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Bobingen

31.01.2019

Welches Hallenbad hat noch eine Zukunft?

Das Aquamarin ist nicht nur bei den Bobingern beliebt, auch viele Augsburger besuchen im Sommer wie im Winter das Bad. Doch wie viele andere Schwimmbäder ist es in die Jahre gekommen – und der Stadtrat steht vor der Frage: Was tun? Sanieren oder neu bauen? Die Kostenschätzungen bieten überraschende Optionen.
Bild: Fred Schöllhorn

Viele Bäder sind zu alt. Bobingen muss nun wählen zwischen einer Sparlösung und einem teuren Familienbad. Die Kalkulation, was sich mehr rechnet, überrascht.

Die Königstherme ist abgerissen. Gersthofen musste sich den Neubau eines neuen Kombibades für Sommer- und Winterbetrieb verkneifen. Obwohl die Stadt in Geld schwimmt, begnügt sie sich wegen Platzmangels mit einer Sanierung der beliebten Gerfriedswelle. Und bis die in Augsburg entbrannte Bäderdiskussion zu einem Ergebnis und neuen Angeboten führt, könnten noch Jahre vergehen. Die Frage, wie es mit dem Schul- und Vereinssport weitergehen solle und welches Badevergnügen man sich für die Familien leisten könne, ist auch ein Thema in Bobingen. Die Stadt wittert eine Chance.

Es geht beim Bad in Bobingen um fast 19 Millionen Euro

Mit Alleinstellungsmerkmalen und verträglichen Eintrittspreisen könnte ein neues Ganzjahres-Familienbad genügend Besucher gerade auch aus dem Augsburger Süden anziehen, mit denen eine Investition von fast 19 Millionen Euro sowie ein Jahresdefizit von 664.000 Euro ohne Finanzierungskosten bezahlt werden könnte. Das ist die Frage, über die der Bobinger Stadtrat befinden muss. Das alte Hallenbad, dem bei Ausfall der veralteten Technik jederzeit die Schließung drohen könnte, erforderte zuletzt einen Jahreszuschuss von 580.000 Euro aus der Stadtkasse. Wer sich mit Bädern beschäftigt, lernt mit großen Zahlen zu rechnen.

Die meisten Hallenbäder der Region wurden vor 40 oder gar über 50 Jahren errichtet. Nach Renovierungen und technischen Aufrüstungen ist die Zeit gekommen, in der Berater den Kommunen vorrechnen, dass Neubauten günstiger seien als weitere Sanierungen. Krumbach zum Beispiel steckt 30 Millionen in ein neues Schulsportzentrum. Davon entfallen 10,4 Millionen auf ein neues Hallenbad. Schwabmünchen hatte noch kein Bad, plant jedoch alleine schon wegen des steigenden Bedarfs der Schulen und Vereine ein Schul- und Sportbad, welches auch Familien schöne Stunden bieten soll. Wegen der Auflagen für staatliche Zuschüsse kann es aber kein reines Freizeitbad werden. Somit beschränkt sich die Stadt auf die Investition von 12,5 Millionen Euro.

Wie tief darf das Wasser sein?

In diesem Rahmen bewegen sich auch die ersten Varianten für ein neues Hallenbad in Bobingen. Ein reines Lehrbecken für Schüler und Vereinssportler würde zudem Personal sparen, da Lehrer und Übungsleiter die Aufsicht übernähmen. Die Baukosten wären relativ gering, die Betriebskosten aber relativ hoch, da wenig Einnahmen zu erzielen sind. Ein Sportbad könnte mehr bieten und würde auch nicht organisierten Schwimmern dienen sowie etwas Geld einbringen. Als Baukosten hat Bobingen dafür 12,7 Millionen Euro ermittelt; bis wirklich alles läuft, wären fast 14 Millionen zu finanzieren.

Doch wie tief darf das Wasser sein, in das der Stadtrat von Bobingen nun den Sprung wagt? Konservativ gerechnet, Reserven und Risiken eingeschlossen, kämen die Planer in Bobingen auf weniger als fünf Millionen Euro, die ein komfortables Familienbad mehr kosten würde. 18,8 Millionen stehen da im Moment unterm Strich. Nicht alles, aber ein Teil könnte aus den Rücklagen bezahlt werden, signalisiert die Stadtverwaltung. Doch der Stadtrat zögert.

Seit etwa zwei Jahren erörtert Bobingen die Zukunft des Aquamarin. So nennt sich die Badelandschaft mit Freibad für den Sommer und Hallenbad für den Winter. Ähnlich wie ursprünglich in Gersthofen angestrebt, soll ein Kombibad wirtschaftlichere Betriebsabläufe sowie mehr Bademöglichkeit bei Schlechtwetter oder in Übergangszeiten bieten: Je nach Wetter steigen Besucher draußen oder drinnen ins Wasser und nützen weitere Angebote. Platz ist in Bobingen genügend da, um eine neue Freizeiteinrichtung zu schaffen, die wieder einige Jahrzehnte lang attraktiv für die Bürger wäre. Was hier fehlt, ist Geld.

Datenliste soll Entscheidung erleichtern

In Stadtratsgremien, einem eigenen Arbeitskreis und in Workshops sammelten Bobingens Kommunalpolitiker Erfahrungen anderer Städte, Vorschläge von Beratern und unterschiedlichste Kalkulationen. Zugleich wurden Meinungen und Erwartungen potenzieller Nutzergruppen gesammelt. Die Entscheidung, welcher Bädertyp das Aquamarin ablöst, soll bei den laufenden Haushaltsberatungen fallen. Grundlage dafür soll eine Daten- und Faktensammlung sein, auf die sich der Rat am Dienstagabend einstimmig verständigte. Allein auf Grundlage dieser Daten, die nicht mehr angezweifelt werden sollen, werde die Entscheidung fallen.

Ursprünglich gab es fünf Varianten. Letztlich dürfte die Entscheidung zwischen einem Ganzjahres-Familienbad und einem billigeren Sportbad fallen. Die Stimmungslage im Rathaus ist schwer einzuschätzen. Es scheint so, dass bereits einige Ratsmitglieder auf Dauer gesehen im teureren Familienbad eine sinnvollere Investition sehen bei relativ wenig Mehrkosten. Andere verweisen auf weitere Investitionen, die in Bobingen dringend seien und wegen eines Bades im Haushaltsplan nicht untergehen dürfen. Die Abwägung fällt offenbar noch immer schwer.

Mehr zum Konzept des Familienbades lesen Sie hier: Das Konzept für ein Ganzjahres-Familienbad in Bobingen

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