Bin ich eigentlich der Lieblingsmensch meines Hundes? Manche Hundehalter gehen davon aus, als Besitzer automatisch der Favorit des Vierbeiners zu sein – bis der Hund plötzlich mit Begeisterung eine Freundin oder den Postboten begrüßt und Herrchen oder Frauchen auf einmal links liegen lässt. Aber haben Hunde wirklich Lieblingsmenschen, sind das immer ihre Halter und welche Faktoren begünstigen eine starke Beziehung?
Haben Hunde Lieblingsmenschen?
Einige wissenschaftliche Arbeiten beschäftigen sich mit der Bindung zwischen Hund und Mensch – zum Beispiel wie Hunde emotionale Bindungen aufbauen oder wie Nähe und Trennungsstress funktionieren. Diese Studien bestätigen, dass Hunde stabile Beziehungen zu Menschen entwickeln können. Auch Belohnungssysteme im Gehirn werden demnach aktiviert, etwa durch Ausschüttung von Oxytocin, wenn sie Zeit mit vertrauten Menschen verbringen.
Neuere Forschungen von 2025 zeigen, dass die Hund-Mensch-Beziehung in emotionaler Tiefe sogar mit familiären Bindungen vergleichbar ist – das zeigt sich etwa in hoher Zufriedenheit, Unterstützung und Nähe, ähnlich wie bei engen zwischenmenschlichen Beziehungen. In manchen Familien werden Hunde sogar zu einer Art Kinderersatz. Hunde gelten dabei als vollwertiges Familienmitglied. Aber binden sich Hunde ausschließlich an ihre Besitzer?
Eine Studie der Society for the Experimental Analysis of Behavior (SEAB) von 2017 fand heraus, dass Hunde zwar in unbekannten Situationen eher ihre Besitzer bevorzugen, in vertrauten Umgebungen aber schnell eine stärkere Bindung zu Fremden aufbauen können. Das deutet darauf hin, dass Hunde nicht nur langfristige Bindungen, sondern auch schnell Vorlieben für einzelne Menschen aufbauen können. Es ist jedoch nicht wissenschaftlich belegt, dass Hunde nur einen Lieblingsmenschen haben können.
Warum bevorzugen Hunde bestimmte Menschen?
Futter, Zuwendung, Spielen und Sicherheit können die Beziehung zwischen Hunden und Menschen stärken. Eine Feldstudie mit Straßenhunden zeigte 2025, dass wiederholte positive Interaktionen, etwa Streicheln oder Füttern, dazu führen, dass Hunde Menschen wiedererkennen und ihnen vertrauen – ein Hinweis darauf, wie Bindungen entstehen.
Auch die Tierschützerin Carol Erickson erklärte in einem Interview mit CBS Philadelphia, dass Hunde vor allem auf konstante Zuwendung, Spiel und körperliche Nähe reagieren. Wer regelmäßig für positive Erlebnisse sorgt, hat die besten Chancen, bei einem Hund hoch im Kurs zu stehen.
Laut dem Hundeportal The Dog People sind die ersten sechs Lebensmonate eines Hundes besonders entscheidend für die Bindungsentwicklung. In dieser Zeit entsteht die engste Verbindung. Doch auch erwachsene Hunde können noch enge Beziehungen zu neuen Menschen aufbauen.
Fixieren sich bestimmte Hunderassen auf eine Person?
In populärwissenschaftlichen Artikeln werden gerne Rassen aufgezählt, die sich besonders eng an eine einzelne Bezugsperson binden, darunter vor allem Hüte-, Jagd- und Wachhunde, die für eine bestimmte Aufgabe gezüchtet wurden, etwa Greyhounds, Border Collies, Dackel oder Schäferhunde.
Direkte wissenschaftliche Belege, dass bestimmte Hunderassen grundsätzlich stärker an eine einzelne Person gebunden sind als andere, gibt es in der Fachliteratur allerdings bisher nicht. Zudem zeigte eine in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studie von 2022, dass Individuum und Sozialisation oft wichtiger sind als Rasse allein: Verhalten wird maßgeblich von Erfahrungen, Erziehung und Umfeld beeinflusst, nicht nur von der genetischen Abstammung.
Wie kann man die Mensch-Hund-Bindung stärken?
Eine starke Bindung zwischen Mensch und Hund entsteht nicht von selbst, sondern muss kontinuierlich gefördert werden. Besonders wichtig sind positive gemeinsame Erfahrungen, Kommunikation und die Vermittlung von Sicherheit. Das Ein Herz für Tiere Magazin empfiehlt verschiedene Maßnahmen, um die Bindung zum Hund zu stärken.
- Gemeinsames Spielen: Spiele wie Apportieren, Zerrspiele oder Toben ohne Spielzeug fördern intensive gemeinsame Zeit und positive Erlebnisse, die die Beziehung festigen. Je abwechslungsreicher und an den Vorlieben des Hundes orientiert, desto stärker der Effekt.
- Klare Regeln und Struktur: Vorhersehbarkeit vermittelt Sicherheit. Feste Fütterungs-, Spazier- und Spielzeiten sowie konsistente Kommandos in Tonfall und Körpersprache schaffen Orientierung und Vertrauen.
- Respektvoller Umgang: Bedürfnisse des Hundes anerkennen, Ruhezeiten respektieren und die besonderen Eigenschaften der jeweiligen Rasse berücksichtigen. Ein liebevoller, einfühlsamer Umgang ist die Grundlage für Vertrauen.
- Hundesprache verstehen: Auf Körpersprache und Verhalten des Hundes achten, um Missverständnisse zu vermeiden. Gemeinsame Aktivitäten helfen, die Kommunikation zu verbessern und ein tieferes Verständnis für die Signale des Hundes zu entwickeln.
- Gemeinsame Erfolgserlebnisse: Positive gemeinsame Erfahrungen wie ausgedehnte Spaziergänge, Wanderungen oder Trainingseinheiten stärken die emotionale Bindung.
- Schutz und Sicherheit vermitteln: Vertrauen wächst, wenn der Hund spürt, dass er in stressigen Situationen beschützt wird. Dies kann beispielsweise bei Begegnungen mit fremden Hunden, Menschen oder lauten Umgebungen erfolgen. Das Gefühl von Sicherheit fördert eine enge emotionale Bindung.
Fazit: Wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass Hunde eine Vorliebe für bestimmte Menschen entwickeln können. Diese Bindungen basieren vor allem auf gemeinsamen positiven Erfahrungen und sozialer Interaktion. Auch wenn es nicht immer der Halter selbst ist, der zum Lieblingsmenschen wird, kann jeder, der regelmäßig für den Hund da ist, eine starke Bindung aufbauen.
Übrigens: Auch bei der Frage, ob Hunde ADHS haben können, ist sich die Wissenschaft nicht ganz einig, beziehungsweise steckt die Forschung noch in den Anfängen. Hunde können aber auffällige Verhaltensweisen wie Hyperaktivität und fehlende Impulskontrolle zeigen.
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