Augsburger Geschichte

28.02.2019

Vom Klostergarten zum Holbein-Campus

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2 Bilder
Der Hallhof (jetzt Hallstraße) und die 1808 fertiggestellte große Zollhalle (links) vor fast 200 Jahren. Der einstige Hof soll zum Holbein-Campus umgewandelt werden.

Vor zehn Jahren wurde die Idee für eine verkehrsberuhigte Hallstraße geboren. 1200 Gymnasiasten warten auf ihre „Piazza“.

Es gibt in Augsburg seit 2009 den Bebauungsplan Nr. 500. Er enthält unter anderem den Umbau der Hallstraße. Das Ziel: Verkehrsberuhigung, kein Durchgangsverkehr mehr und Umwandlung der 35 Meter breiten Straße zum „Holbein-Campus“. Die Hallstraße soll zur „Piazza“ des Holbein-Gymnasiums werden. Zu beiden Seiten liegen die Schulgebäude, verbunden durch einen Tunnel unter der Hallstraße. Wo oberirdisch der Verkehr läuft, sollten längst Bäume stehen. Dies hatte im Januar 2009 das Holbein-Gymnasium dem Stadtrat vorgeschlagen.

Der Vorschlag fand bei der Fraktion der „Grünen“ Gehör: Sie beantragte im Februar 2009 bei Oberbürgermeister Kurt Gribl die Prüfung der Idee. Sie fand weitere Befürworter, sodass ein Verfahren in Gang kam. Am 9. Dezember 2010 stimmte der Bau- und Konversions-Ausschuss einem „Realisierungs-Wettbewerb zur Neugestaltung der Hallstraße“ zu. Am 14. Mai 2011 fand ein Workshop mit Beteiligung von „Holbeinern“ und Stadträten statt. Am 13. Juli 2011 erhielten sieben Landschaftsarchitekturbüros die Unterlagen für den Wettbewerb, am 12. Oktober 2011 tagte das Preisgericht.

Hallstraße würde zu einer grünen "Piazza"

Den mit 8000 Euro dotierten ersten Preis errang die Professorin Bü Prechter, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin. Ihr Plan sieht Baumreihen und einen Platz in der Straßenmitte vor. Die Hallstraße würde teilweise eine grüne „Piazza“ werden – jedoch nicht völlig autofrei. Der Verkehr müsse sich dem 35 Meter breiten „Holbein-Campus“ unterordnen. In den Pausen könnten Autos ausgesperrt werden. Der neue Königsplatz minimierte das Verkehrsaufkommen von 9000 Autos vor dem Umbau auf etwa 1800 pro Tag.

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Die Preisträgerin bekam im Dezember 2012 den Auftrag zur Ausarbeitung eines Vorentwurfs. Nach vielen Abstimmungsrunden wurde dieser Vorentwurf im Dezember 2014 vom Bauausschuss abgesegnet. Danach lag das Projekt fast drei Jahre auf Eis. Der Grund: Es stand kein Geld für die endgültige Entwurfsplanung zur Verfügung! Erst im Frühjahr 2018 gab es dafür Mittel. Seither gehen die planerischen Vorbereitungen für den „Holbein-Campus“ weiter. Zur baulichen Umsetzung des auf mindesten fünf Millionen Euro veranschlagten Projekts sind weitere Entschlüsse und vor allem finanzielle Mittel nötig. Die etwa 1200 Holbein-Gymnasiastinnen und -Gymnasiasten warten auf ihren „Campus“.

Wird die Hallstraße wieder grüner, hat das Tradition: Hier lag bis vor 212 Jahren der Garten des Dominikanerinnen-Klosters St. Katharina. Die zum Teil 500 Jahre alten ehemaligen Klostergebäude beherbergen das Holbein-Gymnasium. Dazu gehört seit 1956 das einstige Zollgebäude an der Südseite der Hallstraße. Das Königreich Bayern hatte es im Klostergarten errichten lassen. Am 6. November 1808 wurde der Großbau in Betrieb genommen. Gusseiserne Staatswappen und das Monogramm von König Max I. Joseph erinnern noch an den Bauherrn.

In dem Gebäude wurde registriert, verzollt, versteuert und gelagert

Für die Zufahrt wurden 1807 Stadtmauer und Zwinger durchbrochen, über den Stadtgraben eine Brücke geschlagen und das „Halltor“ errichtet. „Alle zu behandelnden Güter, Waren und Effekten müssen durch das allein zu diesem Zwecke eröffnete sogenannte Halltor eingeführt werden“, lautete die Anweisung an die Spediteure. Die schwer beladenen Pferdefuhrwerke fuhren in „Hallhof“ ein. Im Freien und in der Halle wurden sie entladen oder beladen. In dem 37 Meter langen Staatsgebäude mit weiten Rundbogenportalen wurde registriert, verzollt, versteuert und gelagert.

Bis 1818 war für Fußgänger der Durchgang über den Hallhof zwischen Maximilianstraße und Halltor verboten. Im Jahr 1867 wurde der Stadtgraben verfüllt, 1878 verschwand das kleine Halltor. Die Verbindung zwischen Hallhof und Maximilianstraße bildete 70 Jahre lang lediglich eine Hausdurchfahrt. Erst nach Abbruch der Hälfte des Gebäudes öffnete sich der Zollhof in voller Breite zur Maximilianstraße. 1881 wurde aus dem „Hallhof“ die „Hallstraße“.

Das säkularisierte Dominikanerinnenkloster vis-à-vis der Güterhalle war 1833 zum Domizil der Polytechnischen Schule geworden. Von ihr leitet das Holbein-Gymnasium seine Schultradition her. Seit 63 Jahren ist das ehemalige Zollgebäude an der Südseite der Hallstraße Teil des Holbein-Gymnasiums. Ein unterirdischer Gang verbindet den „Altbau“ und den „Neubau“, wie die beiden Häuser im Schuljargon heißen.

Vier Sandsteinfiguren sucht man heute vergeblich

Stiche, Zeichnungen und Fotos überliefern das Halltor, die Brücke über den Stadtgraben, die Südfassade des einstigen Klosters und das repräsentative klassizistische Zollgebäude. Die vier auf den Bildern erkennbaren Sandsteinfiguren auf der Dachkante sucht man dort heute vergeblich. Sie stehen einen Steinwurf entfernt im Garten des Schaezlerpalais. Die vom Augsburger Bildhauer Johann Michael Haff geschaffenen Allegorien des Glücks, des Reichtums, des Handels und des Fleißes sind stark verwittert. 210 Jahre Freiluft-Aufenthalt haben die Sandstein-Damen ihres einstigen Charmes beraubt.

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