Von Beginn an stand das Thema „Windkraft in Bobingen“ unter keinem guten Stern. Die Kommunikationsstrategie der Stadt war, gemessen an der Wichtigkeit des Projektes, von Anfang an wenig professionell. Bekannt wurden die Pläne zu den geplanten Windkraftanlagen in Burgwalden eher zufällig. Auf einer Stadtteilversammlung der CSU im Ortsteil Reinhartshausen zeigte Bobingens Bürgermeister Klaus Förster, „aus Versehen“, wie er später erklärte, eine Zeichnung eines Münchner Planungsbüros. Dazu sagte er, dass das nur eine Zeichnung ohne größere Aussagekraft sei. Doch jetzt, rund zwei Jahre später, ist es exakt dieses Büro, das federführend bei dem Projekt ist.
Die Stadt Bobingen hatte sich an das Haus Fugger gewandt
In der Anfangszeit des Projektes war die allgemeine Lesart, dass Alexander Erbgraf von Fugger-Babenhausen, seit 2008 Chef des immensen Forst-Landwirtschafts-und Immobilien-Besitzes der Kaufmanns-Dynastie, plane, in Burgwalden Windräder zu bauen. Bei der jüngsten Informationsveranstaltung in der Bobinger Stadthalle sagte dazu Georg Vill als Vertreter des Hauses Fugger, dass die Stadt Bobingen von sich aus auf das Haus Fugger zugekommen sei.
Die Pressesprecherin der Stadt Bobingen, Eva-Maria Gürpinar, erklärte dazu auf Nachfrage: „Nach einem einstimmigen Beschluss des Bobinger Stadtrats, Windenergieprojekte grundsätzlich zu ermöglichen, hat sich die Stadt Bobingen proaktiv an das Haus Fugger gewandt. Ziel war es, sicherzustellen, dass die Flächen nicht an externe Konzerne vergeben werden, sondern dass eine nachhaltige Nutzung der Flächen mit Bürgerbeteiligung und regionaler Wertschöpfung im Sinne der Bürgerschaft gewährleistet wird.“ Zu diesem Zeitpunkt hätten dem Hause Fugger bereits Anfragen von Investoren vorgelegen, die Interesse an der Pachtung von entsprechenden Waldflächen gezeigt hätten, so Gürpinar. Allerdings habe, wie von Herrn Vill am Informationsabend erwähnt, das Haus Fugger von Anfang an sein Eigeninteresse an einem schonenden Bau der Windenergieanlagen betont.
Zweiter Bürgermeister kritisiert Informationsveranstaltung in Bobingen
Kritik am Ablauf der Informationsveranstaltung gab es auch zwei Tage später in der Stadtratssitzung vom Zweiten Bürgermeister der Stadt Bobingen, Armin Bergmann (SPD). Er hielt es für problematisch, dass zunächst auf der Bürgerversammlung Fragen zum Thema Windkraft nicht zugelassen worden waren. Dies sei mit dem Verweis auf die eine Woche später stattfindende Informationsveranstaltung geschehen. „Das hat den Eindruck erweckt, dass es im Rahmen dieser Veranstaltung Gelegenheit geben werde, Bedenken und Vorbehalte gegen die Anlagen zu äußern.“ Doch das sei dann vor Ort unterbunden worden.
Bergmann selbst habe die Veranstaltung als sehr informativ empfunden. Trotzdem sah er den Ablauf als problematisch an. „Es entsteht der Eindruck, dass uns der Mut fehlt, uns mit den Kritikern auseinanderzusetzen.“ Bürgermeister Klaus Förster antwortete auf diese Vorwürfe, dass die Bürgerinnen und Bürger mittlerweile genügend Gelegenheiten gehabt hätten, ihre Einwände vorzubringen. Wörtlich sagte er: „Ich wollte keine „Jetzt red i“-Veranstaltung.“ Michael Ammer, Dritter Bürgermeister der Stadt, fragte nach, ob es möglich wäre, da zwei Anlagen laut Planung direkt auf der 1000-Meter-Grenze stehen würden, die Planung noch einmal zu verändern. Dazu sagte Förster, dass dies nicht möglich sei, da dann die Planung dieser Anlagen, inklusive der Freigabe durch die Bundeswehr, wieder von vorne beginnen würde. Allerdings sei immer noch nicht sicher, dass wirklich zehn Anlagen gebaut werden. Da jede Windkraftanlage einzeln genehmigt werden müsse, könne es immer noch sein, dass letztlich weniger Anlagen gebaut werden.
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