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Landkreis Augsburg

21.02.2014

Zwei Windräder, größer als Augsburgs Hotelturm

Weit oben – in etwa 150 Meter Höhe – dreht sich die Nabe der Windräder, wie sie bei Lamerdingen geplant sind. Die Rotorblätter sollen gar eine Höhe von 200 Metern erreichen.
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

An der Grenze der Landkreise Augsburg und Ostallgäu sollen zwei große Windräder entstehen. Die Planung ist alt, die Umsetzung sorgt jetzt für Ärger unter Nachbarn.

Um die optimale Energieausbeute zu erlangen, ist eine Scheitelhöhe der Rotoren von 200 Meter nötig. Zum Vergleich: Der Augsburger Hotelturm ist einschließlich seiner Antennenanlage „nur“ 158 Meter hoch, damit nur wenig höher als die Naben der geplanten Anlagen. Die Gesamthöhe bei aufgestellter Rotorenspitze entspräche in etwa einem siebzigstöckigen Hochhaus. Das wird also ein neues Wahrzeichen. Nicht in Augsburgs Stadtsilhouette, dafür aber wohl im Alpenpanorama aus Sicht des Lechfelds.

Laut Planer und Hauptinitiator Robert Sing ist eine Anlage bereits genehmigt, die zweite stünde kurz davor. Die Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt Ostallgäu. Auch die Gemeinde Lamerdingen hat zugestimmt.

Anders sehen dies die Nachbarn im Kreis Augsburg. Der Langerringer Gemeinderat sprach sich in der jüngsten Sitzung erneut gegen das Vorhaben aus. Die Planung für das erste der beiden vorgesehenen Windräder hatte er bereits 2012 abgelehnt. Doch für einen wirtschaftlichen Betrieb und nach den Vorgaben des Regionalplans sind laut Bürgermeister Konrad Dobler wohl mindestens zwei Anlagen nötig. Auch ein zweites Rad lehnt Langerringen ab. Dafür sieht der Gemeinderat mehrere Gründe durch die räumliche Nähe. Was die Geschichte zusätzlich unübersichtlich macht, sind Gemeinsamkeiten der Nachbarn in der Vergangenheit.

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Zunächst einmal: Langerringens Bürgermeister Konrad Dobler kritisiert ganz offen die „chaotische Umsetzung“ von Windpolitik im Land, nicht aber die Windenergie als Solches. Er sieht seine Aufgabe bei der Umsetzung der „Neuen Energiepolitik“ mit der Einbindung der Bevölkerung. Gefordert seien Bürgerakzeptanz und die Verständigung mit den Nachbargemeinden. „Ich bin nicht gegen Windkraft“, stellt der Gemeindechef gegenüber unserer Zeitung nachdrücklich fest. Das ändere aber nichts daran, dass er die beabsichtigten Standorte bei Lamerdingen für falsch hält.

Ein Streit mit langem Vorspiel

Aufgabe einer Gemeinde sei es auch, ihre Bürger vor negativen Auswirkungen solcher Anlagen zu schützen. Vor allem fürchtet er beispielsweise Schlagschatten, konkret aber zu nahe Abstände zu bebauten Flächen. Beispielsweise zu Schwabaich und Schwabmühlhausen. Insbesondere der bereits in Planung befindliche Bau eines Aussiedlerhofs wäre durch das Vorhaben jenseits der Landkreisgrenze gefährdet.

Allerdings muss man wissen: Windkraftanlagen können nicht an beliebiger Stelle geplant werden. Gerade um einen Wildwuchs zu vermeiden, weisen Gemeinden dazu sogenannte Konzentrationsflächen aus. Und nun wird es pikant: Gerade das haben die beiden im Streit liegenden Gemeinden gemacht. Und noch viel mehr.

Beide Gemeinden hatten über mehrere Jahre eine gemeinsame Windenergieplanung vorangetrieben. Gemeinsam beauftragter Planer war das Landsberger Ingenieurbüro von Robert Sing. Entsprechend hat dieses bereits im Herbst 2012 eine genaue Standortanalyse mit dem Potenzial auch für eine zweite Anlage vorgelegt.

Dach der gemeindeübergreifenden Planung war das Projekt „Integrierte Ländliche Entwicklung“ (ILE) Lech-Wertach. Es dient dazu, gleichwertige Lebensqualität in diesem Raum sicherzustellen. Denn in dem schmalen Band zwischen den beiden Flüssen teilen sich die Gemeinden auf gleich vier Landkreise auf: Landsberg, Ostallgäu, Unterallgäu und Augsburg. Also: von wegen St.-Florians-Prinzip.

Lamerdingen stieg 2013 aus den Planungen aus

Jedoch: 2013 stieg die Gemeinde Lamerdingen (Ostallgäu) einschließlich des Planers Sing aus den gemeinsamen Planungen mit der Begründung aus, man habe bereits einen genehmigten Teilflächennutzungsplan „Windkraft“, der mit dem Regionalverband Ostallgäu abgestimmt sei. Zudem stecke das ILE-Vorhaben noch im Anfangsstadium. Lamerdingens Bürgermeister Konrad Schulze ist dieser Tage zu einer Stellungnahme nicht erreichbar.

Dafür äußerte sich Robert Sing umso deutlicher in Langerringens Gemeinderat. Er konfrontierte Dobler mit dem Vorwurf, er sei persönlich gegen Windkraft und wolle daher das Projekt verhindern. Bereits im Herbst 2012 sei Dobler über einen möglichen zusätzlichen Standort für ein großes Windrad detailliert informiert worden. Auch die windenergetische Sprachlosigkeit zwischen beiden Gemeinden wirft er dem Kommunalpolitiker temperamentvoll vor. Dobler habe diese durch seinen Umgang mit Lamerdingens Rathauschef provoziert.

Es sind Vorwürfe, die Dobler so nicht akzeptiert. Natürlich wusste er um die Vorhaben, habe sie selbst bei den Bürgerversammlungen 2012 in allen Ortsteilen vorgetragen (wir berichteten). Doch: „Die Umsetzung geht nur in einem Miteinander.“ Wie dabei Bürgerbeteiligung zu handhaben sei, werde zwischen ihm und Sing unterschiedlich gesehen. Die Entscheidung, ob die beiden großen Windräder nun gebaut werden können, läge nun beim Landratsamt Ostallgäu. "Kommentar

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