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Schwabmünchen

27.01.2020

Schwabmünchen: So sieht der Gerichtssaal der Zukunft aus

Ganz schön viel geordneter Kabelsalat könnte sich künftig in den Richtertischen in Bayern befinden. In Schwabmünchen kann die neue Technik der Justiz bereits getestet werden.
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Ganz schön viel geordneter Kabelsalat könnte sich künftig in den Richtertischen in Bayern befinden. In Schwabmünchen kann die neue Technik der Justiz bereits getestet werden.
Foto: Carmen Janzen

Plus Im IT-Zentrum am ehemaligen Schwabmünchner Amtsgericht lernen Justizmitarbeiter, wie Digitalisierung geht. So sieht der Gerichtssal der Zukunft aus.

In bayerischen Gerichtssälen stapeln sich die Akten und auf dem Richtertisch, liegt meist noch ein völlig analoger Kugelschreiber und ein Notizblock aus echtem Papier. Doch die Zukunft soll anders aussehen. Digital. Wie ein Verhandlungszimmer 2.0 einmal eingerichtet sein könnte, ist nun in Schwabmünchen zu sehen. Dort eröffnete am Montag Bayerns Justizminister Georg Eisenreich das IT-Test-, Konferenz- und Schulungszentrum Süd der bayerischen Justiz. Es ist neben Pegnitz im oberfränkischen Landkreis Bayreuth das zweite IT-Testzentrum im Freistaat. Das Schulungsgebäude in Schwabmünchen dient daher nicht nur Mitarbeitern aus dem Großraum Augsburg, sondern aus ganz Südbayern.

Mit Schere und rotem Band eröffnete Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (Zweiter von rechts) das neue IT-Schulungszentrum in Schwabmünchen. Mit dabei: (von links) IT-Behördenleiter  Wolfgang Gründler, der Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg Thomas Dickert, die künftige bayerische Sozialministerin Carolina Trautner und der Präsident des Landgerichts Augsburg Herbert Veh.
Foto: Carmen Janzen

Showroom in Schwabmünchen zeigt digitale Zukunft der Justiz

Zurück in die Zukunft: Im „Showroom“ in Schwabmünchen am Richtertisch stehen viele technische Geräte, ein neigbarer Computerbildschirm, eine Tastatur mit Signaturfunktion, eine Tablet-Fernbedienung, mit der man die Dokumentenkamera bedienen kann, und ganz vorne am Tresen hängt ein 55 Zoll großer Fernseher, auf den Akten, Fotos oder Urkunden übertragen werden können. Akten soll es irgendwann nur noch elektronisch geben und Zeugen könnten per Videokonferenz aus Australien in die Verhandlung zugeschaltet werden. Klingt ziemlich visionär, ist aber in Arbeit.

Knapp drei Millionen Euro wurden in das IT-Zentrum investiert

Damit sich diese Pläne umsetzen lassen, müssen Softwareprogramme getestet und Mitarbeiter geschult werden. Und genau das passiert am neuen Standort in Schwabmünchen.

Innen ist das Schwabmünchner Amtsgericht nicht mehr wieder zu erkennen: frisch gestrichene Wände, schicke Computer, im Schreibtisch versenkbare Bildschirme, sanierte Sanitäranlagen, ein barrierefreies Erdgeschoss und vieles mehr. Aus dem alterehrwürdigen ehemaligen Amtsgericht ist inzwischen ein IT-Schulungszentrum geworden.

Rund 2,8 Millionen Euro sind in das Gebäude und die Technik in den vergangenen zwei Jahren investiert worden, damit sich die bayerischen Justizangestellten auf die Digitalisierung vorbereiten können.

Der ehemalige große Verhandlungsaal des Amtsgerichts Schwabmünchen ist nun ein Computer-Schulungsraum.
Foto: Carmen Janzen

Im neuen IT-Zentrum sind unter anderem zwei Schulungsräume mit insgesamt 32 IT-Arbeitsplätzen, ein E-Lern-Studio sowie ein Konferenzsaal eingerichtet. Zudem ist in Schwabmünchen ein IT-Sicherheitsmanagement für die bayerische Justiz mit sechs festen Mitarbeitern aufgebaut worden. Im ehemaligen Amtsgerichtsgebäude ist zudem die Bewährungshilfe untergebracht.

So könnte ein Gerichtssaal der Zukunft aussehen.
Foto: Carmen Janzen

Justizminister Eisenreich: „Das Ergebnis ist einfach gut.“

Seit 1876 gibt es das Amtsgericht in Schwabmünchen und seitdem wurden in der Zweigstelle ungezählte Urteile im Namen des Volkes gesprochen. Das ist nun Geschichte. Alle Richter und Angestellten arbeiten mittlerweile in der Hauptstelle in Augsburg. Jahrelang hat die Zukunft des Schwabmünchner Amtsgerichts die Kommunalpolitiker beschäftigt. Denn schon seit dem Jahr 2004 war klar, dass die Zweigstelle im Zuge der Standortreform irgendwann einmal schließen muss. Immer weniger Urteile wurden in Schwabmünchen gefällt. Seit 2013 wurden dort keine Strafsachen mehr verhandelt. Zuletzt urteilten dort nur noch Richter im Zivilrecht. Aber auch das ist seit Februar 2017 Vergangenheit.

Schwabmünchens Bürgermeister Lorenz Müller und die künftige bayerische Familienministerin Carolina Trautner hatten sich stets für eine sinnvolle Nachnutzung eingesetzt und sind mit dem neuen IT-Zentrum sehr zufrieden. Oder wie der Justizminister sagte: „Das Ergebnis ist einfach gut.“

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