Königsbrunn

23.01.2019

Eine Schule der Zukunft

Tablets im Unterricht gehören zum Modellprojekt "Digitale Schule 2020" dazu.
Bild: Ulrich Wagner (Symbolbild)

Das Gymnasium Königsbrunn testet, was Digitalisierung in der Schule möglich macht und wo die Grenzen sind.

Bänke, grüne Schiefertafel, Merkzettel an der Wand - so richtig digital wirkt das Klassenzimmer auf den ersten Blick nicht. Doch dann zeigt Helmut Deuringer vom Gymnasium Königsbrunn auf ein Pult in der Ecke. "Das ist unser digitales Stehpult", sagt er. Ausgestattet mit Bildschirm, Tastatur und Dokumentenkamera lässt sich vom Pult aus sämtliches Unterrichtsmaterial an die Wand projizieren. Statt an die Tafel kann der Lehrer mit einem Stift auf den Bildschirm schreiben. Hausaufgabenhefte können abfotografiert und gemeinsam verbessert werden. "In den meisten unserer Klassenzimmer stehen solche Pulte", sagt Deuringer.

Das Gymnasium Königsbrunn (Kreis Augsburg) ist eine von zwanzig Schulen in Bayern, die am Modellprojekt "Digitale Schule 2020" teilnehmen. Gestartet und finanziert von der Stiftung Bildungspakt Bayern soll die Digitalisierung an bayerischen Schulen getestet und vorangetrieben werden. Mithilfe des Projekts sollen Konzepte entwickelt werden, wie digitale Technik im Unterricht, aber auch in anderen schulischen Bereichen wie der Verwaltung sinnvoll eingesetzt werden kann. "Es ist noch alles in der Testphase", sagt Deuringer, der als Mitglied der Schulleitung das Projekt betreut. "Aber wir sind schon sehr gut ausgestattet." Das digitale Stehpult ist nur ein Beispiel.

Kinder bearbeiten Arbeitsaufträge digital

In ein paar Unterrichtsräumen gibt es bereits gesichertes WLAN. Manche Klassen arbeiten überwiegend mit Tablets oder Laptops. "Der Lehrer fungiert dann mehr als Moderator, der Arbeitsaufträge verteilt, die die Kinder digital bearbeiten", sagt Deuringer. In Fortbildungen erfahren Lehrer, wie sie ihren Unterricht effektiv digital gestalten können. "Das wird sehr gut angenommen", sagt Deuringer. Jüngere Lehrer hätten eine höhere Technikaffinität, aber auch ältere Lehrkräfte seien offen, sich dahingehend weiterzubilden.

Nicht nur im Unterricht, auch in der Verwaltung hat sich am Königsbrunner Gymnasium bereits einiges getan. Ist ein Lehrer krank oder ändert sich etwas am Stundenplan, können die Schüler das auf einem Monitor in der Aula oder über eine Handy-App sehen. Außerdem testen die siebten Klassen gerade ein digitales Bezahlsystem. Über das sollen die Schüler zukünftig bargeldlos ihr Pausenbrot bezahlen können. Doch bei aller Liebe zur Digitalisierung ist Deuringer eines wichtig: "Wenn man etwas Neues einführt, muss es Hand und Fuß haben." Digitalisierung mache nur Sinn, wenn alle - Schüler, Lehrer und Eltern - etwas davon haben.

Ganz auf die Tafel verzichten möchte Lehrer Helmut Deuringer nicht

Der Einsatz von technischen Hilfsmitteln wirke sich oft motivierend auf die Schüler aus. "Es ist super, wenn ihnen das Lernen dann mehr Spaß macht", sagt Deuringer. Trotzdem plädiert er für eine Mischung. "Ich möchte auf die grüne Tafel nicht verzichten." So gibt es neben Whiteboards und digitalen Stehpults immer noch die klassische Tafel. Und die Schüler müssen meist noch selbst mitschreiben. "Schreiben zu können, gehört einfach zur Grundlage", findet Deuringer.

Manche Eltern stünden den Projektvorhaben skeptisch gegenüber. "Da braucht es viel Information", weiß Deuringer. Aber manch digitales Unterrichtskonzept scheitert auch am Königsbrunner Gymnasium schlicht an der technischen Umsetzung. "Wir haben noch kein flächendeckendes WLAN, das ist manchmal ein Problem", sagt Deuringer. Doch die Einrichtung einzelner WLAN-Zonen ist in Planung.

Und was noch? Deuringer hat schon ein paar Ideen: Schulbücher digitalisieren oder Schulaufgaben nicht mehr in Akten, sondern digital speichern. Das wäre die Zukunft am Königsbrunner Gymnasium.

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