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Eishockey
18.08.2020

Augsburger in der NHL: So erlebte Nico Sturm sein erstes Tor für Minnesota

Nico Sturm im Trikot von Minnesota. Für den Augsburger ist die Saison in der NHL bereits beendet. Allerdings hat er vor wenigen Wochen sein erstes Tor in der besten Eishockeyliga der Welt erzielt.
Foto: Www.imago-images.de

Exklusiv Der Augsburger Nico Sturm spricht über sein erstes Tor in der NHL, seine Ziele und warum er sich ein Karriereende bei den Augsburger Panthern vorstellen kann.

Es war - zumindest aus Augsburger Sicht - ein Moment für die Ewigkeit: Am 7. August erzielte Nico Sturm im Spiel seiner Minnesota Wild gegen die Vancouver Canucks das erste Tor eines Augsburgers in der nordamerikanischen NHL. Insgesamt gingen für Minnesota zwar sowohl Spiel als auch Serie gegen Vancouver verloren. Für den 25-jährigen Nico Sturm wurde das Ausscheiden aber mit einem persönlichen Erfolgsmoment versüßt. Im Interview mit unserer Redaktion spricht Sturm über seine ersten NHL-Erfolge, die wegen Corona ohne Zuschauer abgehaltenen Finalspiele der NHL und sein Ziel, die Karriere bei den Panthern zu beenden.

Seit etwas mehr als einer Woche ist Ihre Saison mit den Minnesota Wild in der National Hockey League zu Ende. Wie sieht der Sommerurlaub eines NHL-Profis aus?

Nico Sturm: Ich bin jetzt wieder zurück in Minnesota bei meiner Freundin und mache zwei Wochen ein bisschen weniger im Training. Also nur das, worauf ich Lust habe. Normalerweise trainieren wir sehr streng nach Plan. Gar nichts trainieren gibt es eigentlich nie bei mir.

Kommen Sie irgendwann auch mal nach Deutschland auf Heimatbesuch?

Sturm: Klar, ich habe ja jetzt viel Zeit. Die Camps gehen wahrscheinlich erst Mitte November los. Im September werde ich auch wieder nach Deutschland kommen.

Auch nach Augsburg?

Sturm: Wenn, dann nur nach Augsburg, wo meine Familie lebt.

In Augsburg haben Sie auch als Kind mit dem Eishockey begonnen. Dieser Weg hat Sie mittlerweile in die beste Liga der Welt geführt, wo Ihnen kürzlich mit den Minnesota Wild das erste NHL-Tor eines Augsburgers gelungen ist. Wer sich den Treffer gegen die Vancouver Canucks anschaut, muss unwillkürlich an eine alte Trainer-Weisheit denken: Jeder Puck aufs Tor ist ein guter Puck...

Sturm: (lacht) Ja, das stimmt – vor allem auf dem Level. Die glasklaren Chancen bekommt man da eher selten. Du hast natürlich die absoluten Top-Spieler, die mir ihren technischen Fähigkeiten Tore erzielen können. Aber ein Großteil sind "schmutzige" Tore. Abpraller, die über die Linie gedrückt werden. Bei mir hat’s jetzt auch mit so einem Tor geklappt. Am Ende des Tages zählen die aber alle gleich viel.

Schildern Sie kurz die Szene?

Sturm: Ich habe aus ziemlich spitzem Winkel geschossen und den Puck gar nicht mehr gesehen. Ich bin dann hinter das Tor gefahren und erst da habe ich gesehen, dass die Scheibe drin war. War in dem Moment ein wichtiges Tor, hat uns Ende des zweiten Drittels die Führung gegeben. Ich wollte mit dem Schuss eigentlich gar nicht unbedingt ein Tor erzielen, eher einen Rebound erzwingen. Aber der Torwart hat in dem Spiel schon zweimal zuvor auf der Seite nicht gut ausgeschaut. Das hatten wir vorher auch in der Analyse heraus gefunden, dass er am Pfosten Probleme hat.

Nico Sturm hielt sich in der Saison-Vorbereitung eine Zeit lang bei den Augsburger Panthern fit.
Foto: Ulrich Wagner

Trotzdem hat Ihre Mannschaft das Spiel verloren, die Saison war damit beendet. Kann man sich trotzdem über den ersten NHL-Treffer freuen?

Sturm: Ich bin einer, der das relativ schnell abhakt. Außerdem war ich dann beim Gegentor in der Overtime auf dem Eis und habe da nicht die beste Form abgegeben. Da übernehme ich auch ein bisschen die Schuld und bin ein Teil des Ganzen. Ich will Vollzeit in der NHL spielen und da gehört es eben dazu, dass man Verantwortung übernimmt. Natürlich war das Tor schön und ist auch etwas, auf was man später mal zurück schaut. Trotzdem ist unsere Saison leider schon zu Ende. Jetzt beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison. Und da haben mir die zwei Spiele extrem geholfen.

Der Vertrag von Nico Sturm bei Minnesota Wild läuft aus

Die NHL spielt mit einem riesigen Aufwand ihre Saison zu Ende. Alles ist hermetisch abgeriegelt. Wie war das Leben in dieser Blase?

Sturm: Eigentlich relativ langweilig. Man hat sein Hotelzimmer, dann die Lounge mit einer Tischtennisplatte und einer Playstation. Wenn du aus dem Hotel rauskommst, ist da ein eingezäunter Bereich. Durch einen Tunnel kannst du ins Stadion laufen und vor dem Eingang ist noch einmal ein kleiner Platz mit ein paar Food-Trucks. Im Eisstadion selbst gab's noch ein Restaurant und Golf-Simulatoren. Nach einer Woche hast du das alles durch. Insgesamt muss man aber schon sagen, dass die NHL da einen sehr guten Job gemacht hat. Es hängt ja extrem viel dran, dass die Saison zu Ende gespielt wird.

Wie sieht Ihre sportliche Zukunft aus?

Sturm: Mein Vertrag läuft aus. Über einen neuen kann ich aber erst verhandeln, wenn die Stanley-Cup-Finals vorbei sind. Ich muss also bis Anfang Oktober warten. In der Hinsicht mache ich mir aber keine Sorgen, da sieht es ganz gut aus. Bis dahin will ich gut trainieren und hoffe, dass ich auch in Augsburg wieder mitmachen kann. Da muss ich zwar erst noch mit Tray Tuomie und Duanne Moeser sprechen, aber das hat in den letzten Jahren super geklappt. Ich bin immer topfit zu den Camps gekommen.

Das Ziel dürfte klar sein: Ein fester Platz in einem NHL-Team?

Sturm: Ja, natürlich. So, wie das letzte Jahr gelaufen ist und so, wie ich mich präsentiert habe, will ich nächstes Jahr nur noch oben in der NHL spielen.

Sie sind den steinigen Weg durch die AHL gegangen. Wie viel Durchhaltevermögen verlangt das einem ab?

Sturm: Es gibt immer wieder Hindernisse. Als mich die Trainer am Anfang in der AHL noch gar nicht kannten, war ich mit meiner Eiszeit unzufrieden. Ich bringe als Spieler vieles mit, was man nicht sofort in den Statistiken sieht. Es hat gedauert, bis die Trainer mich kannten und plötzlich habe ich wieder Über- und Unterzahl gespielt. Meine Eiszeit und meine Rolle im Team sind stetig gewachsen. Ich war am Ende Nummer-Eins-Center in Iowa. Aber natürlich gibt es immer Phasen, in denen es nicht so läuft. Dann rückt das Ziel NHL in weite Ferne. Aber dann bekommt man einen Call-up, spielt ganz gut und denkt sich: Hey, ich kann auch in der NHL spielen. Freud und Leid liegen eng beieinander. Das ist nicht nur physisch, sondern auch mental anstrengend und laugt dich extrem aus.

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Foto: Www.imago-images.de

"Ich hätte richtig Bock, vor den Fans im Curt-Frenzel-Stadion zu spielen"

Gab es aus Reihen der Augsburger Panther Glückwünsche zu Ihrem Premieren-Tor?

Sturm: Mit ein paar Leuten habe ich Kontakt. Ulle (Christoph Ullmann, Anm. d. Red.) hat mir zum Beispiel geschrieben. Von Tray und Duanne höre ich regelmäßig. Ich informiere mich auch immer, was bei den Panthern los ist. Und dann gibt's noch ein paar Spieler, mit denen ich im Nachwuchs zusammen gespielt habe. Hans Detsch zum Beispiel, auch wenn er nicht mehr in Augsburg ist.

Sie sind erst 25 und haben noch einige Jahre in der NHL vor sich. Aber können Sie sich vorstellen, Ihre Karriere in Augsburg ausklingen zu lassen?

Sturm: Das ist noch sehr weit weg. Aber natürlich ist das eine Sache, die alles abrunden würde. Das wäre schon sehr cool und gehört irgendwie auch dazu. Ich habe dem Verein sehr viel zu verdanken und hätte richtig Bock, vor den Fans im Curt-Frenzel-Stadion zu spielen. Hoffentlich dauert es aber noch ein paar Jährchen, bis es so weit ist.

Zur Person: Nico Sturm, 25, ist in Augsburg geboren und begann seine Eishockey-Karriere im Nachwuchs des AEV. Nach einer Zwischenstation beim ESV Kaufbeuren wagte er 2014 den Sprung in die USA. Dort arbeitete sich der defensivstarke Stürmer bis ins NHL-Team der Minnesota Wild hoch und hat bisher acht NHL-Spiele absolviert.

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