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Segeln
28.01.2021

Weltumsegler Boris Herrmann: Wenn der Neustart nach Fischkutter riecht

Wenige Seemeilen vor dem Ziel rammte Boris Herrmann einen Fischkutter. Damit waren die Siegchancen dahin.
Foto: Boris Herrmann, Screenshot Youtube

Boris Herrmann hat es geschafft: In 80 Tagen segelte er um die Welt. Das erinnert an Jules Verne. Dessen Held wurde aber nicht mit einem Fischkutter konfrontiert.

Weltumsegler Boris Herrmann. Wenn nicht in diesen Zeiten, wann denn dann: Sich einmal versichern, wie gut es mit jener Person auszuhalten ist, mit der am meisten gehadert wird. Die einem am häufigsten im Weg steht, wenn es darum geht, weitreichende Entscheidungen zu treffen oder einen dann von der Arbeit abhält, wenn sie doch unbedingt erledigt gehört. Der Mensch, der einem Tag für Tag aus dem Spiegel entgegenblickt.

Steht nicht gerade ein Lockdown an oder Quarantäne zwingt in die Isolation, treibt die Suche nach sich selbst in die Ferne. Yoga auf Bali, Meditation im Himalaya, Fährtenlesen in der Einöde Mecklenburgs.

Boris Herrmann bekommt bei der Vendée Globe keinen Gefährten spendiert

Boris Herrmann ließ Frau, Kind und Hund zurück, als Corona gerade mal nicht ins heimische Kokon zwang. Von der französischen Atlantikküste aus brach er auf, eins zu werden mit sich und den Wellen. Einmal rund um die Welt sollte ihn die Segel-Regatta Vendée Globe führen. Herrmann trotzte Winden und Einsamkeit. 80 Tage lang betrat er kein festes Land. Der Fantast Jules Verne spendierte seinem Helden Phileas Fogg bei dessen "Reise um die Erde in 80 Tagen" immerhin noch einen Helfer sowie eine Liebesgeschichte. Fogg erwehrte sich Bisons und einem übereifrigen Detektiv. Aber was ist das schon gegenüber den Herausforderungen Poseidons?

Herrmann dürfte sich seiner Endlichkeit einige Mal gewahr geworden sein. Ein einzelner kleiner Punkt inmitten nicht endenden Blaus. Die größte Gefahr allerdings tat sich auf, kurz bevor er den Zielhafen ansteuerte. Weder Kraken noch Seegang vermochten den Deutschen zu stoppen. Am 80. Tag seiner Reise kreuzte ein Fisch-Trawler seinen Weg. Herrmanns Träume zerschellten an dem 30 Meter langen Kutter. Bis dahin hatte er noch vage Chancen auf den Sieg gehabt. Die angeschlagene "Seaexplorer" schafft es anschließend noch ins Ziel – schwer getroffen von den ersten zivilisatorischen Ausläufern nach 80 Tagen maritimer Wildnis.

Wie weit einen die Suche nach sich selbst auch treibt, ob zum Känguru-Hüten ins australische Outback, Skorpione beschwören in der Sahara oder eben einmal rund um den Planeten in einem Boot: Irgendwann führt der Weg zurück. Mit der Selbstfindung hört der Lebensweg nur in den seltensten (und wenn dann unter Verwendung bewusstseinserweiternder Stimulanzien) Fällen auf. Nicht immer aber riecht der Neustart nach Fischkutter.

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