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FC Augsburg

08.06.2019

Als Bernd Schuster am Pfingstturnier die Fußballbühne betrat

Bernd Schuster (links) nach dem verlorenen Endspiel im Pfingstturnier 1978 gegen Dynamo Kiew.
Bild: Fred Schöllhorn

An Pfingsten trafen sich über Jahrzehnte hinweg im Augsburger Rosenaustadion die besten Jugendmannschaften Europas. Teils verbarg sich hinter den Spielen politische Brisanz.

Als Armin Veh vor einigen Jahren mal gefragt wurde, welche Erinnerungen er an das Rosenaustadion habe, antwortete er sofort: "Natürlich an die Zeit mit Helmut Haller, als 40.000 Fans zu den FCA-Heimspielen kamen und an die hochinteressanten Jugend-Pfingstturniere, mit Klubs wie Dynamo Kiew oder Arsenal London. Bernd Schuster und ich haben dabei mal zwei Elfmeter verschossen. Deshalb sind wir nur Zweiter geworden", sagte der heutige Sportdirektor des 1. FC Köln lächelnd.

1978 war das. Über Jahrzehnte stand Augsburg an Pfingsten im Zeichen des Jugendfußballs. 150 Vereine waren von 1953 bis 1991 zu Gast an der Wertach.

Für das Pfingstturnier öffnete sich der "Eiserne Vorhang"

Eine imponierende Zahl, die eng mit Paul Renz verbunden war. Der legendäre Jugendleiter des BCA und FCA (von 1953 bis 1990 im Amt), der 1993 verstarb, setzte im Jugendfußball in der Bundesrepublik Maßstäbe. Durch seine guten Kontakte gelang es ihm den "Eisernen Vorhang" zu öffnen. Nicht nur sportlich, sondern auch politisch eine Sensation. Bereits 1958 kam mit Dynamo Zagreb ein Team aus Jugoslawien, Anfang der 1970er Jahre lotste Renz mit Dynamo Kiew eine Mannschaft aus der ehemaligen Sowjetunion an den Lech.

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Die Ukrainer eroberten die Sympathien der bayerischen Schwaben und waren über 20 Mal in Augsburg zu Gast. Unter dem Motto "Der FCA schlägt Brücken zur Welt" war es Renz ein Anliegen, Mannschaften aus möglichst vielen Nationen nach Augsburg zu holen, um nach dem Zweiten Weltkrieg Völkerverständigung zu betreiben. 1969 verlieh der Europarat in Straßburg dem FCA die Europafahne, die fortan in der Rosenau flatterte. Die Augsburger waren begeistert. Nach wenigen Jahren kamen durchschnittlich rund 12000 Zuschauer zu den Turnieren, auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen übertrug live aus dem Rosenaustadion.

Der berühmte FCA-Jugendleiter Paul Renz präsentiert hier den Siegerpokal des Pfingstturnieres.

Initiator Paul Renz lockte internationale Spitzenteams nach Augsburg

Als Spieler des TSV Schwaben Augsburg und erfolgreicher Trainer der FCA-Jugend nahm Heiner Schuhmann teil. Er schwärmt noch heute davon: "Was Paul Renz da auf die Beine gestellt hat, war sagenhaft." Durch die Teilnahme der Teams aus aller Welt habe man immer wieder Gegeneinladungen erhalten. "Wir waren in Kiew, den USA, Brasilien, der Türkei und Israel. Gerade für die Buben blieben diese Reisen in dauerhafter Erinnerung."

Jahr für Jahr stellten Renz und seine Mitarbeiter attraktive Teilnehmerfelder auf die Beine. Vor allem Teams aus der Türkei lockten die Besucher an. Besiktas und Fenerbahce Istanbul oder auch die Jugend-Nationalmannschaft sorgten für grandiose Stimmung und füllten die Tribüne. Auch darüber hinaus waren Klubs mit klangvollen Namen dabei, AC und Inter Mailand aus Italien, Arsenal, Chelsea London sowie Manchester United aus England. Aus Israel nahmen Hapoel Ramat-Gan und Bnei-Yehua Tel Aviv teil, mit Palmeiras São Paulo kam ein hochkarätiger Gast aus Brasilien.

Haller, Blochin, Charlton - das Teilnehmerfeld liest sich wie eine Prominentenmannschaft

Unter den Spielern befanden sich spätere Legenden wie Uli Biesinger, Helmut Haller, Oleg Blochin, Bobby Charlton oder Bernd Schuster. Für viele FCA-Spieler war das Pfingstturnier das Sprungbrett für eine herausragende Karriere: Alwin Fink, Heiner Schuhmann, Leo Bunk, Roland Grahammer, Martin Trieb, Raimond Aumann, Christian Hochstätter, Karlheinz Riedle oder Dieter Frey. Akteure, die später in verschiedenen DFB-Auswahlteams zum Einsatz kamen.

Renz’ größter Coup war mit Sicherheit die Einladung einer Mannschaft aus der DDR im Jahr 1990. Kurz nach dem Mauerfall empfing der FCA nach 37 Jahren zum ersten Mal den Nachwuchs von Energie Cottbus im Rosenaustadion. Ein Jahr später gastierte der Chemnitzer FC in Augsburg.

Im Lauf der Zeit verblasste die Anziehungskraft der Pfingstturniere. Die Zuschauerzahlen waren rückläufig, der neue Jugendleiter Gerhard Kranzfelder plädierte 1991 für eine Reform. Die Gruppenspiele fanden nicht mehr nur in Augsburg statt, Landgemeinden wie Biberbach, Dasing oder Steppach wurden berücksichtigt.

Doch das Interesse schwand weiter. Nach der 37. Austragung erfolgte 1991 der Abpfiff für das Pfingstturnier.

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08.06.2019

So schön uns außergewöhnlich das damals war, heute wäre das leider nicht mehr möglich. Jeder 19 jährige hat heute einen Millionenvertrag in der Tasche und würde sich auch nicht mit ner Unterkunft ala Jugendherberge zufrieden geben.
Ich war ab 58 in der Rosenau zu den Spielen und als Kind war das natürlich ein Ereignis. 10 Jahre später verdiente ich mir dort mein Taschengeld als Eisverkäufer. Deshalb werde ich diese tollen Pfingsttage nie vergessen!

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