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Andreas Schmid Lab
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Architekten der Logistik von morgen

Dr. Michael Hofmann, Gesch ftsführer des Andreas Schmid Lab (l.) und Alessandro Cacciola, CEO der Andreas Schmid Group, setzen sich ein für Innovation aus dem eigenen Unternehmen heraus – und führen damit die Logistik in die Zukunft.
Foto: Bernd Jaufmann

Frischer Wind in einem etablierten Unternehmen: Dafür sorgt das Andreas Schmid Lab. Wie man am Puls der Zeit bleibt und die Logistik in die Zukunft führt, wissen Dr. Michael Hofmann (Geschäftsführer Andreas Schmid Lab) und Alessandro Cacciola (CEO Andreas Schmid Group).

Herr Dr. Hofmann, wie schätzen Sie das aktuelle Innovations-Ökosystem der Region ein?

Dr. Michael Hofmann: Für mich besteht das aus drei Komponenten: Zum einen sind die Universität und die Hochschule Augsburg besonders wichtig. Wir stehen in engem Austausch mit beiden und beteiligen uns beispielsweise an Förderprogrammen wie dem HSA_funkenwerk, die sich um die Ausgründung junger Unternehmen kümmern. Auch das StartHub der Universität Augsburg leistet einen wichtigen Beitrag, um die Innovation in der Region anzukurbeln. Zum anderen gibt es Netzwerke wie Rocketeer oder „Augsburg gründet!“, die über verschiedene Kanäle Meinungsmacher miteinander verknüpfen und eine Community schaffen. Und dann sind da noch die Personen oder Unternehmen, die die nötige finanzielle Unterstützung zur Verfügung stellen können – sei es in Form von privatem Kapital oder mit öffentlichen Geldern. Ich denke da an Unternehmen wie die Andreas Schmid Group oder das Digitale Zentrum Schwaben.

Herr Cacciola, ist der Augsburger Mittelstand denn bereit für ein digitales und automatisiertes Zeitalter?

Alessandro Cacciola: Wir sind auf einem guten Weg. Es bewegt sich viel, wir haben verschiedenste Initiativen in und um Augsburg. Und die Unternehmen aus der Region ziehen durchaus mit. Mit dem Rocketeer Festival wurde dem Ganzen nun auch noch die notwendige Bühne gegeben. Hier konnten sich die Besucher vernetzen und austauschen, Initiatoren von Förderprogrammen trafen auf etablierte Unternehmer und junge Gründer. Für mich besonders spannend: Der Enthusiasmus war dort spürbar. Wir müssen uns in der Region Augsburg also wirklich nicht verstecken. Aber natürlich gibt es noch Luft nach oben.

Die Logistik ist eine hart umkämpfte Branche. Das Rennen gewinnt nur der mit den effizientesten Prozessen.

Dr. Michael Hofmann, Andreas Schmid Lab

Ihre Unternehmensgruppe selbst gründete das Andreas Schmid Lab. Warum diese Innovationseinheit für einen Logistiker?

Dr. Michael Hofmann: Das AS Lab hat im Wesentlichen zwei Aufträge: Zum einen sollen die bestehenden Geschäftsfelder der AS Group optimiert und digitalisiert werden. Das passiert durch Einsetzen neuer Technologien, durch Digitalisierung von Prozessen und durch die bessere digitale Zusammenarbeit mit Partnern am Markt. So bleiben wir nicht stehen, sondern entwickeln uns ständig weiter. Daneben bauen wir im AS Lab komplett neue Geschäftsfelder auf und tragen somit zur Diversifikation der Gruppe bei. Das passiert wiederum auf zwei Arten: mit Minderheitsbeteiligungen an Start-ups, also klassisches Corporate Venture Capital. Und durch das Ausgründen eigener Geschäftsfelder, sprich Company Building. Ein Beispiel dafür ist das Projekt AS Drone Services. Kurz gesagt: Die Geschäftsfelder, die wir im AS Lab entwickeln, bereichern die Logistik von morgen.

Neue Innovationen, ein ständiger Wandel: Wo sehen Sie die größten Trends für die Logistikbranche?

Alessandro Cacciola: Da gibt es einige. Lassen Sie mich drei große hervorheben. Zum einen Big Data: Daten werden für die Effizienz immer wichtiger. Sie beantworten die Frage, wann wo welcher Bedarf herrscht – und wie dieser in höchster Geschwindigkeit bei kleinstmöglichem Ressourcenverbrauch gedeckt werden kann. Alle Akteure entlang der Supply Chain werden immer besser miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt. Mit Robotik als weiterem Trend wird die Produktivität entlang der Wertschöpfungskette gesteigert und die manuelle Arbeit erleichtert werden. Autonomes Fahren entwickelt sich ebenfalls in rasanter Geschwindigkeit weiter, auch wenn der Mensch selbst künftig noch nicht ganz aus den Fahrzeugen wegzudenken ist. Lediglich unser Tätigkeitsspektrum während der Fahrt wird sich weiterentwickeln und uns mittelfristig besonders auf weniger komplexen Strecken neue Möglichkeiten fernab des Lenkens und Schaltens eröffnen.

Wie steht es um die Innenstadtlogistik? Manche Städte sollen komplett autofrei werden – ist das überhaupt möglich?

Alessandro Cacciola: Auf jeden Fall und da sind wir auch schon einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Denn natürlich müssen Waren an den Adressaten überbracht werden, da auch der beste Algorithmus noch keine Waren befördern kann. Wir beliefern beispielsweise bereits seit etwa zwei Jahren unseren Microhub in der Innenstadt mit klimaneutralen, in diesem Fall gasbetriebenen, LKWs. Ab da übernehmen Fahrer mit E-Fahrrädern, etwa in der Augsburger Altstadt. Das ist umweltschonend und ein wichtiger Teil der Urban Logistics. Dieses Microhub-Konzept wird zukünftig immer wichtiger werden und gemeinsam mit weiteren neuen Konzepten das Verkehrsaufkommen in den Innenstädten entlasten und zu einer weiteren Reduktion der CO2-Emissionen führen.

Wie holt das AS Lab diese Innovationen in die Unternehmensgruppe?

Dr. Michael Hofmann: Zum einen beschäftigen wir uns intensiv mit Studien und stehen in engem Austausch mit den Hochschulen. So sind wir direkt am Puls der Zeit. Zum anderen scouten wir im Jahr etwa 900 Start-ups. Dadurch sind wir ganz nah dran an innovativen Technologien, können unser eigenes Know-how einbringen und sehen, wohin die Reise gehen wird. Und wir haben ein Programm entwickelt, bei dem unsere Mitarbeiter eigene Ideen für mögliche Geschäftsfelder einbringen können. Stellen sich diese als erfolgversprechend heraus, gründen wir sie aus und die Mitarbeiter werden mit einem Eigenkapitalanteil daran beteiligt.

Luftiger Dienstleister: AS Drone Service

Industriedrohnen als Dienstleistung: Das ermöglicht die Andreas Schmid Group ihren Kunden mit AS Drone Services. Besonders in Anwendungsfeldern wie Sicherheit, Überwachung und Vermessung kommen die modernen Fluggeräte bereits zum Einsatz. Mit Thermalkamera, Suchscheinwerfer und 360-Grad-Blick können somit selbst weitläufige Betriebsgelände überwacht werden. Und ein weiteres Ziel: auch den Gütertransport mittels Drohne zu ermöglichen.

Best Practise: Entwicklungspartnerschaft mit RYTLE

Der wohl herausforderndste Teil der Logistikkette? Die letzte Meile. Gemeinsam mit RYTLE optimiert die Netzwerkspedition bei AS daher die Zustellung auf der Last Mile. Per App werden intelligente Routen für die E-Cargo-Bikes ­bereitgestellt, sodass Lieferungen auch in der Innenstadt noch schneller und dabei emissionsfrei ans Ziel kommen.

Venture Clienting bei Andreas Schmid

Früh mit neuen Technologien in Berührung kommen: Das ermöglicht Venture Clienting. Dafür investiert die Unternehmensgruppe in junge Start-ups nicht nur auf finanzieller Ebene, sondern bietet sich für innovative Lösungen auch als Pilotkunde an, vor allem im Bereich der Logistik. Der Vorteil für das Start-up liegt auf der Hand: wertvolle Erfahrungswerte zu realen Bedingungen. Der Vorteil für ein etabliertes Unternehmen wie Andreas Schmid: in einer hart umkämpften Branche technologische Innovationen gleich zu Beginn einzusetzen.

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