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Landkreis Augsburg

11.09.2019

Dealer kassiert  300 Euro für einen Beutel Erde

Am Augsburger Amtsgericht wurde ein 18-Jähriger verurteilt, weil er Erde statt Haschisch verkauft hat.
Bild: Jakob Stadler

Plus Das Augsburger Jugendgericht hat einen 18-Jährigen verurteilt, weil er einen Kunden betrogen hat. Der Verkauf von Dreck zählt in diesem Fall als Drogendelikt.

Hausdurchsuchungen bei Drogenverdachtsfällen sind für die Polizei oft ein Startpunkt für zahlreiche Ermittlungsverfahren. Bei einem Verdächtigen wird etwas gefunden, der wiederum gibt Namen von Verkäufern oder Kunden preis. Die Beamten dürften allerdings nicht schlecht gestaunt haben, als sie bei einem heute 20-jährigen Studenten ein drogentypisch verpacktes Bündel fanden, dessen Inhalt sich als 30 Gramm Erde herausstellte. Gestern stand in Augsburg der 18-Jährige vor Gericht, der dem Studenten den Dreck zum Preis von 300 Euro angedreht hatte.

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Der junge Mann aus dem südlichen Landkreis Augsburg stritt gegenüber Jugendrichterin Friehoff allerdings ab, dass er dem Zeugen je etwas verkauft habe. Er kenne den jungen Mann zwar flüchtig, man habe sich auch schon unterhalten und prinzipiell gut verstanden. Mehr sei aber nicht passiert. „Ich weiß nicht, warum ich hier sitze“, sagte der Angeklagte. Weder mit dem Verkauf der Erde noch mit den mitangeklagten zwei Gramm Haschisch habe er etwas zu tun. Er räumte lediglich ein, gelegentlich Haschisch zu konsumieren.

Käufer bemerkt erst zuhause, dass er statt Haschisch Erde bekommen hat

Der 20-jährige Zeuge präsentierte sich zunächst sehr wortkarg. Er wurde bereits wegen Drogenbesitzes bestraft, daher erinnerte ihn die Richterin daran, dass er wahrheitsgemäß aussagen müsse. So erinnerte er sich schließlich einigermaßen pflichtschuldig an die beiden Drogengeschäfte. Ende Januar 2019 habe man sich in Obermeitingen getroffen, da wurden die zwei Gramm Haschisch übergeben. Mitte Februar traf man sich in Untermeitingen, wo er die Erde überreicht bekam, sagte der junge Mann: „Es war ein mit Plastikfolie eingewickeltes Päckchen in einer Einkaufstüte. Ich habe es mir erst daheim genauer angeschaut und gemerkt, dass es kein Haschisch ist.“

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Ob er denn nicht versucht habe, sein Geld wiederzubekommen, fragte die Richterin: „Ich würde jetzt keine 300 Euro für Erde ausgeben wollen.“ Er habe versucht, den Verkäufer per Internetnachrichten zu einer Rückgabe des Geldes zu bewegen, sagte der 20-Jährige. Als kein Treffen zustande kam, habe er sich damit abgefunden. „Das haben sie dann als Lehrgeld abgeschrieben“, fragte die Richterin. Der Zeuge nickte.

Polizei findet Beutel Erde bei einer Hausdurchsuchung

Das Bündel Erde behielt er allerdings, sodass es bei der Durchsuchung drei Monate später von der Polizei gefunden wurde und das Verfahren ins Rollen brachte. „Wollten sie das als Erinnerung behalten“, wunderte sich die Richterin. Das konnte oder wollte der junge Mann nicht beantworten.

Für den 19 Jahre alten Angeklagten waren die Aussagen schlechte Nachrichten. Die Richterin fand sie deutlich überzeugender als seine Erklärungen: „Ich sehe nicht, warum er lügen sollte. Zudem fällt es sicher niemandem leicht, zuzugeben, dass man 300 Euro für Erde ausgegeben hat.“ Zu einem Geständnis konnte sich der Angeklagte aber nicht mehr durchringen. Die Richterin wies ihn darauf hin, dass der Verkauf der Erde nicht nur als Betrug sondern auch als Handeltreiben mit Rauschmitteln zählt, weil der Gesetzgeber schon den Anschein eines Drogengeschäfts unterbinden möchte.

Wegen der beiden Drogengeschäfte und des Betrugs muss er 600 Euro Bußgeld an die Drogenhilfe Augsburg bezahlen und drei Gesprächstermine zum Thema Drogen absolvieren. Außerdem darf er ein Jahr lang keine Drogen mehr konsumieren und muss dies auch nachweisen. Angeklagter und Staatsanwältin nahmen das Urteil an.

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