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Cold Cases Landkreis Augsburg: Fünf ungelöste Kriminalfälle im Fokus der Ermittler

Landkreis Augsburg

True Crime: Das sind spannende Cold Cases im Augsburger Land

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    Tatort Schwaben: Im Augsburger Land gibt es eine Reihe von ungelösten Kriminalfällen.
    Tatort Schwaben: Im Augsburger Land gibt es eine Reihe von ungelösten Kriminalfällen. Foto: Maximilian Czysz

    Nachts schleicht ein Dieb in Oggenhof und zwei Neusässer Ortsteilen herum und wird von privat installierten Überwachungskameras aufgenommen. Die Bilder helfen der Polizei bei ihren Ermittlungen. Wenn es die Technik doch nur schon früher gegeben hätte - dann hätten sich verschiedene Verbrechen im Augsburger Land klären lassen. So sind sie „Cold Cases“, also ungeklärte Kriminalfälle, geblieben.

    Junger Landwirt wird mit einer Pistole auf dem Traktor gefunden

    Tod auf dem Traktor War es ein Unfall? Oder war es ein Mord? Am 25. Juni 1945, wenige Wochen nach Kriegsende, wurde ein 21-jähriger Landwirt bei Nordendorf stark blutend aufgefunden. Der junge Mann hing über dem Steuerrad seines Traktors. Er hatte östlich der Bahnlinie eine Wiese gemäht. Als ihn Feldarbeiter entdeckten, atmete er noch. Wenig später starb er. Weil Spuren fehlten, stellte die Polizei mehrere Thesen auf.

    Hatte das Opfer während der Arbeit mit der Pistole herumhantiert? Hatte sich dabei ein Schuss gelöst? Diese Unglücksfälle waren damals keine Seltenheit. Aber warum sollte der junge Landwirt eine Waffe mit zur Arbeit auf der Wiese genommen haben? Hatte er etwa Angst? Die Ermittler zogen auch ein Verbrechen in Erwägung. Wollten sich Zwangsarbeiter rächen, die auf dem Hof der Familie waren?

    Doppelmord in Deubach: Dieses Ehepaar aus Deubach wurde nach dem Krieg nachts tödlich verletzt. Wer die Täter waren, ist bis heute unklar.
    Doppelmord in Deubach: Dieses Ehepaar aus Deubach wurde nach dem Krieg nachts tödlich verletzt. Wer die Täter waren, ist bis heute unklar. Foto: Repro Czysz

    Doppelmord in Deubach: Rache könnte auch das Motiv für ein brutales Verbrechen Anfang Juni 1945 in Deubach gewesen sein. Einbrecher wurden nachts von älteren Hausbewohnern überrascht. Es kam zu einem Kampf um Leben und Tod. Die Frau wurde mit einem Messer, der Mann mit einer Pistole tödlich verletzt. Die Polizei setzte einen Fährtenhund ein. Er nahm die Spur auf und führte die Ermittler ins zweieinhalb Kilometer entfernte Hausen. Eine Vermutung machte schnell die Runde.

    Die Rede war von Zwangsarbeitern. Sie seien vom früheren Oberingenieur in der Gießerei der MAN in Augsburg nicht gut behandelt worden, hieß es. Im Laufe der Ermittlungen kam die Polizei auf acht Polen, die als tatverdächtig galten. Fünf von ihnen wurden in Haft genommen, dann aber aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen. Alle Ermittlungen liefen später ins Leere.

    Tatort Schwaben

    Echte Verbrechen, packend erzählt: Die Auswahl an Cold Cases sind dem Buch Tatort Schwaben entnommen. In der Kriminalgeschichten-Sammlung geht es um Raub, Mord und um Spionage. Das Buch ermöglicht Einblicke in die Arbeit der Ermittler und dokumentiert menschliche Abgründe. Erschienen ist es im Verlag Hans Högel KG, Mindelheim.

    Der Tod am Hochsitz Seit mehr als 100 Jahren ist dieser Fall ungeklärt: Im Frühling 1917 wurde ein Jäger bei Bobingen erschossen. Am 16. Mai ging er im „Dreckwinkel“, etwa 800 Meter vom Ortsrand entfernt, auf die Pirsch. Wegen des starken Westwinds waren in Bobingen fünf Schüsse zu hören. Sie trafen allerdings nicht Wild, sondern den Mann am Hochsitz. Die Ermittler kamen nicht weiter. 1919 setzten sie V-Männer ein, die sich unter die Wilderer der Gegend mischen sollten. Und siehe da: In Göggingen und Inningen gab es in der Folge mehrere Festnahmen. Es blieb allerdings bei Verdachtsmomenten – die Wilderer wurden wieder auf freien Fuß gesetzt.

    Diese beiden Messer wurden 19 Jahre nach dem Doppelmord von Bonstetten gefunden. Handelte es sich um die Tatwaffen?
    Diese beiden Messer wurden 19 Jahre nach dem Doppelmord von Bonstetten gefunden. Handelte es sich um die Tatwaffen? Foto: Staatsarchiv Augsburg

    Brutales Verbrechen in Bonstetten Dieser Doppelmord schockierte 1920 die Region: In der Nacht nach Kirchweihsonntag wurden eine Bäuerin und ihr Enkelkind erstochen. Nach dem Mord fehlten 47.000 Mark im Haus. Auf die Ermittler wirkte es, als hätte es der Täter nur auf das Geld abgesehen. Die Ermittlungen zogen sich über drei Jahrzehnte. Dutzende Männer gerieten in Verdacht und wurden vernommen. 1939 ließ ein besonderer Fund die Polizisten aufhorchen: Ein Landwirt hatte beim Holzmachen unter einer Grasnarbe ein Tafel- und ein Küchenmesser entdeckt: Handelte es sich um die Tatwaffen?

    Ein Gendarm zeigt die Stelle außerhalb von Bonstetten, an der die Messer gefunden wurden.
    Ein Gendarm zeigt die Stelle außerhalb von Bonstetten, an der die Messer gefunden wurden. Foto: Staatsarchiv Augsburg

    Ermittlungen nehmen wieder Fahrt auf

    Die Ermittlungen gegen einen „Zuchthäusler“, der schon einmal in Verdacht geraten war, wurden wieder aufgenommen. Die beiden Messer wurden zusammen mit einer Erdprobe ins Kriminaltechnische Institut der damaligen Sicherheitspolizei in Berlin geschickt. Dr. Otto Martin untersuchte die Messer. Trotz „der verhältnismäßig nicht besonders kräftigen Verwitterungserscheinungen“ an den beiden Messern könne aufgrund der Untersuchung durchaus mit der Möglichkeit gerechnet werden, dass sie schon 19 Jahre in der Erde lagen. Der „Zuchthäussler“ sollte wieder befragt werden - doch er befand sich als Soldat an der Ostfront.

    Ungesühnter Mord im Wald Zwölf Jahre lang ermittelte die Landpolizei. Dann legte sie den aufsehenerregenden Mordfall zu den Akten. Der gewaltsame Tod des 30-jährigen Waldhüters Johann Schwab aus Augsburg im März 1947 in einem Waldstück bei Aystetten ist bis heute ungeklärt. Was war passiert? Weil sich in den Wirren der Nachkriegszeit der Schwarzhandel, Lebensmittel- und eben auch Holzdiebstähle häuften, brach Schwab am 26. März 1947 zu einer Streife südlich von Aystetten auf. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit fielen dort Schüsse. Schwab brach zusammen. Einen Tag später wurde er entdeckt und ins Hauptkrankenhaus gebracht. Er starb am 28. März. Weil man in der Nähe des Tatorts einen Koffer und einen Kübel mit Schmalz gefunden hatte, fiel der Mordverdacht auf Männer, die am späten Abend des 25. März die Mühle in Wollbach bei Zusmarshausen mit Waffengewalt überfallen hatten.

    Überraschender Fund in Nordrhein-Westfalen

    Jahre später kam es zum Prozess gegen einen der Männer. Das Gericht war davon überzeugt, dass der Angeklagte zwar an dem Überfall auf die Wollbacher Mühle, nicht aber an dem Mord beteiligt war. 1953 tauchte überraschend die Pistole auf - im Zusammenhang mit einem Mordanschlag auf Polizisten in Nordrhein-Westfalen. Es wurde mit einem Haftbefehl nach zwei Polen gefahndet - jedoch ohne Erfolg. (mit utz)

    Der Forstgehilfe Johann Schwab wurde durch einen Schuss getötet. Ob es je Festnahmen gegeben hat, ist unklar. Offenbar gab es aber eine Spur. Ein Marterl erinnert an die Tat.
    Der Forstgehilfe Johann Schwab wurde durch einen Schuss getötet. Ob es je Festnahmen gegeben hat, ist unklar. Offenbar gab es aber eine Spur. Ein Marterl erinnert an die Tat. Foto: Klaus Utzni
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