Die olympische Zeit ist eine besondere. Für Athleten und Athletinnen, für Fans, aber auch für Beobachter. Weil in den wilden Sporttagen viel los ist. Weil viel passiert, an verschiedenen Standorten und in unterschiedlichen Sportarten. Es gibt Enttäuschungen und Glücksmomente. Im Idealfall aber auch nette Begegnungen. Dafür soll Olympia ebenfalls stehen. Wobei das bei den über Norditalien verstreuten Winterspielen diesmal nicht so leicht war.
Mit Arnd Peiffer in der Loipe
Der Schnee fällt ununterbrochen vom Himmel. Der Himmel ist grau, die Sicht nicht gut. Aber das ist doch Arnd Peiffer, der da entgegenkommt? Ist er tatsächlich. Der Olympiasieger im Biathlon, der wenige Tage zuvor seine Goldmedaille für die Staffel in Sotschi im Stadion von Antholz bekommen hatte. Am freien Biathlon-Tag ist Peiffer selbst in der Loipe unterwegs. Er quält sich durch den Tiefschnee, seine Technik ist noch immer perfekt. Er erzählt vom Sonntag, von der besonderen Atmosphäre der Siegerehrung. Und davon, wie er und seine Teamkollegen am Abend noch im Südtirolerhaus begrüßt wurden. Und vom Abend später, als das Quartett im Deutschen Haus in Cortina d’Ampezzo empfangen wurde. Dort aber waren sie nur wenige von vielen.
Mit Bob Jamaika neben dem Eiskanal
Shane Pitter und Junior Harris tragen ihren Helm unter dem Arm. Wie echte Profis. Kurz zuvor sind ihre Kollegen aus Trinidad und Tobago durch die Begegnungsstätte mit den Journalisten spaziert. Sie müssen oft stehenbleiben, ihre Geschichte erzählen. Weniger davon, wie sie sich im Eiskanal gefühlt haben, wie ihre Fahrt war. Sportlich spielen sie (noch) keine Rolle. Interessanter ist, wie sie ausgerechnet in den Bob gefunden haben. Wie sie sich erklären ließen, was ein Bob überhaupt ist. Und wie man ihn am schnellsten durch den Eiskanal fährt. Sie gehören zu den Exoten der Spiele. Und träumen davon, irgendwann Olympiasieger zu werden. Es wäre eine schöne Geschichte.
Mit Steinmeier und Baerbock beim Eishockey
Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war gleich zu Beginn der Spiele vor Ort. In Mailand tauchte er plötzlich beim Eishockey der Frauen auf. Das deutsche Team gewann gegen Japan. Mit im Tross von Steinmeier waren seine Frau und Annalena Baerbock, die Präsidentin der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Steinmeier fieberte auf der Tribüne mit. Umringt war der Bundespräsident von zahlreichen Personenschützern. Drei Tage blieb er in Norditalien. Auch andere Politiker unterstützten das deutsche Team. Vizekanzler Lars Klingbeil, Verteidigungsminister Boris Pistorius und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Sie alle sind Befürworter einer deutschen Olympiabewerbung. Steinmeier aber stellte klar, dass er 2036 für einen inakzeptablen Termin hält – 100 Jahre nach den Nazispielen von Berlin.
Mit den Shuttles in Italien unterwegs
Olympia war über Norditalien verteilt. Dass die Wege weit sein würden, war klar. Überraschend war, dass das Shuttlesystem nicht so reibungslos funktionierte wie bei den vergangenen Spielen in Peking oder Pyeongchang. Viele Busfahrer in Italien schienen den Fahrplan eher als Empfehlung zu betrachten. Mit der Folge, dass Busse erst gar nicht auftauchten. Andere haben ihre normalen Einsatzorte in Rom oder Sizilien, was sich in mangelnder Ortskenntnis in Norditalien zeigte. Und wieder andere verspürten wenig Lust, an klar gekennzeichneten Haltestellen zu stoppen. Sie fuhren lieber mit gefühlt 80 Stundenkilometern weiter. Was zu vielen Laufkilometern führte. Immerhin der eigenen Fitness tat das gut.
Mit dem deutschen Team im Olympischen Dorf
In Mailand stand eines der beiden Olympischen Dörfer. Fast 2000 Sportlerinnen und Sportler waren dort untergebracht. Kurz vor Beginn der Spiele öffneten sich die Türen der Wohnblöcke, die nach den Spielen als Studentenwohnungen genutzt werden. Von Team Deutschland schliefen hier die Eishockey-Teams, die Eisschnellläufer und Eiskunstläufer. Klein sind die Zimmer, ohne Fernseher. Zwei Betten passen gerade so rein. Für ein bisschen Gemütlichkeit muss jeder selbst sorgen. Die Kantine des Dorfes ist rund um die Uhr geöffnet, das Fitnessstudio auch. Das zweite Dorf in Cortina d’Ampezzo war außerhalb in der Nähe eines Waldes aufgebaut. Temporäre Holzhütten dienten als Unterkunft. Ablenkungsmöglichkeiten gab es dort kaum. Wohl auch ein Grund, weshalb die 10.000 unter den Athleten verteilten Kondome in Cortina schnell aufgebraucht waren.
Mit Lindsey Vonn leiden
Das Kreuzband war gerissen. Das andere Knie wird von einem künstlichen Gelenk unterstützt. Und doch wollte Lindsey Vonn unbedingt noch einmal bei Olympia starten. Die US-Amerikanerin hielt das für eine gute Idee. Die allerdings ging am ersten Olympiasonntag nur wenige Tore gut. Die 41-Jährige stürzte brutal, es war der Schockmoment dieser Spiele. Ungläubig schauten sich die Menschen an. Manche schlugen die Hände vors Gesicht. Vonn schrie vor Schmerzen. Sie wurde umgehend mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Mittlerweile ist sie zurück in den USA, ihr verletztes Bein wurde zum fünften Mal operiert. Was eine Heldengeschichte werden sollte, wurde zum Drama. Zur alpinen Heldin wurde eine Italienerin. Eine, die ebenfalls ein kaputtes Knie und einen krummen Unterschenkel hat. Wegen eines schweren Sturzes. Trotzdem gewann Federica Brignone Gold im Super-G und Riesenslalom. Ein Heldenstück.
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