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  3. Graben: Vorwürfe gegen Amazon - und was dran ist

Graben
26.11.2011

Vorwürfe gegen Amazon - und was dran ist

Lob: Amazon sei die größte Chance für ungelernte Arbeitslose. Kritik: Erfahrung macht Gewerkschaft wachsam.

Graben Mitten im wichtigen Weihnachtsgeschäft bricht unter der Belegschaft des Logistikzentrums von Amazon in Graben Unruhe aus. Anonyme oder vertrauliche Mails gehen an verschiedene Medien, Gerüchte machen die Runde. Eines machen diese Äußerungen jedenfalls deutlich: Offenbar machen sich beim Internethändler viele Sorgen um ihre Zukunft. Wir gingen den Klagen nach. Die Pressesprecherin von Amazon war gestern telefonisch nicht erreichbar. Im Wesentlichen wurden die Vorwürfe gestern von der Agentur für Arbeit in Augsburg kommentiert. Einen Punkt erläuterte die Gewerkschaft verdi.

1. Vorwurf: Amazon entlässt im Januar oder Februar 900 Leute.

Fakt ist: Amazon stellt seit August ein. Die Masse der Arbeitsverträge wurde bis 31. Dezember befristet. Damit sind keine Kündigungen nötig. Vielmehr gibt es umgekehrt ein Verfahren zur Verlängerung von Arbeitsverträgen. Amazon kündigt den Aufbau einer Belegschaft von bis zu 3000 Mitarbeitern an. Davon sollen 1000 dauerhaft und unbefristet eingestellt werden. Beim Rest handelt es sich um Saisonkräfte, die hauptsächlich am Jahresende benötigt werden.

Die Masse der Arbeitskräfte bekommt Amazon auf Vermittlung durch die Agentur für Arbeit in Augsburg. Derzeit liegt der Personalstand demnach bei 1900 Kräften. Etwa ein Drittel hat die Chance auf einen unbefristeten Vertrag.

2. Vorwurf: Die Arbeitsagentur zahlt zwei Wochen lang die Löhne für Amazon.

Die Agentur für Arbeit fördert die Einstellung von ungelernten Arbeitslosen durch sogenannte Maßnahmen bei einem Arbeitgeber zur beruflichen Eingliederung (MAG). Dieses Instrument gibt es bundesweit in Betrieben verschiedener Größe. Auch bei anderen bekannten Firmen der Region Augsburg. Dabei ist ein Arbeitsloser für eine Art Praktikum ein bis zwei Wochen in einem Betrieb, um festzustellen, ob er für die Arbeit dort geeignet ist. In dieser Zeit gibt es statt Lohn Arbeitslosengeld.

Bei Amazon in Graben wurde laut Agentur dieser Einstieg rund 800 von insgesamt 1900 vermittelten Personen ermöglicht. Damit hätten auch Ältere und behinderte Arbeitslose die Chance bekommen, zu testen, ob sie die körperlich anstrengende Arbeit mit Paketen schaffen. 92 hätten von sich aus wieder abgesagt. Der Vorteil für sie laut Arbeitsagentur: Anders als bei einer gekündigten Probezeit bekommen sie ohne Sperrzeit weiterhin Arbeitslosengeld.

3. Vorwurf: Amazon zahlt die ersten sechs Wochen lang keine Gehälter aus.

Laut Agentur für Arbeit zahlt Amazon vier Wochen nach Arbeitsbeginn den ersten Lohn. Das sei die übliche Praxis aller Wirtschaftsbetriebe. Nimmt jemand zwei Wochen zuvor an einer MAG-Maßnahme teil, bekommt er dafür keinen Lohn, sondern Arbeitslosengeld. Geld von Amazon fließe dann also erstmals nach sechs Wochen.

4. Vorwuf: Amazon lässt sich die Schulung ungelernter Kräfte vom Steuerzahler finanzieren.

Laut Arbeitsagentur lernen Teilnehmer der MAG-Maßnahmen in der ersten Woche alle Stationen im Betriebsablauf des Logistikzentrums kennen, bringen hier keine Produktivität. Dann können sie sich an einem für sie möglicherweise geeigneten Arbeitsplatz erproben. Fast 90 Prozent der Teilnehmer wurden daraufhin zu Amazon-Beschäftigten mit befristetem Vertrag.

5. Vorwurf: Amazon nutzt die Maßnahmen der Agentur alle Jahre wieder für die Einstellung der selben Saisonkräfte.

Dies geht laut Gewerkschaft verdi auf eine Erfahrung in Nordrhein-Westfalen zurück. Dort sollen für ein 2010 geöffnetes Logistikzentrums 2011 Saisonkräfte eingestellt worden sein, die bereits 2010 dort als MAG-Kräfte beschäftigt waren. Als eine erneute MAG-Förderung durch die dortige Arbeitsagentur anlaufen sollte, habe dies das Land NRW gestoppt und wiederholte MAG-Maßnahmen ausgesetzt. Bayern habe diese Grundsatz-Regelung noch nicht getroffen, so Hubert Thiermeyer von verdi.

Reinhard Demel von der Arbeitsagentur Augsburg hat in Interviews einen Automatismus bei MAG-Förderung für Betriebe ausgeschlossen. Sie hänge vielmehr von der Person des jeweiligen Arbeitslosen ab. Eine Dauereinrichtung für einen Betrieb sei das nicht.

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