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Olympische Spiele
26.07.2021

Medaillengewinner Tasiadis: "Man darf einfach nie aufgeben"

Im Zieleinlauf wusste der Augsburger Canadierfahrer Sideris Tasiadis, dass ihm ein guter Lauf geglückt war. Trotzdem musste er noch drei weitere Starter abwarten, bis klar war, dass er die olympische Bronzemedaille gewonnen hat.
Foto: Jan Woitas, dpa

Der Augsburger Sideris Tasiadis gewinnt trotz eines Fehlers Bronze im Canadier-Einer. Als er ins Ziel kommt, beginnen bange Minuten des Wartens. Die übersteht der Sportler deutlich cooler als der Chef-Bundestrainer.

Es gibt sicher angenehmere Situationen, als die, in der Sideris Tasiadis am Montagnachmittag steckte. Als aktuell Dritter stand er in einem kleinen Zelt, in dem die drei Besten auf einen Bildschirm starrten. Ähnlich wie im Skisport gibt es in Tokio diese Leadersbox für die Führenden im Klassement. Das Problem: Drei Konkurrenten warteten zu diesem Zeitpunkt noch oben am Start. Wäre nur einer schneller gewesen, Tasiadis wäre aus den Medaillenrängen geflogen.

Sideris Tasiadis gewinnt Bronze im Canadier-Einer

Später sagte der Slalomkanute, er habe die Hoffnung nie aufgegeben und immer an seine Chance geglaubt. „Die anderen Jungs müssen auch erst mal runter fahren und es besser machen. Da kann immer was passieren, das geht schnell bei uns.“ Um seinen Hals baumelte da schon eine der schicken Bronzemedaillen, die aus der Nähe betrachtet überraschend groß und schwer sind. Denn tatsächlich patzten alle drei, die im Halbfinale noch die schnellsten Zeiten geliefert hatten. Damit war klar, dass Tasiadis seine zweite olympische Plakette – nach der silbernen aus London 2012 – sicher hatte. Olympiasieger im Canadier-Einer wurde Benjamin Savsek aus Slowenien, Silber ging an Lukas Rohan (Tschechien).

Die etwas anderen Siegerehrungs-Bilder: Sideris Tasiadis mit Bronzemedaille und Rot-Weiß-Gold-Mundschutz.
Foto: Jan Woitas, dpa

Sideris Tasiadis macht einen Fehler an Tor 19

Unter den Augen von IOC-Präsident Thomas Bach, der mit seinem Tross aber kurz vor der Siegerehrung weiter zog, zeigte vor allem Savsek einen überragenden Lauf. Das nötigte auch Tasiadis Respekt ab. „Er ist immer ein harter Konkurrent zu schlagen, diesmal ist er nahezu perfekt gefahren. Das muss man einfach anerkennen.“ Er selbst hatte wenige Minuten nach der Entscheidung längst seinen Frieden mit dem dritten Platz gemacht. „Natürlich war es mein Ziel, nach Gold zu greifen, wenn man schon als Weltranglistenerster nach Tokio fährt. Ich hatte es auch in der Hand, vielleicht wollte ich zu viel. Aber Medaille ist Medaille – und darum geht es bei Olympia.“

Dass es nicht Gold geworden ist, lag im wesentlichen an einem Fehler an Tor 19, „da habe ich drei Sekunden verloren. Das wusste ich in dem Moment, deswegen musste ich die letzten vier, fünf Tore noch mehr fighten. Man darf einfach nie aufgeben.“ Denn im Gegensatz zum ersten Eindruck von außen, hat es der Kurs in Tokio in sich. Wie in einem riesigen Pool wird das gechlorte Wasser mit gewaltigen Pumpen im Kreis bewegt. Durch die hohen Außentemperaturen hat es sich in den vergangenen Wochen auf Badewannentemperatur erwärmt. Was so angenehm aussieht, verwandelt sich durch blaue Plastikhindernisse in einen äußerst anspruchsvollen Kurs. In dem Durcheinander aus Walzen und Wellen müsse man sehr vorausschauend fahren, dozierte Tasiadis vor den Journalisten aus der ganzen Welt. „Wenn man hier schlechtes Wasser hat, kannst du schell zwei Sekunden verlieren und das holst du nicht mehr auf. Das ist die Schwierigkeit an der Strecke hier.“

Olympia ist für die Sportlerinnen und Sportler eine Gelegenheit ihren Sport zu präsentieren

Es ist selten, dass sich nationale und internationale Medien für Kanuslalom interessieren. Olympia ist für die Sportlerinnen und Sportler eine der wenigen Gelegenheiten, sich und ihren Sport zu präsentieren. Also wurde Tasiadis auch nach seiner Mischlingshündin Milou gefragt, die oft beim Training auf dem heimischen Eiskanal dabei ist. Ob es stimme, dass sie ihn seit vielen Jahren am Ufer begleite, wenn er fahre. Bereitwillig erzählte Tasiadis auch diese Geschichte. Dass Milou mit einem Fingerzeig von ihm wisse, auf welche Seite des Kanals sie müsse. Und dass es am Eiskanal sehr viel grüner und schöner sei für einen Hund als in Tokio. „Das ist schon alles sehr künstlich hier.“

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Ein paar Meter weiter stand da seit geraumer Zeit Chef-Bundestrainer Klaus Pohlen und beobachtete die Szenerie. Er sei bei weitem nicht so cool gewesen wie Tasiadis, alle im deutschen Team konnten nur noch warten und hoffen. „Das ist kein gutes Gefühl. Ich stelle fest, dass ich langsam zu alt werde für so was. Ich hatte fast schon nicht mehr mit einer Medaille gerechnet und dachte, dass es Platz vier oder fünf wird.“ So aber sei das ein Start nach Maß in die Wettbewerbe gewesen. 50 Prozent des selbst gesteckten Ziels seien bereits erreicht, „das nimmt auch ein bisschen den Druck aus der Mannschaft raus“.

Nächste Augsburger Medaillenhoffnung schon am Dienstag

Mit Ricarda Funk hat Pohlen schon an diesem Dienstag die nächste Medaillenkandidatin im Kajak-Einer am Start. Auch sie lebt und trainiert in Augsburg. Der Chef-Bundestrainer traut ihr einiges zu. „Sie ist gut drauf, gut vorbereitet.“ Alles deute auf einen Zweikampf zwischen Funk und Jessica Fox aus Australien hin. „Zwischen den beiden wird es entschieden. Natürlich zählt Ricarda zu den Favoriten, da brauchen wir jetzt nicht drumrumreden. Wie immer geht es aber darum, es an diesem Tag auf den Punkt zu bringen und seine Leistung abzurufen – dann passt das auch.“

Tasiadis ist genau das gelungen: Er hat seine Leistung auf den Punkt genau abgerufen. Das galt auch für die Fragerunde mit den Journalisten. Als er die Hundegeschichte fertig erzählt hatte, wurde er noch gefragt, ob es ihn denn nicht reize, seinen Medaillensatz mit Gold zu komplettieren. Die nächste Chance böte sich 2024 in Paris. Der Polizeiobermeister grinste und sagte: „Wir sehen uns in drei Jahren wieder.“

Kurz vor der Abreise nach Tokio waren Sideris Tasiadis und Hannes Aigner zu Gast im Podcast "Augsburg, meine Stadt". Hier können Sie die Folge anhören.

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