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Bobingen

30.03.2020

Müller: Warum der Bobinger Bürgermeister die Wahl verloren hat

Aug’ in Aug’ vor sechs Jahren: Damals setzte sich Bernd Müller (links) noch klar im ersten Wahlgang gegen Klaus Förster durch.
Bild: Pitt Schurian

Plus Warum Klaus Förster (CSU) neuer Bürgermeister von Bobingen geworden ist und warum Bernd Müller (SPD) schlechte Karten für die fünfte Amtszeit hatte.

Warum hat Amtsinhaber Bernd Müller (SPD) die Stichwahl verloren? Warum hat Herausforderer Klaus Förster (CSU) gewonnen? Vier Thesen zur historischen Bürgermeisterwahl, die das Geschehen der vergangenen Wochen einordnen sollen.

Die Wechselstimmung war schon vor zwei Wochen spürbar

Ein klares Anzeichen war der Ausgang der Wahl vor zwei Wochen. Mit Bernd Müller, Klaus Förster, Michael Ammer (FBU) und Lukas Geirhos (Grüne) gingen vier Kandidaten ins Rennen. Müller hatte am Ende zwar die meisten Stimmen, aber nicht die absolute Mehrheit, die für eine direkte Wiederwahl gereicht hätte. Der Amtsinhaber kam etwa auf ein Drittel der Stimmen – genauso wie Klaus Förster. Ein Drittel holten Michael Ammer und Lukas Geirhos in Summe. Unter dem Strich lässt sich die Konstellation so deuten: Wer sich für Förster, oder Ammer oder Geirhos entschieden hatte, wollte den Wechsel – also etwa zwei Drittel der rund 7400 Wähler. Trotzdem versprach die Stichwahl Spannung. Denn offiziell gaben weder Ammer noch Geirhos eine offizielle Wahlempfehlung ab.

Stimmung zeichnete sich im Wahlkampf ab

Michael Ammer hatte die Wechselstimmung übrigens schon im Wahlkampf festgestellt. Er war von Haustür zu Haustür gewandert, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Sein Eindruck: „Für mich war eine Wechselstimmung in der Bevölkerung zu spüren. Wir in der FBU und ich als Bürgermeisterkandidat hatten im Wahlkampf sehr klar das Potenzial Bobingens thematisiert, Chancen genannt und Herausforderungen der Zukunft beschrieben. Dabei konnten wir feststellen, dass die Wähler diese klaren FBU-Botschaften, die in den zurückliegenden Jahren ja bereits häufig von unseren Stadträten Florian Vogl und Franz Handschuh angesprochen wurden, mittragen.“

Klaus Förster (CSU) ist neuer Bürgermeister von Bobingen.
Bild: Norbert Staub


Die Wähler wollen frischen Wind

24 Jahre sind eine lange Zeit: So lange ist Bernd Müller nach seiner ersten Wahl 1996 im Amt. Generell schleift sich über die Jahre vieles ein, wird zur Routine. Antennen reagieren nach einer gewissen Zeit nicht immer so sensibel. Diese allgemeinen Erfahrungswerte sprechen gegen Müller und für Förster. Letzterer betonte im Wahlkampf immer wieder, dass er auf Augenhöhe mit den Menschen etwas gestalten wolle. Aus Kreisen der CSU-Stadtratsfraktion hieß es, dass Müller oft auf einer „anderen Ebene“ mit den Menschen kommuniziert habe. Der letzte große SPD-Bürgermeister – im Landkreis amtiert nur noch mit Peter Ziegelmeier aus Fischach ein waschechter Sozialdemokrat – gilt als geschliffener Rhetoriker mit juristischen Sachverstand. Was ihm schuldlos Stimmen gekostet haben dürfte, ist das Image der SPD.

Imageverlust der SPD

Es ist ramponiert, im gesamten Landkreis hat die SPD bis auf einige Ausnahmen an Boden verloren. Es fehlen mehr und mehr die angestammten SPD-Wähler. Das zeigte sich auch in Bobingen: Die Siedlung galt seit jeher als SPD-Hochburg. Doch auch dort hatte CSU-Mann Förster bei der Stichwahl die Nase vorne.

In der Krise setzen die Menschen auf Bewährtes

Das stellen Meinungsforscher im Augenblick fest. Den Volksparteien CDU und CSU beschert die Situation eine Renaissance, die SPD tritt nach aktuellen Umfragen auf der Stelle. Auch Klaus Förster konnte vom neuen Aufschwung profitieren. Anders Bernd Müller, der allerdings mit seinen 24 Jahren im Amt zwar das „Bewährte“ verkörpert wie kein anderer. Aber: Vielleicht brauchen „neue Zeiten neue Lösungen“. So umschreibt der Grünen-Kandidat Lukas Geirhos den Veränderungsprozess.

Bernd Müller war 24 Jahre lang Bürgermeister in Bobingen. Er wurde nicht mehr gewählt.
Bild: Sammlung Müller


Die Corona-Krise hat den Wahlkampf beeinflusst

An dieser These gibt es keinen Zweifel. Ein direktes Aufeinandertreffen von Müller und Förster war nicht mehr möglich – so gab es auch kein Streitgespräch, bei dem die Bewerber ihre Qualitäten unter Beweis stellen mussten. Wegen der Ausgangsbeschränkung verlagerte sich der Wahlkampf auf die Medien. Im Internet kommen soziale Medien besonders zum Tragen, wenn Netzwerke ineinandergreifen.

Der ohnehin gut vernetzte Klaus Förster hatte den Vorteil, dass sich online Ministerin Carolina Trautner, der Europaabgeordnete Markus Ferber, der frühere Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert oder Landrat Martin Sailer für ihn aussprachen und für ihn warben. Bernd Müller versuchte es mit vielen Videobotschaften, in denen er sich auch Fragen von Bobingern stellte. Doch die erhoffte Resonanz blieb aus.

Lesen Sie auch den Kommentar: Bobingen: Bernd Müller ist ein Opfer der Abwärtsspirale

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