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Bobingen

27.01.2019

Sie will mit bunten Deckeln gegen Kinderlähmung kämpfen

Säckeweise sammelt Gerda Feigl in Bobingen Verschlüsse von Plastikflaschen. Sie dienen einer Aktion gegen Kinderlähmung.
Bild: Elmar Knöchel

Plus Gerda Fleig sammelt in Bobingen Flaschendeckel und finanziert damit Schutzimpfungen. Noch immer bedroht „Polio“ die Menschen – nicht nur in fernen Ländern.

Für Gerda Fleig sind die Kunststoffverschlüsse von Getränkebehältern nicht nur buntes Plastik. Denn: 500 Stück der bunten Kapseln haben den Gegenwert einer Impfung gegen Kinderlähmung. Und dafür macht sich die Bobingerin mit seiner Teilnahme an der Sammelaktion „Deckel drauf“ stark. Im örtlichen Aldi konnte sie eine Sammelkiste aufstellen und auch ihr Bekanntenkreis hilft, dass sie etwa alle zwei Wochen einen großen Sack voller Flaschenverschlüsse an einer Sammelstelle in Augsburg abliefern kann. Ihr Mann hat die bunten Plastikteile zuvor sorgfältig gesäubert und von Fremdstoffen befreit.

Ähnlich macht es Joachim Weiß aus Nordendorf. In vier Meitinger Supermärkten stehen seine selbst gebastelten Sammelkartons, die er regelmäßig leert und die gesammelten Deckel zur Verwertung weiterleitet.

Polio führt zu Lähmungserscheinungen und mitunter bis zum Tod

In Deutschland gilt Poliomyelitis, wie die Kinderlähmung offiziell heißt, als ausgerottet. Die Infektion mit dem Virus führt zu Lähmungserscheinungen, bei heftigem Krankheitsverlauf bis zum Tod durch Atemlähmung. Vor der Einführung der Schutzimpfung für alle Kinder war der Augsburger Landkreis besonders stark betroffen, erinnert sich Weiß, der selbst im Alter von 16 Jahren an Polio erkrankte. Heute tritt der Virus noch in Afghanistan, Pakistan und Nigeria auf, doch durch die Globalisierung sei es ein Trugschluss zu glauben, dass nicht auch in anderen Ländern Ansteckungsgefahr bestehen kann, sagt Gerda Fleig. Auch Deutschland sei davor nicht sicher.

Angeregt zu ihrer Aktion hatte sie vor eineinhalb Jahren ein Artikel in dieser Zeitung über einen Aufruf des Rotary Club Thannhausen. In einer Vorstandssitzung des Augsburger Ortsvereins im „Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter“ (BSK), in dem sie ebenfalls aktiv ist, hat sie darüber berichtet und fand in Joachim Weiß einen Helfer. Und sie stießen im Bekanntenkreis auf weitere Unterstützer. Eine wichtige Säule sei zudem Rotary. Dieser weltumspannende Club Angehöriger verschiedenster Berufe betreibt mehrere wohltätige Projekte. Durch eine Partnerschaft mit der Bill & Melinda Gates Stiftung in den USA wird jeder im Kampf gegen Polio gespendete Euro verdreifacht.

1860 Impfungen in einem Jahr

Im vergangenen Jahr wurden durch Rotary im Raum Augsburg 310.000 Deckel gesammelt und mit Impfungen 1860 Leben ohne Kinderlähmung garantiert, sagt Gerda Fleig. Sie sieht den Kampf gegen den Erreger als eine Aufgabe an, die jeden betrifft. Zusammen mit ihren Freunden von BSK Augsburg will sie auch weiterhin fleißig Plastikdeckel einsammeln. „Wir wissen nur zu gut, wie grausam sich diese Krankheit auswirken kann“, sagt Gerda Fleig.

Der 75-jährige Joachim Weiß weiß aus eigener Erfahrung, wie grausam Polio sein kann. Schon sein ganzes erwachsenes Leben sei von den Folgen der Viruserkrankung geprägt gewesen. Der linke Arm blieb gelähmt, doch er hat wieder laufen gelernt und sogar Tischtennis und Tennis gespielt. Ein harter Kampf, mit vielen Reha-Maßnahmen und Willenskraft ausgefochten, „der aber nie endet“. Denn ebenso wie seine Frau ist er aktuell vom Postpoliosyndrom betroffen.

Symptome von Polio können Jahrzehnte später noch auftreten

Nach einer langen stabilen Phase treten dabei Jahrzehnte nach der akuten Krankheitsphase erneute Symptome auf. Doch das ist kein Grund für den gelernten Großhandelskaufmann seine Aktivitäten für andere zurückzufahren. Im Gegenteil. Seit 16 Jahren ist Joachim Weiß jeden Mittwoch im Johannisheim in Meitingen und bringt den Bewohnern mit Spielen und Gesprächen neue Eindrücke ins Leben. Als stellvertretender Landesvorsitzender ist er für den Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter aktiv, pflegt die Homepage des Landesverbandes und hat zehn Jahre lang das Vereinsheft „Schicksal“ herausgegeben.

Mitmachen kann jeder. Die Kunststoffdeckel von Flaschen, Getränkekartons oder auch das gelbe Überraschungsei enthalten hochwertige Kunststoffe, die sich gut recyceln lassen. Für die Rückerstattung des Pfandes macht es keinen Unterschied, ob die Flaschen mit oder ohne Deckel abgegeben werden. Deshalb stellt Weiß seine Sammelkartons neben den Rückgabeautomaten auf. „Ein Dreh an der Flasche und ab mit dem Verschluss in den Karton“: So stellt er sich die schnelle, unkomplizierte Hilfe vor. Und das gute Gefühl etwas Gutes getan zu haben, gebe es gratis obendrauf.

Adresse Eine zentrale Sammelstelle der Aktion gibt es in Augsburg bei der Firma Rada Recycling, Telefon 0821/ 720 79-0.

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