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Prozess in Augsburg

13.08.2019

Angeklagter im Prozess um toten Leiharbeiter sagt aus

Ruhig und idyllisch liegen diese Pension und das Restaurant in der Schwabmünchner Wertachau-Siedlung. Hier wurde ein Gast tot aufgefunden.
Bild: Michael Lindner (Archiv)

Plus Während eines Trinkgelages kommt es zum Streit. Ein Este wird am Morgen tot in einer Pension in Schwabmünchen gefunden. Ein Litauer steht nun vor Gericht.

Es sollte ein schöner Freitagabend für den 40-jährigen Mann aus Litauen werden. Es war sein letzter Arbeitstag in Deutschland, wo er als Zusteller für ein großes Logistikunternehmen auf dem Lechfeld arbeitete. Am Samstag wollten er und sein Kollege wieder zurück in die Heimat fahren. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen ging es für den 1,86 Meter großen und rund 110 Kilogramm kräftigen Mann zur Polizei. Seit mehr als einem Jahr sitzt er in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Er soll einen 46 Jahre alten Esten in einer kleinen Pension in der Wertachau-Siedlung in Schwabmünchen totgeprügelt haben.

Am Dienstag begann die Verhandlung vor der 8. Strafkammer des Landgerichts Augsburgs. Laut Anklage soll der 40-jährige Leiharbeiter im ersten Stock der Pension mit dem Opfer und dessen Kollegen, einem 58 Jahre alten Mann aus Estland, auf deren Zimmer einige Flaschen Alkohol getrunken haben. Irgendwann sollen die Männer in Streit geraten sein. Im Flur kam es dann gegen 4 Uhr nachts zu der folgenschweren Auseinandersetzung: Der Angeklagte soll auf den 46-Jährigen mehrfach mit Händen beziehungsweise Fäusten eingeschlagen haben. Doch nicht nur das, er soll ihn auch gewürgt und mit den Füßen getreten haben.

Der angegriffene Leiharbeiter überlebte die Attacke in Schwabmünchen nicht

Der estnische Leiharbeiter überlebte die Attacke nicht. Blutüberströmt und mit schwersten Gesichtsverletzungen, darunter ein Nasenbein- und ein Kehlkopfbruch, lag der 46-Jährige im Flur, wo er laut Anklage durch die ausgeprägte Bluteinatmung starb. Der Angeklagte selbst weckte am nächsten Morgen einen Landsmann, mit dem er sich das Zimmer teilte, der eine Angestellte der Pension benachrichtigte und die Polizei riefen ließ.

Zu Beginn der Verhandlung verlas Rechtsanwältin Alexandra Gutmeyr nun eine Erklärung für ihren Mandanten. Der 40-Jährige erinnere sich, dass er den Esten einmal geschlagen habe, an mehr könne er sich wegen des immensen Alkohols, den er mit seinem Zimmerkollegen und zwei weiteren Arbeitskollegen aus Litauen getrunken habe, nicht erinnern. Der Angeklagte selbst sagte vor Gericht aus, dass er nach Feierabend mit seinen Kollegen im Zimmer und danach in der Hotelbar viel Schnaps und Bier getrunken hätten. Gegen 23 Uhr wollte der Angeklagte auf sein Zimmer gehen, traf auf dem Flur auf die beiden ihm bis dahin unbekannten Esten und ging zu ihnen ins Zimmer.

Der Angeklagte sagte vor dem Augsburger Landgericht aus, dass er betrunken gewesen sei

Dort wurde geredet und weiter getrunken. Nach dem Vorfall im Flur – an den er sich kaum erinnere – habe er sich ins Bett gelegt. Am nächsten Morgen will er den Toten auf dem Flur bemerkt und seine Kollegen geweckt haben. Diese Männer und eine Frau erzählten bei den polizeilichen Vernehmungen, dass der Angeklagte zu ihnen sagte, sie würden sich für zehn oder 15 Jahre nicht mehr sehen. Ihr Kollege, der mehrere Jahre lang geboxt habe, sagte damals, dass er den Esten wahrscheinlich umgebracht habe. Vor Gericht wollte sich aber nur noch einer der vier Arbeitskollegen an dieses Gespräch erinnern.

Übereinstimmend berichteten sie, dass sie in der Nacht geschlafen und keine Geräusche in der Pension gehört haben, obwohl ihre Zimmer zum Teil unmittelbar neben dem Tatort lagen. Diese Behauptungen sorgten bei den Richtern für Verwunderung, da drei jüngere Gäste, die im zweiten Stock wohnten, bis etwa vier Uhr nachts immer wieder laute Stimmen, zerbrechendes Glas und dumpfe Schläge gehört hatten.

58-jähriger Zimmergenosse wird von der Polizei in der Pension geweckt

Der 58-jährige Zimmergenosse des getöteten Esten behauptete, dass das Dreier-Gespräch immer hitziger wurde, als es um politische Themen ging. Als er dem angeklagten Litauer riet, das Zimmer zu verlassen, habe dieser unvermittelt mehrmals auf ihn eingeschlagen. Das spätere 46-jährige Opfer habe den Angeklagten dann gegen 1 Uhr nachts aus dem Zimmer geworfen. Was danach geschah, wisse der 58-Jährige nicht mehr. Er sei sofort eingeschlafen. Am nächsten Morgen habe ihn die Polizei geweckt und vom Tod seines Zimmergenossen erzählt.

Der Prozess gegen den Litauer wird am Mittwoch fortgesetzt. Ihm droht eine Gefängnisstrafe zwischen fünf und 15 Jahren.

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