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Erinnerung an den Kaiser: Wenn Franz auf Franz trifft

Kommentar Von Franz Neuhäuser
09.01.2024

Eine persönliche Erinnerungen unseres Redakteurs Franz Neuhäuser an seine Begegnungen mit Franz Beckenbauer.

Wenn ein Großer geht, melden sich die Kleineren zu Wort. Man könnte meinen, sie alle wären seine guten Freunde gewesen. Auf Franz Beckenbauer und mich trifft das nicht zu.

Bei der EM 1988, der WM 1990, bei Bayern-Spielen, da habe ich ihn oft gesehen. Er mich eher nicht. Für ihn war ich meist nur Teil der Journalisten-Menge, die ihn umringt hat. Persönlich begegnet waren wir uns erstmals im Bierzelt. Franz B. war im Herbst 1984 ein global bekannter Mann und seit kurzem Teamchef der Nationalmannschaft. Franz N. war ein regional eher unbekanntes Jüngelchen und seit kurzem Sportredakteur. Nach einem Gaudi-Spiel in Dillingen sollte ich IHN verpflichten. ER sollte doch bitte, bitte, bei uns in der Redaktion in Augsburg vorbeischauen. Weil dort im Frühjahr 1985 ein Länderspiel stattfinden würde, da wäre es doch toll... im Vorfeld… ein Interview… Mit zitternden Knien näherte ich mich dem Kaiser, der am Biertisch thronte (na ja, er saß ganz normal da). Ich verbeugte mich nicht, aber beugte mich doch zu ihm runter, trug mein Anliegen vor. Und er sagte: „Reden’s bitte mit dem Holzschuh (damals Pressechef des DFB). Der macht meine Termine, der schickt mich überall rum.“ Aha, dachte ich mir. Auch ein Kaiser kann nicht tun und lassen, was er will. Das machte ihn mir schon mal sympathisch. 

Franz B. konnte auch anders sein. Seine Zornesausbrüche sind Legende. Aber sie waren die Ausnahme. Wann immer wir uns persönlich getroffen haben, erlebte ich einen höflichen Menschen mit einem phänomenalen Personengedächtnis. Viele von denen, die er nur selten sah, grüßte er mit Namen. Wer das erlebte, der wuchs. Beckenbauer kennt meinen Namen! Wow!

Erinnerung an den Kaiser: Wenn Franz auf Franz trifft
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Das Leben von "Kaiser" Franz Beckenbauer in Bildern

Beckenbauer verschwindet im Nikotinnebel

Bemerkenswert auch seine Geduld. Er war in Augsburg im Presseclub zu Gast. In einem kleinen Raum, viel zu klein für ihn. Alle wollten ihn sehen, alle drängelten rein. ALLE rauchten. Es waren die 80er Jahre. Nur er rauchte nicht. Er redete. Verschwand im Nikotinnebel. Klagte nicht. Beantwortete jede noch so dumme Frage. 

Ich hatte mir einmal eine besonders clevere Frage für ihn überlegt. Es war Tradition, dass ihn zum Ende eines Jahres zwei, drei Journalisten zum Gespräch über Gott und die Welt treffen durften. Alleine mit ihm im Kaminzimmer. Wie im Film. Aber ich würde die vorweihnachtliche Harmonie stören. In einer Trainer-Fachzeitschrift hatte ich einen kritischen Artikel über ihn gelesen. Irgendwas mit langen Pässen auf Flügelstürmer. Taktikscheiß halt. Ich nahm meinen Mut zusammen, formulierte meine bohrende Frage, die, natürlich, wenig subtil sein völliges taktisches Versagen als Teamchef anprangerte. Und er? Sagte lächelnd: „Ach mei, was lesen Sie denn für Sachen?“ Zwergenaufstand beendet. 

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Franz Beckenbauer war ein Großer. In jeder Beziehung. 

Franz Neuhäuser war von 1980 bis 2017 Redakteur in der Sportredaktion dieser Zeitung in Augsburg.

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