit der Verwahrlosung der Gesellschaft gehen Sitte, Ethik, Verantwortung und Respekt den Bach runter und es darf eh jeder egoistisch entscheiden was er für richtig empfindet.
Wir laufen nur Gefahr, dass nach solche einer Entwicklung das andere Extrem seinen hässlichen Kopf zeigen wird.

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05.03.2022

Ich würde Abtreibungen in Deutschland komplett legalisieren.

Welches Recht steht mir zum Beispiel als Mann zu, über eine Frau zu urteilen, die ihr Kind nicht behalten möchte?

Überhaupt keines !

Es ist der Körper der Frau und nur sie hat das Recht, darüber entscheiden zu dürfen, ob sie das Kind behält oder nicht.

Schließlich muss sie auch mit den Konsequenzen ihrer Entscheidung leben und nicht ich.

Und ist dem Kind wirklich geholfen, wenn es zwar nicht abgetrieben wurde, aber von der Mutter auch nicht geliebt und deshalb vernachlässigt wird?

In diesem Sinne

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05.03.2022

Die Straffreiheit ist heute schon gegeben. Bei einer Beratung und einem Abbruch bis zur 12. Woche. Beides möchte ich nicht missen. Bei einer vollständigen Straffreiheit wären Abbrüche bis zur Geburt denkbar. Das kann doch niemand ernsthaft wollen. Das ungeborene Kind hat einen Anspruch auf Leben. Infos über Schwangerschaftsabbruch sollte nicht kommerziellen Interessen sondern ausschließlich der Beratung dienen.

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07.03.2022

Ehrlich gesagt spielt es für mich keine Rolle, ob das Kind in der 12. Woche oder kurz vor der Geburt abgetrieben wird. In beiden Fällen hat es schon gelebt.

Aber noch einmal:

Mir als Mann steht es gleich 10 Mal nicht zu, den Moralapostel zu spielen, weil ich mich nie in eine Frau hineinversetzen kann. Die gute Frau wird schon ihre Gedanken dazu gemacht haben. Solch eine Entscheidung fällt man nicht zwischen Tür und Angel.

Aber die ganzen Moralapostel, die gegen die Abtreibung sind, warum lese ich nichts gegen Verhütungsmittel wie die Pille, Spirale oder Kondome?
In diesen Fällen wird ebenfalls Leben verhindert.
Ich mache keinen Unterschied zwischen Verhütungsmittel und einer Abtreibung.
Es ist immer noch Sache der Frau ob mit einem Kind ihr persönliches Leben zu Ende gehen soll oder nicht.

In diesem Sinne

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08.03.2022

Zitat: " ....oder kurz vor der Geburt abgetrieben wird. " Welch ekelhafte, perverse, egoistische Einstellung
Scheinbar haben Sie nie ein Ultraschall-Bild gesehen wie sich das Kind bewegt im Mutterleib. Es gibt auch eine Möglichkeit das Kind zur Adaption freizugeben.
Zitat: " Ich mache keinen Unterschied zwischen Verhütungsmittel und einer Abtreibung."
Das zeugt von Ihrer scheinbar nicht vorhandenen Intelligenz sonst würden Sie keinen solchen Stuß absondern und die elementaren Unterschiede kennen.

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