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Vierschanzentournee

30.12.2017

Andreas Wellinger: Der Schafkopf-Meister mit dem lausigem Blatt

Einen durchwachsenen Auftakt der Vierschanzentournee erwischte Andreas Wellinger. Bei schlechten Verhältnissen landete der 22-Jährige in der Qualifikation auf Platz 14.
Bild: Ralf Lienert

Andreas Wellinger ist der Stimmungsmacher im deutschen Team. Beim Qualifikationssieg von Richard Freitag verhagelte es dem Ruhpoldinger aber die gute Laune.

Andreas Wellinger gibt sich in diesen Tagen als Genussmensch. Er habe Weihnachten genossen – mit „jeder Menge Platzerl“. Er genieße die Vorfreude auf die Tournee, „weil es Spaß macht, Skisprung-Deutschland zu repräsentieren“. Und er genieße die tolle Stimmung in der Mannschaft. Den viel beschworenen neuen Teamgeist kann aber auch der 22-Jährige vom SC Ruhpolding nicht so recht erklären. Es gebe da nix Besonderes. Man sei eine große Wohngemeinschaft, sitze 250 Tage von sieben Uhr morgens bis spät in der Nacht aufeinander. Und da werde bisweilen viel geflachst: „Je blöder man sich anmacht, desto besser versteht man sich“, sagt Wellinger. „Das ist vielleicht unser Geheimnis.“.

Wie ehedem die österreichischen Super-Springer Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer vertreiben sich die Deutschen ihre Freizeit mit Schafkopfen. Und da sei, behaupten die Mannschaftskollegen unisono, nun einmal unbestritten Andreas Wellinger der Beste. Dass die Stimmung ausgerechnet jetzt so gut ist, da der langjährige Teamleader Severin Freund wegen eines Kreuzbandrisses nicht dabei ist, misst Wellinger keine Bedeutung zu. „Wir können das ja nicht ändern und machen das Beste daraus.“ Freund, der vor zwei Jahren das Auftaktspringen gewonnen hatte, war am Freitaglive dabei und leistete moralischen Beistand, auf dass es mit dem lange ersehnten ersten deutschen Gesamtsieg 16 Jahre nach Sven Hannawald klappen möge.

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Bild: Daniel Karmann, dpa

Wellingers Tournee-Bilanz liest sich eher dürftig. Als Debütant wurde er 2013 Neunter, ein Jahr später Zehnter. Auch nach seiner verletzungsbedingten Pause stieß er mit den Rängen zwölf und in der Vorsaison 22 nicht in die Weltspitze vor. Da klang es doch zuversichtlich, dass der Weltcup-Zweite Wellinger vor seinen ersten Sprüngen in Oberstdorf Optimismus verbreitete: „Die Vorbereitung war besser als in den letzten Jahren. Jetzt müssen wir sehen, was auf der Ergebnisliste steht.“ Hatte Wellinger da schon eine Vorahnung? Zwar genoss der Mixed-Weltmeister von Lahti auch am Freitag die Qualifikation („Die Stimmung ist einmalig“), er gehörte allerdings zu den drei Topspringern, denen der plötzlich auffrischende Rückenwind einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machte.

Wellinger reagierte nach seinem Sorung geknickt

„Plus 16 Punkte für den Wind zu bekommen, macht weniger Spaß“, sagte Wellinger geknickt und musste sich damit trösten, mit 120,5 Metern nur auf Rang 14 der Qualifikation zu landen. Auch der letztjährige Tournee-Sieger Kamil Stoch (Polen/118 Meter) und Daniel Andre Tande (Norwegen/119,5) erwischten katastrophale Verhältnisse und müssen sich heute ab 16.30 Uhr im ersten Durchgang gegen starke Gegner in den K.-o.-Duellen durchsetzen. Ganz am Ende der gestrigen Qualifikation stand Topfavorit Richard Freitag oben auf dem Balken. Trainer Schuster schüttelte den Kopf, die Jury debattierte lange und entschied sich dann für einen längeren Anlauf. Freitag blieb cool, bewies trotz großer mentaler Belastung, dass er seine Form während der Weihnachtspause nicht verloren hat und sprang trotz immer noch schlechter Windverhältnisse gewohnt. Mit 130,5 Metern gewann der 26-jährige Sachse, der seit Sommer in Oberstdorf trainiert, die Qualifikation und untermauerte seine Favoritenrolle.

Die Organisatoren in Oberstdorf strahlten am Freitag um die Wette – auch wenn sie wegen starker Schneefälle schon morgens um halb sechs mit dem Schneeräumen beginnen mussten. Die Qualifikations-Rekordkulisse von 14400 Zuschauern und die Top-Sprünge von Freitag und Lokalmatador Karl Geiger auf 133,5 Meter ließen den sonst zurückhaltenden Oberstdorfer Bürgermeister Laurent Mies jubeln: „Wir müssen uns alle kneifen, um zu verstehen, dass heute nur Quali ist und wir am Samstag noch einen drauflegen können.“ Der Rucksack von Geiger, der in einem deutsch-deutschen Duell auf Andreas Wank trifft, wird dadurch nicht leichter.

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