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Landkreis Augsburg

07.11.2019

"Udo" im Allgäu: Auch im Augsburger Land finden sich Spuren der Frühzeit

Ein mehr als 50.000 Jahre alter Stoßzahn eines Mammuts wurde 2003 in einer Sandgrube bei Dinkelscherben entdeckt.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Das Allgäu hat Udo - und das Augsburger Land hat den "Anhausertaler" sowie einige spektakuläre Knochenfunde von Mammuts.

Schon Jahre vor dem sensationellen Urmensch-Fund im Allgäu hatte Kabarettist Silvano Tuiach aus Stadtbergen einen Frühmenschen entdeckt: den „Anhausertaler“. Dieser Mensch aus den Westlichen Wäldern habe eine Zungenanomalie besessen. Und wenn er sprach, dann mit vielen R-, Zisch- und Nasallauten.

Fast wäre der „Anhauser“ ausgestorben, weil es keinen Gen-Austausch gab. Aber dann sei es doch zur Paarung mit den „Miserabili“, den Dienstboten der Römer, gekommen. So entstand laut Tuiach der gemeine Provinzialschwabe – kloi, gstompert, mickrig. Auch "Urmensch" Udo, eigentlich eher ein Menschenaffe, dessen Millionen Jahre alten Knochen jetzt im Allgäu geborgen wurden, war mit einem Meter Körpergröße und 30 Kilo Gewicht mickrig. Hatte er vielleicht Bekannte im Augsburger Land?

Der Neandertaler war ein Jungspund

„Vielleicht“, sagt die Kreisarchäologin Gisela Mahnkopf. „Aber gefunden hat man sie bislang nicht.“ Zu den ältesten bekannten Zeugnissen, die auf Menschen zurückgehen, gehört ein Faustkeil aus Zusmarshausen-Wörleschwang. Vermutlich trug das grob bearbeitete und mit einer scharfen Kante versehene Werkzeug aus Quarzit ein Neandertaler bei sich. Er lebte von etwa 100.000 bis 50.000 im Augsburger Land, er war also ein Jungspund im Vergleich zum Urmenschen Udo.

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Der Fund aus dem Allgäu wirbelt derzeit die Geschichte der Menschwerdung durcheinander. War „Danuvius guggenmosi“ der erste Ahne, der aufrecht ging? Der neu entdeckte mögliche Vorfahr von Mensch und Menschenaffe habe sich wohl bereits vor fast zwölf Millionen Jahren auf zwei Beinen fortbewegen können, vermutet ein Forschungsteam. Das wäre mehrere Millionen Jahre früher als Wissenschaftler bislang zumeist angenommen hatten. Die Paläontologen machten insgesamt 37 Einzelfunde – insgesamt 15 Prozent eines Skeletts, woraus sich rekonstruieren ließ, wie sich Udo wohl fortbewegte.

Im Augsburger Land gibt es viele Fenster in die Vergangenheit

Die Überbleibsel des etwa einen Meter großen Urmenschen steckten im Ton und wurden deshalb gut erhalten. Das seien Bedingungen, die im Augsburger Land selten zu finden sind, erklärt Gisela Mahnkopf, die den 2018 gestorbenen Entdecker der Tongrube im Allgäu, Sigulf Guggenmos, kannte. Doch auch ohne konservierenden Ton gibt es im Augsburger Land viele Fenster in die Vergangenheit: Vor Jahren wurden beispielsweise in einer Kiesgrube der Bobinger Firma Lauter Knochen von eiszeitlichen Tieren wie Wollnashorn, Wildpferd und Mammut gefunden.

Südlich von Baar wurde 2017 ein nahezu komplettes Mammutskelett in einer Sandgrube entdeckt. Experten des Naturkundemuseums Augsburg bargen die porösen Knochen des zwischen 10.000 und 15.000 Jahre alten Eiszeit-Elefanten. In Thierhaupten entdeckte ein Bauarbeiter vor Jahren einen Mammutzahn, den er zunächst einmal mit nach Hause nahm, bevor er den Fund dann meldete. Auch in einer Sandgrube bei Dinkelscherben wurde ein über 50.000 Jahre alter Mammutzahn gefunden.

Mehr zu dem Fund im Allgäu lesen Sie hier:

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