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Eishockey

08.05.2020

Ein Allgäuer bereitet das deutsche Eishockey auf Tag X vor

Keine Weltmeisterschaft, aber trotzdem viel zu tun: DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel aus Immenstadt leitet die Taskforce, die die neue Eishockey-Saison vorbereitet.
Bild: Tobias Hase, dpa

Eine Arbeitsgruppe um Sportdirektor Stefan Schaidnagel beschäftigt sich intensiv mit der kommenden Saison. Das Hauptproblem: Eishockey ist Kontaktsport.

Mit dem 4:3-Erfolg gegen die Eishockey-Großmacht Kanada 2018 in Pyeongchang feierten die deutschen Eishockeyspieler eine Sensation und holten anschließend gegen Russland die Silbermedaille. Am Freitag hätte der Eishockey-Klassiker Deutschland gegen Kanada die Eishockey-WM in der Schweiz eröffnet. Doch statt in Lausanne die Schlittschuhe zu schnüren, sitzen die Nationalspieler zu Hause. Das Virus hat das Turnier ausgebremst. Während für die Profis die Saison mit der DEL-Hauptrunde Anfang März beendet war, müssen die Funktionäre arbeiten. Bundestrainer Toni Söderholm nutzt von seinem Heimbüro nahe Helsinki die Zeit für eine Mental-Analyse der Nationalspieler.

Der neue starke Mann in Deutschland ist Stefan Schaidnagel, der die soeben gegründete Taskforce „Eishockey“ zusammen mit DEB-Präsident Franz Reindl leitet. „Es geht darum, Konzepte zu erstellen, wie die Eishockeyspieler wieder in den Trainingsbetrieb zurückkehren können“, sagt Schaidnagel, dessen Titel derzeit lautet „Sportdirektor mit Generalverantwortung“. Reindl ist das bekannte Gesicht mit den internationalen Kontakten, Schaidnagel sein Kronprinz und Arbeiter im Hintergrund.

Eishockey-Spiele vor bis zu 18.000 Fans?

In Augsburg hätten die Profis der Panther längst ihre Saisonvorbereitung im Kraftraum des Curt-Frenzel-Stadions aufgenommen, in der Gruppe. Das ist nicht erlaubt. Stattdessen gibt es ein individuellen Programm, das jeder alleine durchzieht. Noch bleibt genügend Zeit bis zum Herbst, der Saisonstart in der Deutschen Eishockey-Liga ist für den 18. September geplant. Doch ob dann Eishockeyspiele mit bis zu 18.000 Zuschauern wie in der Kölner Arena oder 6100 Fans im Augsburger Curt-Frenzel-Stadion stattfinden können – fraglich. Großveranstaltungen werden wohl erst in der letzten Stufe der Lockerung möglich sein sagt die Politik. „Das ist ein dynamischer Prozess, aber wir müssen auf alle Szenarien vorbereitet sein“, sagt der ehemalige Verteidiger Schaidnagel aus Immenstadt.

Neben dem DEB sitzen auch je ein Vertreter der Profiligen DEL und DEL 2, sowie Mediziner, Sportwissenschaftler oder auch Ausrüstungshersteller in der zehnköpfigen Taskforce. Vergleichbar zum Profifußball will man für den Tag X gewappnet sein. Eishockey ist ein Kontaktsport. „Das fängt an, dass wir uns Gedanken machen, ob die Spieler wegen der Ansteckungsgefahr ein Vollvisier tragen sollen. Es geht weiter über das Athletenmanagement in den Umkleiden bis hin zu den Zuschauern und was die in den Pausen machen“, erzählt der 39-Jährige.

Dem Verband brechen die Einnahmen weg

Bisher sind in der DEL Halbvisiere zum Schutz der Augen verpflichtend vorgeschrieben. Ein Vollgesichtsschutz bietet zusätzliche Möglichkeiten, die Anzahl der Trainingsgruppen bei Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen zu erhöhen. Die Entwicklung werden auch die zahlreichen Spieler in Bayern unterhalb der beiden deutschen Profiligen gespannt verfolgen.

Mit der WM in der Schweiz sind auch die Testspiele der deutschen Nationalmannschaft ausgefallen. Damit verliert der Verband eine wichtige Geldquelle. Schaidnagel hatte den Einnahmenverlust des Verbandes zuletzt auf einen „sechsstelligen Betrag“ beziffert. Auf der anderen Seite muss der DEB durch den Ausfall auch der Frauen-WM oder internationaler Jugend-Turniere weniger Geld ausgeben.

Wichtig für den DEB ist der Deutschland Cup

„Natürlich machen wir ein Minus, aber das nehmen wir hin“, sagt DEB-Präsident Reindl. Problematischer könnte es werden, wenn die Klubs als DEB-Mitglieder zur neuen Saison ihre Beiträge nicht bezahlen könnten. Wichtig ist für den DEB vor allem auch, den für Anfang November geplanten Deutschland Cup in Krefeld durchführen zu können. „Das hätte für uns gravierende Folgen“, sagt der gebürtige Allgäuer Schaidnagel. Mit dem Vier-Nationen-Turnier im Herbst füllt der Verband die Kasse auf. Anders als im Fußball sind die Erlöse aus dem Ticketverkauf entscheidend, da die Einnahmen aus der TV-Vermarktung im Eishockey kaum ins Gewicht fallen.

Auch sportlich hätte dies Folgen. Sollte das traditionelle Turnier des DEB ebenfalls abgesagt werden, stünden vor den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking regulär nur noch die WM 2021 in Lettland und Weißrussland sowie der Deutschland Cup im kommenden Jahr an. „Bundestrainer Söderholm und ich blicken schon in Richtung Peking. Das System müssen wir jetzt stramm durchorganisieren“, sagt Schaidnagel, der wohl bald der erste Mann im deutschen Eishockey wird. DEB-Präsident Reindl wollte eigentlich beim Kongress des Weltverbandes IIHF im Mai seine Kandidatur für die Nachfolge von Amtsinhaber René Fasel, 70, bekannt geben. Mit der WM entfällt jedoch auch der Kongress. Bis Ende Mai muss der 65-jährige Reindl seinen Hut in den Ring werfen. Ob im September der Bronzemedaillengewinner von 1976 zum neuen Weltverbands-Präsidenten gewählt werden kann – noch offen.

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